100.000 Tonnen Erde müssen nach Watenbüttel – nur wie?

10. Februar 2018 von
Der Stadtbezirksrat Lehndorf-Watenbüttel hat sich in der jüngsten Sitzung ausführlich mit dem Baugebiet Kälberwiese beschäftigt. Foto: Jonas Walter
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Braunschweig. Der Transport von 100.000 Tonnen belasteter Erde vom Baugebiet Kälberwiese nach Watenbüttel war ein großer Diskussionspunkt in der vergangenen Stadtbezirksratssitzung am Mittwochabend. Die Mitglieder des Stadtbezirksrates Lehndorf-Watenbüttel sprachen vor allem über die möglichen Verkehrswege für den Abtransport, um Anwohner zu entlasten.

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Anlass des Themas war eine Antwort der Verwaltung auf eine Notiz aus der Stadtbezirksratsversammlung vom 15. November 2017, wo das Thema bereits auf der Tagesordnung stand. Die Antwort der Verwaltung lautete wie folgt: „Ziel der Verwaltung ist es, eine übermäßige Belastung einzelner Wohngebiete durch die Bodentransporte zu vermeiden und die Belastung für Anwohner möglichst gering zu halten. Der Abtransport über den Madamenweg nach Westen stellt hierfür die beste Lösung dar. So wird der kürzeste, wenig bebaute Weg zum übergeordneten Straßennetz genutzt.

Ablagerung in Watenbüttel

Der vom Baugebiet Kälberwiese abzufahrende Boden erfüllt die Bedingungen zur Ablagerung in Watenbüttel. Die Zulässigkeit zur Entsorgung der Bodenmassen aus dem Baugebiet Feldstraße ergibt sich aus den abfalltechnischen Untersuchungen und der Zuordnung des Abfalls zum Abfallschlüssel 17 05 03 (Boden mit gefährlichen Inhaltstoffen). Die Deponie war im Jahre 2009 gemäß Ratsbeschluss vom 30. September 2008 für die Einlagerung von entsorgungspflichtigem Fahrbahnaufbruch, Tragschichten und Böden geöffnet worden.“

„Es geht nicht nur über Hauptstraßen“

Es stand also bereits fest, dass die Erde nach dem Transport die Endstation Watenbüttel sein würde. Um den zu fahrenden Weg, um die Anwohner tatsächlich gleichmäßig zu belasten, wurde allerdings sehr viel diskutiert. So äußerte sich Jens Kamphenkel, Vorsitzender der Stadtbezirksratsfraktion SPD, dass auf der geplanten Strecke bislang nur 150 Meter übergeordnetes Straßennetz integriert wären.

Frank Graffstedt. Foto: SPD

Frank Graffstedt, Bezirksbürgermeister und Mitglied der SPD-Fraktion, entgegnete, dass es auch nicht möglich wäre nur über Hauptstraßen vom Baugebiet bis nach Watenbüttel zu kommen. Es gebe noch eine Möglichkeit über eine bereits existente Busschleuse zu fahren, ergänzte Dr. Frank Schröter, stellvertretender Bezirksbürgermeister und Mitglied der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Diese müsse jedoch angepasst und von Watenbüttel noch auf die Funktionalität für das Vorhaben getestet werden. 

„Massive regionale Proteste zu erwarten“

Thorsten Herla, Vorsitzender der Stadtbezirksratsfraktion Bündnis 90/Die Grünen, betonte zudem, dass es klar sei, dass der Transport in Watenbüttel zusammenlaufe, fragte aber, ob es andere Maßnahmen gebe, wie beispielsweise etwaige Transportzeiten, um die dortigen Anwohner zu entlasten. Auch Eike Hoffmann von der FDP-Fraktion stellte sich in dieser Argumentationsreihe an die Seite von Herla. Er habe bereits selbst die Aushebung eines großen Beckens mit anschließendem Abtransport der Erde miterlebt. Wenn von morgens um 6 bis abends 19 Uhr minütlich LKW über Anliegerstraßen fahren würde, wäre das eine sehr belastende Verkehrssituation.

Eike Hoffmann. Foto: Archiv

Deswegen sei es äußerst sinnvoll, die 100.000 Tonnen Erde dieses Projektes auf verschiedene Routen aufzuteilen, da Teile der geplanten Streckenführung morgens bereits jetzt mit einem kritischen Maß an Verkehr belastet seien. Bei einer Beibehaltung der Planung sei deshalb mit massiven regionalen Protesten zu rechnen.

Karl Grziwa. Foto: T. Raedlein

Ausweichroute Autobahn?

Karl Grziwa, Stadtbezirksratsmitglied der CDU schlägt zudem vor, die LKW über das Braunschweiger Kreuz laufen zu lassen. Auch Bezirksbürgermeister Graffstedt versteht die aktuelle Verwaltungsplanung nicht: „Man muss nur mal gucken, wieviele Anwohner man auf dem Weg trifft.“, betont er in Bezug auf die vorgeschlagene Route aus der Antwort der Verwaltung. Prozentual mache die verkehrliche Mehrbelastung in Watenbüttel selbst sogar den geringsten Unterschied. Daraufhin entgegnete Herla, dass die Prozente die eine Sache seien, der bereits aktuelle Belastungsstand aber die andere. Eine Problemlösung über eine Route über die Autobahn hält auch er für erstrebenswert.

„Geheimnis liegt in der Aufteilung“

Dr. Sebastian Kretschmann. Foto: CDU Braunschweig

Dr. Sebastian Kretschmann von der CDU-Fraktion denkt, dass das Geheimnis einer adäquaten Lösung in der Aufteilung der Transportwege liege. Auch schlägt er eine Umleitung vor, sodass einige LKW von einer anderen Seite nach Watenbüttel fahren, um die dortigen Betroffenen zu entlasten. „Die Watenbütteler gucken sonst auf jeden Fall in die Röhre.“, betont Kretschmann.

Jens Kamphenkel zeigte erneut auf, dass nach aktueller Planung der Verwaltung alle LKW, ohne Ausnahme, über den Madamenweg, über den Raffturm bis zur Bundesstraße 1 fahren müssen. Am Ende ist sich die Versammlung einig: Der Bezirksrat sieht die Vorlage nicht als Lösungsmöglichkeit an, da einzelne Gebiete nicht entlastet würden. Es müsse betont kurzfristige Gespräche mit den zuständigen Stellen geben, um gemeinsam eine realisierbare Lösung zu finden. So schloss Bezirksbürgermeister Frank Graffstedt die ausführliche Debatte.

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