Kinderärztlicher Bereitschaftsdienst auch 2018 – aber anders

14. November 2017 von
Symbolfoto: pixabay
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Braunschweig/Goslar. In der vergangenen Woche gab es in den Sozialen Medien eine große Diskussion um eine bevorstehende Abschaffung des Kinderärztlichen Bereitschaftsdienstes. Im Telefonat mit regionalHeute.de erklärte die zuständige Kassenärztliche Vereinigung (KV) ihre genauen Pläne und kündigte an, dass es sich nur um eine Umstellung ab 2018 handele.

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Dr. Torsten Kleinschmidt, Vorsitzender der KV Bezirksstelle Braunschweig, hat die Diskussion im Internet verfolgt. Es sei nachvollziehbar, dass Änderungen den Menschen oft erst einmal Angst machen würden. Allerdings würde es sich hier nicht um eine Abschaffung handeln, es sei vielmehr eine Umstrukturierung, so betont Kleinschmidt, der selbst praktizierender Allgemeinmediziner ist und den Kontakt mit den Patienten kennt. Bereits seit Jahren ist die KV im Gespräch, um den Bereitschaftsdienst in der Region zu gewährleisten.

Es sei eine immer größere Herausforderung noch genug Ärzte zu finden, die heute bereit sind diesen Mehraufwand zu leisten. Es gebe strikte Regelungen, die sich aus der Bereitschaftsdienstordnung der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen ergeben würden – diese müssten eingehalten werden, erläutert der Vorsitzende die Problematik. Diese schreibe zum Beispiel vor, dass ein Arzt nur vier Dienste im Quartal übernehmen dürfe. Allein wegen der geringen Anzahl der Kinderärzte im ländlichen Bereich, sei es schwierig so einen durchgängigen Dienst zu organisieren.

Dr. Torsten Kleinschmidt. Foto: Archiv

Standort an Kinderklinik geknüpft

Ein weiterer großer Punkt: die Regelungen schreiben vor, dass zukünftig der Bereitschaftsdienst an eine Kinderklinik geknüpft sei – daraus würden sich bereits nur wenige mögliche Standorte ergeben. Ab 2018 soll demnach ein Bereitschaftsdienst für die Region Braunschweig an den Standorten Braunschweig, Salzgitter und Wolfsburg eingerichtet werden. Dies seien die Ballungszentren und würden auch logistisch für die meisten Menschen am besten erreichbar sein.

Bei allem Verständnis für die Sorgen der Eltern im Harz, müsse man auch die quantitative Patientenverteilung betrachten, auch hinsichtlich des demographischen Wandels. Außerdem sei es auch für die Eltern eine praktikablere Lösung, wenn sie eine feste Adresse hätten, an die sie sich wenden könnten. Hierfür soll ein Telefondienst eingerichtet werden, der durchgehend erreichbar ist. Im Ernstfall erfahren die Eltern dort sofort, welchen Standort sie anfahren können. Dies hätte den Vorteil, dass sich die Eltern auch unnötige Wege sparen würden. Denn: handelt es sich wirklich um einen Notfall, dann befinden sich die Eltern mit ihrem Kind bereits in einer Klinik und der Arzt muss den kleinen Patienten nicht erst in ein Krankenhaus weiterschicken.

Zukunftsorientierte Umstrukturierung

Alles in Allem handele es sich hier um eine sehr komplexe Planung, bei der mittlerweile auch alle beteiligten Ärzte an einem Strang ziehen würden. Mitte diesen Jahres habe es eine große Versammlung gegeben, bei denen die Ärzte eine Einigung hätten finden können – diese gelte auch für die Goslarer, so Kleinschmidt.

Man müsse in die Zukunft blicken, die Einrichtung einer praktikablen Notdienst-Hotline, die Stärkung des Ärztenachwuchses durch einen attraktiveren Bereitschaftsdienst und eine Verlegung in die Kliniken, sei eine durchaus positive Entwicklung, die allen gerecht werden würden: Patienten und Ärzten.

In wenigen Tagen wird es erneut eine große Ärzteversammlung geben, danach möchte die KV sich erneut an die Presse wenden und letzte Details klären – dann soll auch die neue Bereitschaftsdienst Telefonnummer vorgestellt werden.

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