Braunschweig

Der Bürgerstiftungsfonds: Von Stiftern für Stifter


Grafik: Bürgerstiftung Braunschweig
Grafik: Bürgerstiftung Braunschweig

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14.07.2016


Braunschweig. Seitdem die Bürgerstiftung Braunschweig im Jahr 2013 ihren Bürgerstiftungsfonds zur Vermögensanlage aufgelegt hat, können auch andere Stiftungen ihr Stiftungsvermögen darin investieren. „Durch die Bündelung der Vermögen profitieren sie dabei nicht nur von einer breiteren Risikostreuung und von niedrigeren Verwaltungskosten, sondern werden auch aktiv in die Anlagestrategie mit einbezogen“, erklärt Ulrich Deissner, Vorstandsvorsitzender der Bürgerstiftung Braunschweig. „Die Einzigartigkeit des Bürgerstiftungsfonds besteht darin, dass die Stiftung die Anlagestrategie wesentlich mitbestimmt.

Damit hebt sich der Fonds von allen anderen vergleichbaren Produkten ab, bei denen die Vermögensanlage ausschließlich in der Hand von Fondsmanagern liegt. Darüber hinaus wird kleineren Stiftungen ermöglicht, ihr Vermögen in den Fonds einzubringen, was somit die Kosten für die aufwendige Selbstverwaltung mindert. Eine Idee, die Fahrt aufnimmt Gemeinsam mit ihrer Hausbank – der Braunschweigischen Landessparkasse (BLSK), einem Unternehmen der NORD/LB Norddeutschen Landesbank – legte die Bürgerstiftung im Jahr 2013 den Fonds auf. Aus diesem Ansatz erwuchs ein Anlageangebot für alle deutschen Stiftungen, die Ihr Vermögen in dem Bürgerstiftungsfonds anlegen können, um ihr Kapital renditeorientiert bei überschaubarem Risiko zu verwalten. Der Bürgerstiftungsfonds hat Stiftungen u.a. aus Hannover, Dresden und Gütersloh für seine Idee gewinnen können und dabei seit Gründung des Fonds neun Millionen Euro an Stiftungsvermögen eingesammelt.

Die Stiftung übernimmt die Regie


Herzstück des Bürgerstiftungsfonds ist der Anlageausschuss, der die Investmentstrategie empfiehlt. Das achtköpfige Gremium besteht sowohl aus Experten der Braunschweigischen Landessparkasse als auch mehrheitlich aus Vertretern der Stiftungen. Damit behalten die Stiftungen das Steuer über ihr Vermögen selbst in der Hand. Alle zwei Monate tagt das Gremium und beschließt gegebenenfalls Änderungen im Portfolio und der Allokation. Der Bürgerstiftungsfonds bildet somit die Anlagestrategie ab, „die zur Philosophie unserer Stiftung passt“, definiert Deissner. Durch die Einbindung der NORD/LB-Finanzexperten profitiert der Fonds von täglichem Research und der aktuellen Markteinschätzung der Experten. Werden ad-hoc Handlungen aufgrund unerwarteter Marktbewegungen nötig, setzt das Management diese schnellstmöglich um. Stiftungen erheben einen hohen Anspruch an die Transparenz ihrer Vermögensverwaltung, weshalb alle Anlageentscheidungen und Kennzahlen zum Fonds ebenso wie die Kosten offen gelegt werden. Dabei gelten Stiftungen als institutionelle Anleger und zahlen deshalb keinen Ausgabeaufschlag.

Hohe Flexibilität und breite Risikostreuung


„Stiftungen denken nicht in Jahren, sondern in Dekaden. Sie sind auf regelmäßige Ausschüttungen angewiesen, um ihren Stiftungszweck zu erfüllen und um zukünftige Projekte planen und umsetzen zu können“, erklärt Ron Große, Leiter Private Banking Beratungsspezialisten der BLSK. Der Anlagefokus des Bürgerstiftungsfonds liegt deshalb auf realem Werterhalt nach Kosten und Inflation. Um sowohl von Aktien als auch von Anleihen profitieren zu können, ist der Bürgerstiftungsfonds ein klassischer Mischfonds, dessen strategische Ausrichtung bei 60% Anleihen und 40% Aktien liegt. Der Fonds besticht neben der aktiven Einbindung der Stiftungen vor allem durch seine hohe Flexibilität: „Gerät der Markt ins Schwanken, kann das Fondsmanagement sofort Benchmark unabhängig reagieren und das Portfolio anpassen“, so Große. Das bedeutet, dass in Phasen eines Börsenaufschwungs der Aktienanteil auf 40% erhöht werden kann und in einer Periode der Börsen-Baisse durchaus auch auf Null gesenkt werden kann. Eine breite Risikostreuung wird durch die Anlage in internationale Qualitätstitel erzielt, die eine geringe Volatilität versprechen. Ulrich Deissner von der Bürgerstiftung legt allerdings wert auf die Feststellung, dass „wir in nichts investieren, was wir nicht verstehen“.


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