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BI Baumschutz: Heidemarie Mundlos bleibt weg, Baum radelt mit!



Braunschweig

BI Baumschutz: Heidemarie Mundlos bleibt weg, Baum radelt mit!


Foto: Bürgerinitiative Baumschutz
Foto: Bürgerinitiative Baumschutz

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Braunschweig. Heidemarie Mundlos (CDU) wollte der Einladung der Bürgerinitiative (BI) Baumschutz nach eigenen Angaben zu einer Rikschatour zu Orten, an denen Bäume vernichtet wurden, nicht folgen. Trotzdem blieb der für sie reservierte Platz nicht leer: eine kleine Fichte fuhr stattdessen bei der Baumradeltour der BI Baumschutz mit.



Die Pressemitteilung der BI veröffentlicht regionalHeute.de unkommentiert und ungekürzt.



Die BI Baumschutz hatte speziell die CDU Ratsmitglieder Frau Mundlos und Herrn Hinrichs zu der Tour eingeladen. Diese behaupteten bei der vorletzten Ratssitzung, als es um eine mögliche Baumschutz- und Grünförderungssatzung für Braunschweig ging, dass seit Abschaffung der alten Baumschutzsatzung 2002 keine übermäßigen Baumfällungen passiert seien. Sie forderten Beweise für gegenteilige Aussagen und für die Notwendigkeit, Braunschweigs Bäume zu schützen. Mit der Tour wollte die BI den Ratsmitgliedern Orte zeigen, an denen in letzter Zeit massiv Bäume gefällt oder gekappt wurden. Auch einige von Fällung bedrohte Bäume wurden besucht. Insgesamt fuhren die TeilnehmerInnen rund zwölf km und besuchten dabei 22 Stationen, an denen jeweils kurze Informationen gegeben wurden.

Obwohl alle Ratsmitglieder eingeladen worden waren, nahmen lediglich Peter Rosenbaum, Wolfgang Büchs und Bezirksrat Wolfgang Wiechers von der BIBS an der Aktion teil.

Bei schönstem Sonnenschein sammelten sich um 14 Uhr knapp 60 RadfahrerInnen auf dem Parkplatz am Eingang Süd des Hauptbahnhofs. Hier hat die Bahn Anfang März routinemäßig ein kleines „Wäldchen“ fällen lassen. „Die großen Bäume lieferten den Sauerstoff für zirka 300 Menschen. Sie waren auch Lebensraum für viele Tiere. Sogar Nachtigallen lebten hier!“, so Sabine Sambou von der BI.



Anschließend ging es zu diversen Grundstücken, vorwiegend von Wohnungsgesellschaften. Auf allen fehlen nach Fällungen große Bäume, die auch nicht nachgepflanzt wurden.

Durchpflügte Erde ohne jeden Baumbestand


Auch das Gelände der ehemaligen Reitställe gegenüber der Stadthalle, auf dem jetzt die Borek-Immobilien baut, war früher mit vielen Bäumen bewachsen. Heute ist nur durchpflügte Erde ohne jeden Baumbestand geblieben. Ein ähnliches Bild bietet sich auf dem ehemaligen BZ-Gelände an der Hamburger Straße. Hier sind entgegen dem rechtskräftigen Bebauungsplan auf Druck des Investors alle Bäume gefällt worden. Ein Teilnehmer bemerkte: „Hier sieht es aus wie in der Wüste!“ Dabei wurden hier vor den Fällungen 17 verschiedene Vogelarten nachgewiesen!
Stadtratsmitglied Wolfgang Wiechers erklärte an dem Gelände Langer Kamp, dass auch hier keine Rücksicht auf vorhandene große, wertvolle Bäume genommen wurde, obwohl dies möglich gewesen wäre.

An der Jasperallee informierte die BI über die mögliche Fällung aller 87 Silberahorne zwischen Theater und Ring, um dort aus historischen Gründen stattdessen Linden zu pflanzen. Die BI führt zur Zeit eine Befragung zu den Wünschen der BürgerInnen durch und viele der TeilnehmerInnen trugen sich gleich in die Unterschriftenliste ein.

An der Jasperallee/Lützowstraße wurde ebenfalls eine hohe, alte Pappel besucht, die unmittelbar von der Fällung bedroht ist. Briefe von zwei Anwohnerinnen der benachbarten Häuser wurden verlesen. „Meine Mietwohnung hat ihre große Lebensqualität wegen der Pappel! Sie spendet allen Bewohnern hier ihren Sauerstoff, ihre Lebendigkeit, ihre Energie und ihre Ruhe. So ein Baum ist schützenswert. So weit ich weiß, ist sie gesund und verliert nur selten Äste. Beim letzten Orkan fiel kein einziger Ast.“ Und die andere Bewohnerin schrieb: “Diese Pappel ist ein wunderbarer Baum. ...Für mich ist es sehr traurig, dass sie gefällt werden soll, und ich hoffe noch immer, dass die Eigentümer... sich noch einmal anders entscheiden.“

Tränen in den Augen


Sehr bewegend war auch der Stopp auf dem Bültenweg, bei dem ein Anwohner mit Tränen in den Augen von der brutalen Vernichtung von vielen alten Bäumen auf einem ehemals parkähnlichen Grundstück berichtete.
Edmund Schultz von der BI stellte am ehemaligen „Lindenhof“ eine Rätselfragen: „Was fällt hier auf?“ Schnell war klar: wenn im „Lindenhof“ keine einzige Linde (und auch kein anderer Baum) mehr steht, ist etwas sehr schief gelaufen.

Am Wasserschutzgebiet Bienroder Straße vorbei - dort hat BS Energy im letzten Jahr in einem lange Zeit unberührten Waldgebiet regelrecht gewütet und unzählige Bäume gefällt. Im Anschluss ging es weiter in die Schuntersiedlung. In der Simonstraße endete die Tour mit dem fassungslos machenden Anblick einer ganzen Reihe vollkommen zerstörter Gärten. Wo einst grüne Idylle herrschte ist nun nichts mehr übrig geblieben. Die alten Häuser sollen abgerissen werden. Die sterilen neuen Gärten, die dann angelegt werden, kann man einige Häuser weiter besichtigen.

Am Ende der Tour waren sich alle einig: Radfahren macht Spaß. Und Braunschweigs Bäume brauchen Schutz!


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