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Comedy-Nacht mit Migrationsvordergrund



Wolfenbüttel

Comedy-Nacht mit Migrationsvordergrund

von Max Förster


Abdelkarim lud zur Comedy-Nacht. Fotos: Max Förster
Abdelkarim lud zur Comedy-Nacht. Fotos: Max Förster Foto: Max Förster

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Wolfenbüttel. Endlich einmal das Geheimnis der Geisterstadt Bielefeld erfahren, Sprach- und Sexualkunde-Unterricht aus amerikanischer Sicht kennenlernen oder dem eigentlichen Problem des Rechtspopulismus auf den Grund gehen. Dazu hatten die Besucher der Comedy-Nacht mit Abdelkarim und Gästen am gestrigen Sonntagabend im Lessingtheater die Möglichkeit.

Die "Identität", einer der Schlüsselbegriffe des erstmalig stattfindenden Lessingfestivals, stand auch am gestrigen Sonntagabend im Fokus der Comedy-Nacht. Abdelkarim brachte mit Unterstützung seiner bereits in Deutschland integrierten Gäste ein wahres Lachfeuerwerk auf die Lessingtheater-Bühne. Da gab es den verängstigten türkischstämmigen Özcan Cosar, der bereits verstörende Visionen bekommt, wenn er nur an das Fliegen denkt, den deutsch-amerikanischen John Doyle, der sich die deutsche Sprache per Sex-Hotline aneignete und den symFATIHschen Fatih Çevikkollu, der die Parteizugehörigkeit der Deutschen an der Art ihres Lachens zu erkennen vermag.

Deutsche Sprache, schwere Sprache


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John Doyle: "Herr Schmidt ist Baggerfahrer" Foto: Max Förster



Der Amerikaner John Doyle nahm beispielsweise den Aspekt der deutschen Sprache in den Fokus. Da sich Integrationskurse auf Sätze, wie "Herr Schmidt ist Baggerfahrer", beschränken, nahm er seine Sprachbildung selbst in die Hand und eignete sich seine Deutschkenntnisse per Sex-Hotline an. "Mein erstes Wort war lecken, das scheint in Deutschland ein sehr beliebtes Wort zu sein", scherzte er. Und auch die Frage beim Bäcker "Möchten Sie warme Semmeln?" könnte bei einem Menschen aus dem afrikanischen Raum eher für Verwirrung sorgen, erklärte Abdelkarim. Denn dort heißt das Wort "Semmel" (Zeemel) soviel wie "Schwuler".

Humor mit Tiefgang



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Fatih Çevikkollu: "Arbeite mit dem, was du hast" Foto: Max Förster



Geprägt von einer Mischung aus Comedy, Kabarett und dem zündstoffgebenden Aspekt des Migrationshintergrundes, entführte das Bühnenprogramm der vier Künstler das Publikum in eine Welt zwischen irrwitzigen Klischees, aber auch der manchmal bitteren Wahrheit. Eine Comedy-Show also, die das Publikum auch zum Nachdenken anregt. So wurde zum einen der deutsch-deutsche Stereotyp auf die Schippe genommen, der dazu geneigt ist, sich den in der Gesellschaft existierenden Vorurteilen gegenüber Ausländern zu beugen. Da spricht ein Deutscher schon mal etwas lauter oder absichtlich falsch, um sich den vermeintlich augenscheinlichen Sprachdefiziten des Gegenübers anzupassen. Einer von Fatihs Lösungen: "Arbeite mit dem, was du hast" und gibt den Leuten einfach das, was sie meinen zu brauchen.

"Der Terrorismus hat die Welt verändert"




Zur Identität gehört auch die richtige Auffassungsgabe. So appellierte Fatih an das Publikum, Ausländer und Terroristen nicht auf eine Stufe zu stellen. Diejenigen, die das Problem des Terrorismus kennen, helfen, es zu lösen, diejenigen, die das Problem nicht kennen, sind Teil des Problems, erklärte er. Özcan machte deutlich, dass genau aus diesem Grund ein kultureller Austausch in der Gesellschaft sehr wichtig sei. Auch Abdelkarim konstatiert: "Der Terrorismus hat die Welt verändert...gerade an den Bahnhöfen." So habe man früher noch denjenigen ausfindig machen wollen, der seinen Koffer am Bahnhof vergessen hat, heutzutage hört man Durchsagen, wie "Lassen Sie Ihr Gebäck nicht unbeaufsichtigt." Es könnte ja ein Terrorist hinterlassen haben...

Zur Einstimmung auf das Comedy-Spektakel mit Migrationsvordergrund präsentierte die Band Riverside Road einige Titel aus ihrem Repertoire.


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