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CDU wehrt sich: "Schwarze Glosse" - gegen "journalistische Macht"



CDU wehrt sich: "Schwarze Glosse" - gegen "journalistische Macht"

von Marc Angerstein





[image=76379]Wolfenbüttel. In ungewöhnlicher Form setzt sich die Wolfenbütteler CDU gegen die „journalistische Macht“ eines Lokalredakteurs zur Wehr, dem sie vorwirft, „zum wiederholten Male Stimmung gegen diese Stadt und die Verantwortlichen zu machen“. Bei facebook hat sie unter dem Titel „Das triste Leben eines Lokalreporters“ eine erste sogenannte „Schwarze Glosse“ veröffentlicht, dort als satirischen Gedankensplitter gekennzeichnet und eine lockere Serie zu bemerkenswerten Themen oder eindrucksvollen Zeitgenossen (und was der CDU sonst noch so in Wolfenbüttel über den Weg läuft) angekündigt.

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Karl-Ernst Hueske. Foto: Werner Heise




Vorausgegangen war eine Berichterstattung und ein Kommentar vom Wolfenbütteler Journalisten Karl-Ernst Hueske am Samstag in der lokalen Print-Tageszeitung über die Bürgerbeteiligung bei der Innenstadtentwicklungsplanung (auch WolfenbüttelHeute.de berichtete). In seinem Kommentar hat der Kollege aus seiner Wahrnehmung heraus festgestellt, dass die von den Bürgern erarbeiteten Ideen derzeit nicht auf Mehrheits- oder Umsetzungsfähigkeit hin bewertet werden könnten, da sie „noch geheim gehalten werden“, um sie optisch aufzubereiten.


In Hueskes Kommentar erfuhr der Leser, dass die Ideen des Bürgerbeteiligungsprozesses erst am 16. März auf der Website www.direktzu.de/pink und in einer Beilage (gemeint ist offensichtlich der periodisch erscheinende BLICKPUNKT der Stadt Wolfenbüttel) veröffentlicht werden. Seiner Meinung nach sähe Transparenz anders aus.

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Bürgermeister Thomas Pink. Foto: Marc Angerstein)




Der Print-Kollege warf dem Bürgermeister Thomas Pink vor, „schon beim Allwetterbad seit einigen Wochen zu bestimmen, wann die Presse darüber berichten darf.“ Hueske äußerte die Hoffnung, dass der Stadtrat eigenständig über die Realisierung der Bürgerideen entscheide und nicht nur die Ideen umsetzen würde, „bei denen das Herz des Bürgermeisters höher hüpft, wie dies bei den Vorstellungen zur von Pink ungeliebten Breiten Herzogstraße der Fall zu sein scheint." Der Journalist findet, alle Ideen hätten es verdient, ausführlich auf ihre Machbarkeit hin diskutiert zu werden.

Die Wolfenbütteler CDU kann wohl weder Bericht, noch Kommentar nachvollziehen und veröffentlichte am Sonntag bei facebook ihre „Schwarze Glosse“, die wir ungekürzt und unkommentiert veröffentlichen:

Das triste Leben eines Lokalreporters


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Eckbert Schulze. Foto: CDU



Ort des Geschehens ist die Lokalredaktion, die einzige Lokalredaktion, die noch täglich gedruckte Zeitungen in unserer Stadt herstellt. Gewissermaßen der mediale Printmonopolist unserer Stadt. Das hört man dort nicht gern. Und hier arbeitet er. Seit gefühlten 100 Jahren. Nie tat er etwas anderes. Obwohl sein nicht zu unterdrückender Dialekt eine Abstammung aus einem Landstrich zwischen Ostwestfalen-Lippe, dem Münsterland oder Bielefeld vermuten lässt. Karl-Ernst Hueske. Übellaunigkeit ist sein Markenzeichen. Und die geschriebene Wahrheit hat er auf Dauer gepachtet. Nichts daneben duldet er! Schon gar nicht die Meinung konservativer, bürgerlicher Protagonisten. Denen zeigt er es. Dokumentiert sein Antlitz gerade in solchen Situationen eine Mischung aus Zynismus und Unpässlichkeit, versteht er es geradezu auf brillante Weise, selbst die positivsten Ereignisse für unsere Stadt in einem schlechten Lichte scheinen zu lassen. Und immer nimmt er sich dann die Politik vor, die scheinbar verantwortlich für seine Trübsal ist, gegen die er seit Jahrzehnten wie Don Quichote gegen die Windmühlen kämpfend, mahnend seinen Griffel erhebt, um ihn anschließend vorwurfsvoll und vernichtend aufs weiße Blatt zu senken. Er entscheidet, was gut und was schlecht ist!

