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"Alleinerziehende haben es schwer"



Braunschweig

"Alleinerziehende haben es schwer"

von Robert Braumann



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Braunschweig. Seit 41 Jahren existiert der Verband alleinerziehender Mütter und Väter (VAMV) in Braunschweig und kümmert sich um die Belange der Eltern Wolfgang Kraemer prangert im Gespräch mit BraunschweiHeute.de den Umgang mit den Alleinerziehenden an. Häufig würde dringend benötigte Hilfe viel zu lange dauern.

Der Verband VAMV unterstützt Geschiedene, getrennt Lebende, Ledige, Verwitwete oder die Trennung anstrebende Mütter und Väter. Man hat sich zusammengeschlossen, um einen gegenseitigen Austausch zu ermöglichen und um dabei neue Wege zu gehen, erzählt Kraemer. Momentan gibt es 55 Mitglieder. Die Tätigkeiten sind vielschichtig. So wird auch eine Beratung bei Behördengängen angeboten. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter begleiten die Alleinerziehenden auch zu den Terminen. Ein Rechtsanwalt kann zudem die Bescheide des Jobcenters rechtlich bewerten. Als Weg aus der Isolation werden dazu auch gemeinsame Freizeitaktivitäten geboten. Es gibt Kinderaktionen, Ausflüge, Klön- und Spieleabende, gemeinsames Essen und vieles mehr.

"Politik ist gefordert"


Besonders der Umgang mit dem Jobcenter bereitet Wolfgang Kraemer dabei immer wieder viel Arbeit, erzählt er. In einem aktuellen Fall geht es darum, dass sich eine Mutter von dem Erzeuger getrennt habe und daraufhin eine Wohnung beim Jobcenter beantragt hat. Dazu wurde eine Erstrenovierung und eine Erstausstattung beantragt. Die Frau befindet sich in Mutterzeit, erhält aber Leistungen nach dem SGB II, da sie vor der Schwangerschaft nicht genug verdient hatte, um jetzt ohne Unterstützung leben zu können, lässt Kraemer wissen. Die Wohnung wäre zum 1.April frei gewesen, doch obwohl alle Anträge rechtzeitig eingereicht wurden, konnte die Mutter immer noch nicht in die Wohnung ziehen. Die Erstrenovierung wurde abgelehnt, da das Jobcenter entschieden hätte, dass die Frau sich in keiner Notsituation befinden würde. Im Schreiben heißt es, sie habe sich während der letzten Beziehung eine Summe ansparen können, um davon dann eine Erstrenovierung bezahlen zu können, erzählt Kraemer. Dazu hat sie auch weiterhin keine Ersteinrichtung erhalten und ein Darlehen würde ihr ebenfalls verwehrt. Kein Einzelfall sagt Kraemer. Immer wieder käme es zu Verzögerungen und manchmal würden getrennte Mütter fast dazu gezwungen, zurück zu ihrem Partner zu ziehen. Er sagt: "Alleinerziehende haben es schwer, da ihnen oft nur unzureichend geholfen wird." Die Mitarbeiter des Jobcenters möchte er aber keineswegs als Auslöser für die Probleme bezeichnen. Die würden tun was sie könnten, hätten aber schlichtweg viel zu viel zu tun. Hier wäre die Politik gefordert und müsse das Personal aufstocken. Deshalb will Kraemer sich an den Rat der Stadt Braunschweig wenden und die Probleme mit einer Bürgeranfrage weiter in die Öffentlichkeit tragen.

Wohnraumsituation angespannt


Wie bewertet das Jobcenter Braunschweig die Ausführungen von Wolfgang Kraemer? Daniela Kern (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Jobcenter Braunschweig) sagte: "[...] Sofern die Voraussetzungen gegeben sind, kann eine erstmalige Ausstattung einer Wohnung als Beihilfe gewährt werden. Ersatzbeschaffungen (wenn bereits ein eigener Hausstand vorhanden ist oder war beziehungsweise der Ersatz kaputter Einrichtungsgegenstände) werden von den gesondert zu erbringenden Leistungen gemäß § 24 Abs. 3 SGB II nicht erfasst sondern sind aus der jeweiligen Regelleistung sicherzustellen. Dies gilt ebenfalls für die Kosten einer Einzugsrenovierung. Bei Eingang eines Antrags auf Übernahme der Kosten einer Erstausstattung ist vom Jobcenter daher immer der genaue Sachverhalt und der genaue Bedarf zu ermitteln. Dafür ist einerseits eine Besichtigung der Wohnung durch den Ermittlungsdienst des Jobcenters erforderlich und andererseits die Angaben der Kundin/des Kunden, ob bereits ein Hausstand bestand und welche Möbel (auch bei Trennung vom Partner) gegebenenfalls in die neue Wohnung mitgenommen werden können. Bei der Ermittlung des einzelnen Sachverhaltes sind die Sachbearbeiterinnen/Sachbearbeiter des Jobcenters daher auch immer auf die Mitwirkung des Kunden/der Kundin angewiesen. Grundsätzlich werden Neuanmietungen/Erstausstattungen etc. im Jobcenter Braunschweig vorrangig bearbeitet, da bekannt ist, dass die Wohnraumsituation im Raum Braunschweig zur Zeit sehr angespannt ist. In Einzelfällen kann es jedoch aufgrund von Belastungssituationen durch krankheits- oder urlaubsbedingte Ausfälle von Mitarbeitern zu Verzögerungen in der Sachbearbeitung kommen." Wer sich ungerecht behandelt fühlt oder einfach jemanden zum Reden sucht, der kann sich unter www.vamv-bs.de weiter informieren.


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