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Frischzellenkur für veraltete Technik? Warum die nächste Baustelle absehbar ist



Goslar

Frischzellenkur für veraltete Technik? Warum die nächste Baustelle absehbar ist

Die aktuellen umfangreichen Bauarbeiten, die seit dem 11. Mai am Bahnhof Goslar vonstatten gehen sind nicht die letzten - Bis 2022 muss mit der nächsten Großbaustelle am Bahnhof gerechnet werden.

von Marvin König


Am Bahnhof in Goslar wird gebaut - Nicht das letzte Mal.
Am Bahnhof in Goslar wird gebaut - Nicht das letzte Mal. Foto: Marvin König

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Goslar. Beinahe 14 Jahre nach dem ersten Spatenstich in Göttingen und dem Bau eines elektronischen Stellwerks für den gesamten Harz arbeiten in Goslar noch immer zwei Personen pro Schicht im mechanischen Stellwerk "Go" am Bahnhof in Goslar. Die Technik, die sie bedienen stammt noch aus dem Kaiserreich. Wie regionalHeute.de aus Bahnkreisen erfuhr, wird damit jedoch erst 2022 Schluss sein. Denn die aktuell laufenden Bauarbeiten dienen nur zur Instandhaltung der altehrwürdigen vollmechanischen Technik.



Die derzeit laufenden Arbeiten am Bahnhof in Goslar sollen zum 11. Juli abgeschlossen sein. "Anschließend erfolgt noch Grünschnitt, Kabelverlegung und Restarbeiten. Diese finden im Wesentlichen tagsüber statt", so eine Sprecherin der Bahn in Hamburg. Die vorwiegend - zum Leidwesen aller Anwohner - Nachts stattfindenden arbeiten hatten am 11. Mai begonnen. "Das neue digitale Stellwerk (DSTW) soll in Goslar in 2022 in Betrieb gehen", so die Sprecherin weiter. Ursprünglich sei der Anschluss an die digitale Technik bereits 2021 vorgesehen. Die Verspätung erklärt ein anderer Unternehmenssprecher durch planerische Schwierigkeiten. "Wir wollen schließlich nichts überstürzen, es muss alles reibungslos funktionieren, wenn es so weit ist."

Für die urigen Formsignale bedeuten die kommenden Bauarbeiten das Ende. Sie sollen durch modernere Lichtsignale ersetzt werden.
Für die urigen Formsignale bedeuten die kommenden Bauarbeiten das Ende. Sie sollen durch modernere Lichtsignale ersetzt werden. Foto: Marvin König




Mit dem DSTW ist die neueste Generation von Stellwerken gemeint, die andere Stellwerke ablösen und für den Harz am Standort Göttingen zentralisieren soll. Wie die Deutsche Bahn AG zu Baubeginn mitteilte, werde das Stellwerk im Endzustand 65 Stellwerke älterer Bauart in der gesamten Region ablösen. Hierfür müssten die vorhandenen Signale auf der Strecke - Wie die in der Region häufig anzutreffenden Formsignale - durch elektronische Lichtsignale ersetzt werden. Auch die Weichen, die zurzeit ebenso wie die Signale per Muskelkraft und Seilzug gesteuert werden, müssen auf einen elektrischen Antrieb umgerüstet werden.

Mysteriöse Objekte am Achtermann


Bei den aktuellen Bauarbeiten handele es sich der Sprecherin zufolge jedoch lediglich um Instandhaltungsmaßnahmen, um einen sicheren und reibungslosen Eisenbahnbetrieb zu ermöglichen. Das auffälligste neue Detail sind hierbei sicherlich die neuen Spanngewichte auf Höhe des Achtermanns. Diese gleichen Längenänderungen der Spanndrähte zur Steuerung von Weichen und Signalen aus, die durch Temperaturveränderungen und Dehnungen in den Leitungen auftreten. Zudem erleichtern sie den Bahnangestellten in den mechanischen Stellwerken die körperliche Arbeit.


Sind nur vorübergehend da. Eines der beiden auffälligen Objekte zwischen Bahnhof und Achtermann.
Sind nur vorübergehend da. Eines der beiden auffälligen Objekte zwischen Bahnhof und Achtermann. Foto: Marvin König



Schon bald kommt die nächste Baustelle


Bis zum Jahr 2022 müsse einem anderen Bahnsprecher zufolge mit erneuten, umfangreichen Bauarbeiten am Bahnhof in Goslar gerechnet werden. Die gerade erst eingebauten Teile werden mit dem Anschluss an das DSTW obsolet. Erste Schritte in die Richtung seien mit den aktuell laufenden Bauarbeiten jedoch schon gemacht worden. So habe man bereits die notwendigen Kabelkanäle verlegt, die beiden kommenden Bauarbeiten nicht mehr gebaut werden müssten.

Eine Frage der Nachhaltigkeit


Angesichts der bevorstehenden umfangreichen Modernisierungsarbeiten scheinen die aktuellen Instandsetzungsmaßnahmen wenig nachhaltig, zumal einige der frisch installierten Bauteile eine Lebensdauer von nicht einmal zwei Jahren haben dürfen. Ein Bahnsprecher erklärt: "Wenn sie sich in zwei Jahren ein neues Auto kaufen wollen, müssen sie auch sehen, dass sie ihren alten Wagen so lange am Leben erhalten können. Wir müssen unsere Anlagen Turnusmäßig in Schuss halten, Spanndrähte austauschen und wenn irgendwo ein Lager abgenutzt ist, wird das ersetzt. Bis das neue Stellwerk alles übernimmt, müssen wir die Anlage hundertprozentig Betriebsbereit halten." Fotos soll es aus dem Stellwerk in Goslar übrigens nicht geben - Auf Anfrage von regionalHeute.de erklärte ein Sprecher, dass das Unternehmen ungern alte Stellwerke zeige.

Jobs sollen mit der Umstellung bis 2022 übrigens nicht gefährdet sein. "Kündigungen wird es nicht geben, entweder gehen die betroffenen Angestellten in Pension oder sie werden im Rahmen ihrer Möglichkeiten umgesetzt. Wir brauchen ja auch im DSTW in Göttingen noch Personal. Das ist natürlich mit Fahrzeiten verbunden. Aber wir werden versuchen, alle unterzubringen."

Was wird aus der Signalbrücke in Bad Harzburg?


Die berühmte "Signalbrücke" am Bahnhof in Bad Harzburg wird mit dem für 2022 geplanten Abschluss des Umstieges auf digitale Stellwerkstechnik mit ihren Formsignalen ebenfalls obsolet. Abgerissen wird sie jedoch nicht - Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz und wird so wohl als Industriedenkmal erhalten bleiben.

Die besonders unter Bahnfans bekannte Signalbrücke in Bad Harzburg wird im Zuge der Modernisierung ebenfalls obsolet - Steht aber unter Denkmalschutz.
Die besonders unter Bahnfans bekannte Signalbrücke in Bad Harzburg wird im Zuge der Modernisierung ebenfalls obsolet - Steht aber unter Denkmalschutz. Foto: Pixabay


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