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Ein Besuch in der Flüchtlingsunterkunft

von Robert Braumann


An einem Billardtisch können sich die Jugendlichen ein bisschen austoben. Fotos: Robert Braumann
An einem Billardtisch können sich die Jugendlichen ein bisschen austoben. Fotos: Robert Braumann Foto: Robert Braumann

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12.05.2016


Braunschweig. Seit März wohnen 33 der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge in ihrer Unterkunft in der Neuen Knochenhauerstraße. Die Jungen werden aller Voraussicht nach dauerhaft in Braunschweig bleiben werden. regionalHeute.de hat sie am Donnerstag besucht.

Das Gebäude wurde für diesen Zweck eigens hergerichtet. Das Erdgeschoss hat etwa 400 Quadratmeter Nutzfläche, vornehmlich für Wohnräume von 17 bis 22 Quadratmetern Grundfläche. Des Weiteren wurden eine Küche, ein Speiseraum und zwei neue Duschbereiche geschaffen. Das Essen wird von der Lebenshilfe geliefert. Das Obergeschoss hat eine Fläche von 140 Quadratmetern und ist als Bereich ausgestaltet, den die Jugendlichen selbst organisieren können. Dort gibt es eine eigene Teeküche, einen weiteren Sanitärbereich und Gemeinschaftsräume. Die Stadt hat etwa 500.000 Euro in den Umbau investiert.

Unterschiedliche Nationen


Die Zahl der in Braunschweig ankommenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hatte sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Im Moment leben 225 von ihnen in Braunschweig. Martin Albinus, Leiter der Abteilung „Betrieb städtischer Inobhutnahmen und stationärer Einrichtungen“, sagte gegenüber regionalHeute.de, dass Jugendliche aus den unterschiedlichsten Ländern in der Einrichtung leben würden. Afghanen, Syrer, Iraker und auch Somalier und Iraner. Die Stimmung in der Einrichtung sei überwiegend gut. Natürlich gäbe es bei Jungen in dem Alter auch immer mal wieder kleine Reibereien, es halte sich aber alles in Grenzen. 16 Sozialpädagogen und bis zu sieben Dolmetscher kommen in die Einrichtung, um die Jungen zu betreuen. Auf Letztere verzichte man aber so gut es ginge, die Sprache zu lernen sei er erste zentrale Schritt zur Integration, so Albius. Daneben würden auch viele Ehrenamtliche helfen, so könne man auch im Freizeitbereich einiges anbieten. Sport sei ein wichtiges Element. Aber es gäbe auch Ausflüge nach Berlin oder Hamburg.

Die Familie wird vermisst


Die Jugendlichen sind ohne ihre Eltern nach Deutschland gekommen und so erzählen sie im Gespräch unisono, dass sie ihre Familien vermissen. Nichts wünschen sie sich mehr als die Eltern auch in Deutschland in Sicherheit zu wissen. Sie lernen fleissig Deutsch und gehen zur Schule. Kenan, Moaid, Sadek und Radowan, stellen sich den Fragen und alle wollen ihr Abitur machen oder studieren. Sie gehen zur Schule, um möglichst viel zu lernen. Nur auf ein Foto wollen sie nicht gemeinsam.


Moaid hat klare Vorstellungen. Foto: Robert Braumann



Moaid ist 18 und kommt aus Syrien. Er hat eine klare Vorstellung wie es weitergehen soll. Nach drei Monaten in Deutschland spricht er schon extrem gut die fremde Sprache, sitzt 2-3 Stunden täglich in der Uni-Bibliothek, um sich auf ein Studium der Ingenieurwissenschaften vorzubereiten. Man habe sein Abitur aus Syrien anerkannt, so dass er jetzt hoffe an der TU studieren zu dürfen. In seinem Zimmer hat er sich die wichtigsten Regeln für die deutsche Sprache auf einen kleinen Zettel geschrieben. "Damit ich immer daran denke", sagt er lächelnd.


Die zentralen Dinge hat Moaid immer im Blick. Foto: Robert Braumann



Albius räumt ein: "Es ist nicht immer ganz leicht in unserem System, dass die Leistungen der Jugendlichen aus anderen Ländern bei uns anerkannt werden, gemeinsam mit den Betreuern versuchen wir aber für alle individuelle Lösungen zu finden." Kenan ist 16 und kommt ebenfalls aus Syrien. Er ist mit dem Boot, zu Fuß und dem Zug nach Deutschland gekommen. Seit sieben Monaten ist er hier und spricht bereits die Sprache. Er sorgt sich um seine Mutter und seinen Vater. Zu beiden habe er Kontakt, es gehe ihnen den Umständen entsprechen gut. So weit von Zuhause entfernt zu sein mache ihn traurig, doch auch er versuche das Beste daraus zu machen. Nach dem Abitur möchte er studieren.

Meist zu Zweit untergebracht


Stolz zeigen uns die Jungs im Anschluss ihre Zimmer, meisten sind sie zu zweit untergebracht und sehr zufrieden mit der Unterbringung. Frau Ben Attia leitet die Unterkunft vor Ort und ergänzt, dass man bei der Unterbringung auch darauf achten würde, dass man Freundschaften nicht trenne. Mit der Unterbringung sind alle zufrieden.


Sadek möchte auch etwas zurück geben, Foto: Robert Braumann



Eins ist Sadek noch wichtig, bevor der Termin zu Ende geht. Er wolle in Deutschland in Zukunft etwas leisten, da man ihn so freundlich und gut aufgenommen habe. Dafür wolle er allen Danken und dem Land mit seinem Einsatz etwas zurückgeben.


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