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Gesundheitsbericht schlägt Alarm: So steht es um die Kinder



Peine

Gesundheitsbericht schlägt Alarm: So steht es um die Kinder

von Janosch Lübke


Fast 40 Prozent der Kinder sind, laut Untersuchung, noch nicht bereit für die Schule. Symbolfoto: Pixabay
Fast 40 Prozent der Kinder sind, laut Untersuchung, noch nicht bereit für die Schule. Symbolfoto: Pixabay Foto: Pixabay

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Peine. Der Gesundheitsbericht 2017 hält für den Landkreis Peine alarmierende Ergebnisse parat. Die Schuleingangsuntersuchung (SEU) empfiehlt für fast 40 Prozent der 1.300 untersuchten Kindern, sie nicht uneingeschränkt einzuschulen. Besonders die Sprache und die geistigen Fähigkeiten sind Schwachpunkte der einzuschulenden Jungen und Mädchen.



Die SEU ist eine gesetzliche Pflicht des Landkreises, der am Mittwoch über die Ergebnisse in einem Pressegespräch informiert hatte. Der Kinder- und Jugendärztliche Dienst des Gesundheitsamtes Peine hat auch den Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund untersucht. 26 Prozent der 1.300 Kinder im Einschulungsalter hatten einen solchen Hintergrund. Kinder mit Migrationshintergrund schneiden zwar gegenüber ihren Altersgenossen insgesamt schlechter ab, allerdings wird betont, dass Migration nicht als eigenständiger Risikofaktor gilt. Viel eher fallen die Faktoren Bildungsgrad und Sprachkompetenz ins Gewicht. So haben, bei einem hohen Bildungsstand, 76 Prozent aller Migranten-Kinder einen Entwicklungsstand, der als altersgerecht bewertet werden kann. Sprechen diese Kinder unauffällig, also so, dass keine Sprachförderung nötig ist, sind mehr als die Hälfte der Kinder mit Migrationshintergrund in ihrer Entwicklung genau so weit, wie es für ihr Alter anzunehmen ist.

Es hapert an Bildung und Sprache


Ein niedriger Bildungsstand und eine nötige Sprachförderung verschlechtern die Werte, und Kinder mit oder ohne Migrationshintergrund sind in weit weniger als der Hälfte aller Fälle altersgerecht entwickelt. Daher hält die Studie fest: Ein hoher identifizierbarer Risikofaktor ist Bildungsferne in der Familie. Der Zugang zum Gesundheits- und Bildungssystem ist für Familien mit Migrationshintergrund jedoch erschwert. Daher fordert die Untersuchung in einem zweiten Statement: Hier braucht es die soziale Unterstützung des öffentlichen Gesundheitsdienstes. "Unsere Studie zeigt, was soll. Nicht was muss. Es gibt aber gefühlt einen immer höheren Bedarf an Sprachförderung", sagte Dr. SabineMeltzow vom Gesundheitsamt Peine beim Pressegespräch.


Kindergartenkinder mit Sehproblemen und unbelegbarem Seelenzustand


Die Erhebung geht sogar noch einen Schritt weiter und hat die Entwicklung von jüngeren Kindern untersucht. 883 vierjährige Kindergartenkinder im Landkreis nahmen Teil. Erschreckend: 10 Prozent dieser Kinder haben Sehprobleme und hatten bereits eine Weitervermittlung oder einen Arztbrief für den Augenarzt. Zudem wurde überprüft, wie sich Kinder, die 2015/16 Teil der Kindergartenuntersuchung waren und gravierende Entwicklungsauffälligkeiten aufwiesen, jetzt in der SEU geschlagen haben. Der Befund: 30 Prozent sind jetzt, kurz vor ihrer Einschulung, nur eingeschränkt schulfähig.

Doch woher kommen die festgestellten Entwicklungsstörungen? Die Antwort der Forscher: In besonderen Maße von seelischen Belastungen. Für die Antwort, ob die untersuchten Kinder seelisch gesund sind, fehlte häufig der Beleg. Nur bei 28 Prozent konnte der Nachweis für seelische Gesundheit erbracht werden. Die abschließende Bewertung der Forscher ist klar: Es bestehe weiterhin ein hoher Bedarf an Interventionsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche mit psychischen Krankheiten und Verhaltensauffälligkeiten.


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