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"Brauchen noch ein weiteres Jahr" - Industrie kämpft mit Corona-Folgen



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"Brauchen noch ein weiteres Jahr" - Industrie kämpft mit Corona-Folgen

Im Interview mit regionalHeute.de spricht Tobias Hoffmann, Präsident der IHK Braunschweig, über Lieferengpässe und mögliche Reaktionen der Industrie auf die Pandemie.

von Alexander Dontscheff, Werner Heise und Thomas Stödter


Tobias Hoffmann über Lieferengpässe durch die Pandemie. Foto: Thomas Stödter / Video: Thomas Stödter

Region. Gerade im Bereich Unterhaltungselektronik dürfte in diesem Jahr manch einer Schwierigkeiten gehabt haben, den ein oder anderen Weihnachtswunsch zu erfüllen. Der Grund sind Lieferengpässe bei Chips und Halbleitern, so dass manche Produkte nicht mehr hergestellt werden können. Auch viele produzierte Autos warten darauf, dass sie ausgeliefert werden können, da die Bordelektronik noch nicht komplett ist. Nur einige der Folgen der Pandemie für Industrie und Wirtschaft. Tobias Hoffmann, Präsident der IHK Braunschweig erläutert im Interview mit regionalHeute.de die Zusammenhänge und wagt einen Ausblick, welche Konsequenzen die Industrie aus der Krise ziehen könnte.



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"Deutschland hat jahrzehntelang von der Globalisierung profitiert", bilanziert Hoffmann. In den letzten 20 Jahren sei es sehr einfach gewesen, Teile aus anderen Weltregionen hierher zu schaffen und kurze, schnelle Lieferketten aufzubauen. Das Virus macht uns jetzt aber schockartig klar, was es bedeutet, wenn eingespielte Lieferketten nicht nur gestört, sondern kurzzeitig unterbrochen werden", erklärt der IHK-Präsident. Dies gehe auf eine Kette überproportionaler Reaktionen zurück. Wenn etwa ein Seehafen in Südostasien aufgrund einiger Corona-Fälle auf einem Schiff durch einen Lockdown für zwei Wochen geschlossen wird, sind das Millionen von Tonnen Ladung, die nicht verschifft werden. Dies führe dann wieder andernorts zu Staus und letztlich wird die Ware nicht an die verarbeitende Industrie in Deutschland geliefert.



Hinzu komme, dass in der Pandemie die Nachfrage nach Unterhaltungselektronik stark gestiegen sei. Viele Urlaubsbudgets seien hierhin verlagert worden. Zu allem Überfluss sei auch noch eine Halbleiterfirma in China abgebrannt. Außerdem seien die Frachtkosten geradezu explodiert und Verpackungsmaterial sei aufgrund der Verschickung von Corona-Gesundheitsbedarf wie Testkits knapp geworden.

"Verbraucherpreise und Inflation steigen"


"Wir werden noch ein weiteres Jahr brauchen, bis sich die Lage bei den produzierenden Unternehmen normalisiert hat", prophezeit Tobias Hoffmann. Man werde wieder verstärkt dazu zurückkehren in Deutschland und Europa zu produzieren. Da dies teurer ist, werde sich das negativ auf die Verbraucherpreise und die Inflation auswirken. Zudem werde man wieder dazu zurückkehren Sachen vor Ort einzulagern und nicht bei Bedarf zu bestellen. Für die Volkswirtschaft und den Arbeitsmarkt könne dies positive Effekte haben. Andererseits könne dies aber auch zu neuen Problemen führen, da dies mit einem enormen Platzbedarf einher gehe. Und der Bau neuer Logistikzentren werde auch auf Kritik stoßen.



Das komplette Interview mit Tobias Hoffmann finden Sie hier.


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