whatshotTopStory

Ein Astronaut, der auf dem Boden geblieben ist

von Thorsten Raedlein



Artikel teilen per:

05.02.2015


Wolfenbüttel. Schon kurz nach 16 Uhr füllte sich die Aula der Ostfalia mit kleinen und großen Weltraum-Fans. Wer zu spät kam, musste in den Reserve-Hörsaal ausweichen, wer noch später kam, hatte Pech gehabt und konnte den hohen Besuch, der am Mittwoch in der Lessingstadt weilte, nur durch die Fensterscheiben der Aula betrachten: Auf Einladung des Wirtschaftsministers Sigmar Gabriel war Astronaut Alexander Gerst in der Fachhochschule zu Gast und berichtete über seine Erlebnisse in der ISS, seinen Ausflügen ins All und darüber, warum man sich seine Träume nicht ausreden lassen sollte.

Gerst kreiste 166 Tage über der Erde, absolvierte über 125 Experimente – und ist bei allem Ruhm ein Astronaut, der auf dem Boden geblieben ist. Kein Wunder also, dass er – wie Gert Bikker, Vizepräsident der Ostfalia für Forschung, Entwicklung und Technologietransfer, bemerkte, in der vorlesungsfreien Zeit gleich zwei Hörsäle füllte.

[audio mp3="http://wolfenbuettelheute.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/02/Begrüßung-Gert-Bikker.mp3"][/audio]

"Mischdêr Kuuhl" hat viele Fans in Wolfenbüttel



So sehen echte Fans aus. Foto:



Gerst, der nach seiner Rückkehr von der ESA-Mission nun auf einer Art Bildungs-Mission durch Deutschland unterwegs ist, hat in Wolfenbüttel viele Fans. So stand das Thema Raumfahrt im vergangenen Jahr im AHA-Erlebnismuseum im Mittelpunkt. Viele Forscherkids waren auch in der Ostfalia zu Gast und sind zum Teil – wie ihr großes Vorbild – im Raumanzug erschienen.


Molle (2. v. r) hat einen Gerst-Song geschrieben. Foto:



Die Wolfenbüttelerin Monika Siebert nahm auch im Hörsaal Platz, um dem Vortrag zu lauschen und um von Gerst die CD ihres Neffen signieren zu lassen. Der wohnt in Forchtenberg in Baden-Württemberg, heißt Frank Winkler – oder einfach Molle – und hat mit seiner Mundart-Band Annaweech für Gerst ein Lied komponiert (Mischdêr Kuuhl). Dies wurde dem Astronauten auch schon im All vorgespielt – er fand es interessant. Als Hohenloher Jung' hat immerhin er alles verstanden – für alle anderen gibt es immerhin auch eine Version auf Hochdeutsch.

Gersts' Besuch in Wolfenbüttel – für den Raumfahrt-Minister die richtige Entscheidung


Den Besuch in Wolfenbüttel hat Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel organisiert. Der ist auch Raumfahrt-Minister und kündigte einen faszinierenden Vortrag an. Und er fand es eine richtige Entscheidung des 38-Jährigen nach Wolfenbüttel gekommen zu sein, obwohl auch zahlreiche Metropolen seinen Besuch erbeten haben.

[audio mp3="http://wolfenbuettelheute.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/02/Einführung-Gabriel.mp3"][/audio]

Den Träumen eine Chance geben



Die Besucher erlebten einen faszinierenden Vortrag. Foto:



Gabriel lag richtig. Die Besucher erlebten einen faszinierenden Bericht über die Erlebnisse des deutschen Astronauten. Angefangen von seiner Wahl aus 8.400 Bewerbern über die Bedeutung die richtigen Unterhosen für die Mission einzupacken bis zur Erleichterung nach rund vier Jahren Ausbildung endlich mit über 4G innerhalb von acht Minuten ins All geschossen zu werden. Dort angekommen muss ein strenger Stundenplan befolgt werden – Langeweile kommt nicht auf. Putzen, ein Raumschiff mit dem Roboter-Arm einfangen, wieder etwas putzen und am Ende Sport auf dem Laufband. "Dort oben zu arbeiten ist schon eine Herausforderung", sagt er. Gerst erklärt, wie Experimente ablaufen und wie man manchmal in bester MacGyver-Manier mit der Hilfe von Rasierschaum und einem Sägeblatt einen Bolzen absägt, damit ein Experiment erst einmal durchgeführt werden kann. Es gibt aber auch nachdenkliche Momente. Wenn er zum Beispiel von der Zerstörung des Regenwalds am Amazonas erzählt, die von der ISS erschreckend ins Auge fällt. Oder wenn er von Bombenangriffen im Nahen Osten berichtet, die aus der ISS-Perspektive zu sehen waren. Immer wieder macht er den jungen Zuhörern Mut, als Forscher aktiv zu werden. "Vielleicht fällt euch was ein, was wir in Zukunft da oben machen können und was die Menschheit eines Tages weiter bringt", so Gerst. Am Ende gab er ihnen noch einen Rat mit auf den Weg. "Wenn ihr einen Traum habt, lasst ihn euch nicht ausreden. Gebt dieser Sache eine Chance".

[audio mp3="http://wolfenbuettelheute.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/02/Vortrag-Gerst.mp3"][/audio]

Bevor die Zuhörer dann noch einige Fragen stellen durften und Alexander Gerst zum Abschluss fleißig Autogramme schrieb, erläuterte Volker Schmid, Projektleiter des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt in Köln, noch den Hintergrund der Mission und beschrieb noch einige weitere Experimente.

[audio mp3="http://wolfenbuettelheute.de/wordpress/wp-content/uploads/2015/02/Volker-Schmidt-DLR.mp3"][/audio]

Vielleicht gibt es demnächst ein Wiedersehen mit Gerst in Wolfenbüttel. Zumindest hatte er dies quasi angekündigt: "Ich komme einfach noch einmal wieder und dann nehmen wir einen größeren Saal."

[nggallery id=630]


zur Startseite