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Applaus statt Tränen – Evita begeisterte Publikum

von Thorsten Raedlein



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08.08.2014


Wolfenbüttel. Mit dem Musical Evita (Gastspiel des Nordharzer Städtebund Theaters) startete am Donnerstag der Wolfenbütteler Kultursommer im Schlossinnenhof. Es war ein furioser Start. Statt Tränen gab es lang anhaltenden Applaus des Publikums.

Ausgehend von einem prunkvollen Staatsbegräbnis wird in einer Rückblende der Aufstieg Eva Duartes (Regina Pätzer)  aus den Slums zur mächtigen First Lady Argentiniens erzählt: Als Fünfzehnjährige hängt sich Evita an den Tangosänger Magaldi (Ki Soo Yoo), der sie mit in die Hauptstadt Buenos Aires nimmt. Dort sucht sie sich ihre weiteren Liebhaber so aus, dass sie mit deren Hilfe schnell die Karriereleiter emporsteigt. Schließlich wird sie die Geliebte des machtbesessenen Offiziers Juan Perón (Klaus-Uwe Rein), dessen Pläne zum Umsturz in Argentinien sie aktiv unterstützt. Ihr Kalkül geht auf: Perón erhebt sich zum Präsidenten von Argentinien und nimmt Evita zur Frau. 

Als neue First Lady des Landes setzt sie auf eine Mischung aus barmherziger Nächstenliebe, faschistoider Prunksucht, sozialistischer Gerechtigkeit und viel Haute Couture. Doch auf den rasanten Aufstieg folgt der tiefe Fall: Nicht nur im Ausland, auch in der Highsociety Argentiniens bleibt Evita höchst umstritten. Bereits schwer an Krebs erkrankt, will sie dennoch als Vizepräsidentin kandidieren. Bevor es dazu kommt, stirbt sie, vom Volk als Heilige verehrt.

21 Jahre nach dem Tod Eva Peróns entdeckte Tim Rice in der schillernden Biografie der argentinischen Präsidentengattin den Stoff für ein neues Musical. Ähnlich vielgestaltig wie die Hauptfigur ist die Musik von Andrew Lloyd Webber: lateinamerikanische Rhythmen verschmelzen mit klassisch-romantischen Klängen, die in Evitas Ansprache „Wein‘ nicht um mich, Argentinien“ ihren Höhepunkt finden (Michael Korth hatte am Donnerstag die Musikalische Leitung inne). 

Es entstand eine geniale Mischung aus Aschenputtel-Märchen, Polit-Revue, Broadway und ein wenig Brecht, denn das widersprüchliche Wirken der Diva kommentiert kein Geringerer als Ché Guevara (Ingo Wasikowski), auch wenn der in Wirklichkeit wohl niemals den Weg Eva Peróns kreuzte…

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