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Gewerkschaft lehnt längere Arbeitszeiten im Gastgewerbe ab



Braunschweig

Gewerkschaft lehnt längere Arbeitszeiten im Gastgewerbe ab


Die NGG lehnt längere Arbeitszeiten ab. Symbolfoto: NGG
Die NGG lehnt längere Arbeitszeiten ab. Symbolfoto: NGG Foto: NGG

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Braunschweig. Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) spricht sich gegen längere Arbeitszeiten im Gastgewerbe aus. Dies geht aus einer Mitteilung der Gewerkschaft hervor.



Solide Zahlen im heimischen Tourismus: Braunschweig bleibt bei Urlaubern und Geschäftsreisenden ein beliebtes Ziel. Auf knapp 615.000 Gäste-Übernachtungen kam die Stadt im vergangenen Jahr – 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Das hat die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten mitgeteilt. Die NGG bezieht sich dabei auf Beherbergungszahlen des Statistischen Landesamts.

Der niedersächsische Tourismus erzielte danach mit insgesamt knapp 43 Millionen Übernachtungen ein neues Rekordjahr (plus 3,5 Prozent). „An der guten Bilanz haben die Beschäftigten in Hotels, Pensionen und Gaststätten einen enormen Anteil“, betont NGG-Geschäftsführer Manfred Tessmann. Angesichts schon jetzt großer Belastungen seien Forderungen nach immer längeren Arbeitszeiten daher „vollkommen fehl am Platz“.


Der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) hatte wiederholt gefordert, die tägliche Höchstarbeitszeit durch ein maximales Wochen-Pensum zu ersetzen. Die NGG Süd-Ost-Niedersachsen spricht von einem „Irrweg“: „Jeder, der im Gastgewerbe arbeitet, weiß, dass Überstunden gerade in der Hochsaison dazugehören. Das Arbeitszeitgesetz sorgt aber dafür, dass das für den Einzelnen einigermaßen erträglich bleibt“, sagt Manfred Tessmann. Das Gesetz schreibt eine Regelarbeitszeit von acht Stunden täglich vor. In klar geregelten Ausnahmefällen kann sie auf zehn Stunden ausgedehnt werden.

Nach den Vorschlägen der Arbeitgeber wären extrem lange Schichten möglich, befürchtet die Gewerkschaft. „Ein 14-Stunden-Einsatz in der Küche, im Restaurant oder an der Rezeption haut aber jedem die Füße weg“, so Tessmann. Zudem halte man mit solchen Arbeitszeiten Schulabgänger davon ab, eine Ausbildung im Gastgewerbe zu machen. Angesichts eines sich schon jetzt verschärfenden Fachkräftemangels in der Branche seien entsprechende Vorschläge nicht nur „kontraproduktiv, sondern völlig unsinnig“.

„Ob die Betriebe wirklich eine gesetzliche Änderung brauchen, ist mehr als fraglich“, meint Tessmann. Flexibilität habe für die Gastro-Mitarbeiter auch in Braunschweig schon immer dazugehört. Andernfalls hätten die Übernachtungsbetriebe dort kaum so viele Menschen empfangen können wie im letzten Jahr. „Die Umsätze im niedersächsischen Gastgewerbe steigen seit Jahren kräftig an. Statt den Arbeitsdruck weiter zu erhöhen, ist es Zeit, mehr Menschen einzustellen und die Leistung der Beschäftigten stärker anzuerkennen“, so der Gewerkschafter.

Eine Chance dafür biete die anstehende Tarifrunde für das niedersächsische Hotel- und Gaststättengewerbe. In den nächsten Wochen startet die NGG hier Verhandlungen mit den Arbeitgebern, da der derzeitige Entgelttarifvertrag zum 30. April ausläuft. Tessmann: „Es ist an der Zeit, dass die Beschäftigten in der Region ihren fairen Anteil am Umsatz-Plus bekommen.“


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