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Diesmal mit Bankverkauf: Frühstück in der Magni-Kirche

von Christina Balder



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10.08.2014


Braunschweig. Zum fünften Mal fand am Sonntagvormittag in der Magni-Kirche das Kirchplatzfrühstück "Magni zu Tisch" statt - wegen des Wetters in der Kirche und nicht davor. Die Kirchengemeinde, die Werbegemeinschaft Magniviertel und die Bürgerschaft organisieren das Frühstück seit fünf Jahren gemeinsam und stellen Brötchen, Kaffee und Tische zur Verfügung. Es ist ein Nachbarschaftstreffen zum Austausch untereinander, aber auch ein Weg, die Kirche zu füllen.

"Seien wir mal ehrlich", sagt Pastor Henning Böger, "an einem normalen Sonntag Mitte August bekämen wir die Kirche sonst nicht voll." Zur Andacht und dem folgenden Frühstück kommen seit Jahren zwischen 80 und 100 Menschen, Mitglieder der evangelischen Magni-Gemeinde ebenso wie Katholiken, Konfessionslose und Menschen, die sich einfach dem Magniviertel als Ort verbunden fühlen. "Ich finde, es steht uns gut zu Gesicht, die Kirche für so etwas zu öffnen", sagt Böger. Rund zwei Drittel der Anwesenden seien zwar Teil der Kirchengemeinde, aber offen soll das Frühstück für alle sein. "Es wäre eine starke Sache, wenn es uns gelänge, auch Angehörige anderer Religionen dazu zu bekommen", sagt Böger. Bei anderen Angeboten der Gemeinde funktioniere das bereits.

Gekommen sind nicht nur Bewohner und Gewerbetreibende aus dem Viertel, wie Stefan Müller, der ein Männerbekleidungsgeschäft betreibt und hier geboren und aufgewachsen ist. "Man kann hier auch herkommen, wenn man nicht im Viertel wohnt", sagt er und die Gäste geben ihm Recht: viele haben Freunde von außerhalb mitgebracht.

Kirchenbänke zu verkaufen, Stühle suchen Paten


[image=15776]Am heutigen Sonntag gab es nicht nur Frühstück, sondern auch die Möglichkeit, besondere Sitzgelegenheiten zu erwerben. Anlässlich des 50. Jahrestages der Wiedereröffnung nach dem Krieg will die Kirchengemeinde sich der starren Bänke entledigen. Sie sollen durch Stühle ersetzt werden - eine Anschaffung im Wert von 60.000 Euro. "Aber es wäre doch eine Schande, diese Bänke einfach zu entsorgen", findet Pastor Böger. Also bot die Gemeinde die Bänke zum Kauf an. Für 10 Euro pro Meter gingen die Bänke an Vereine, Privatpersonen und sogar an eine Kirchengemeinde im rumänischen Satu Mare. "Ich finde es ganz spannend, wie viele Leute sich für die Bänke interessiert haben - wir sind alle losgeworden."

Das heißt: noch nicht. Denn im Moment sind sie nur reserviert, Anfang September können die Neubesitzer sie dann abholen. Sonst müssten die nächsten Gottesdienste im Stehen abgehalten werden - die Stühle kommen erst im September an. Auch hier sammelt die Gemeinde Mittel. Es gibt die Möglichkeit, Patenschaften für Stühle zu übernehmen: Ein Magni-Stuhl kostet 250 Euro. "Es ist überwältigend, wie groß die Spendenbereitschaft ist", sagt Böger. Zwei Drittel der Summe seien bereits über Spenden finanziert.

Von den Stühlen verspricht sich der Pastor mehr Gestaltungsmöglichkeiten. Konzerte, größere Lesungen, Tanzveranstaltungen schweben ihm vor, die ohne die schwer zu verrückenden Bänke leichter zu organisieren sein sollen. "Die Zeiten, wo alle starr in einer Reihe sitzen mussten, sind vorbei", findet er. Beim Erntedankgottesdienst am 5. Oktober, an dem sich die Wiedereinweihung der Magni-Kirche zum 50. Mal jährt, werden die neuen Stühle eingeweiht.

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