Unzählige Beispiele füllen unser gut sortiertes Archiv.

Gestern war es wieder soweit. Nachdem die Stadt zum ersten Male in ihrer Geschichte ein so umfängliches Bürgerbeteiligungsprojekt zur Innenstadtentwicklung abgeschlossen hatte und dieses über die Presse kundtun wollte, schlug seine Stunde. Ja und es ist ihm völlig gleichgültig, dass sich hier über eine lange Zeit Menschen für ihre Stadt in hohem Maße und mit sehr positiven Eindrücken engagiert haben. Dieses allein ist verdächtig und harrt seiner Beurteilung. Er sucht förmlich auch in diesem Artikel nebst verwirrendem Kommentar jedes erdenkliche Haar um uns die samstägliche Suppe zu vermiesen. Und er nutzte seine journalistische „Macht“ zu einer Abrechnung mit dem ungeliebten Bürgermeister. Zumindest glaubt er das! Neben stereotypen, verschachtelten und klischeehaften Eigeneindrücken, gemischt mit einem Kessel Buntem versucht er in „seinem Kommentar“ hier zum wiederholten Male Stimmung gegen diese Stadt und die Verantwortlichen zu machen! Denn: was hat das Schwimmbad mit der Bürgerbeteiligung zu tun und was die unsägliche Situation in der Breiten Herzogstraße mit dem Schwimmbad und der Bürgerbeteiligung? Wir meinen es zu wissen: Der Neubau dieses Schwimmbades und die durch und durch gut durchgeführte Bürgerbeteiligung sind nun zum Leidwesen unseres Reporters auf unseren erfolgreichen Bürgermeister zurückzuführen. Dass es in der Breiten Herzogstraße so ist, wie es ist, entstammt einer ideologischen Idee der von ihm so geschätzten Grünen im Rat der Stadt von vor vielen, vielen Jahren. Die im Übrigen mit knapper Mehrheit durchgesetzt wurde und die wir nun alle geduldig auszulöffeln haben. Ein samstäglicher Kommentar also, im chronischen Verdruss geschrieben. Mehr nicht!

Ach, Herr Hueske, Ihr wiederkehrender und langsam auch den geduldigsten Leser langweilender und angestaubter Meinungsaufguss nervt. Aber: Wir freuen uns trotzdem schon auf weitere Meisterwerke pseudomoralisierender Berichte – dann gibt’s was für uns aufzuspießen!

gez. Eckbert G. Schulze

Quelle: facebook




Den Beitrag der CDU im Original:





Glosse:


"Eine Glosse ist eine journalistische Darstellungsform, in der Regel ein kurzer, pointierter Meinungsbeitrag, der sich von Kommentar und Leitartikel durch seinen polemischen, satirischen oder feuilletonistischen Charakter unterscheidet."


Kommentar:


"Ein Kommentar ist eine journalistische Darstellungsform, ein namentlich gekennzeichneter Meinungsbeitrag eines Autors"


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Marc Angerstein. Foto: Marc Angerstein Media GmbH



(Marc Angerstein, Journalist sowie Dozent und Medientrainer an der Bundesakademie für Information und Kommunikation in Strausberg bei Berlin)




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