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Kritik am geplanten Bürgermuseum

von Robert Braumann


Der selbst ernannte Erinnerer Jürgen Kunlehn. Foto: A. Donner
Der selbst ernannte Erinnerer Jürgen Kunlehn. Foto: A. Donner Foto: Anke Donner)

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21.02.2016


Wolfenbüttel. Er nennt sich selbst „Der Erinnerer“ und ist mit seinen oft sehr direkten Worten vielen ein Begriff: Jürgen Kumlehn. Nachdem bekanntgegeben wurde, dass die Jahnturnhalle nicht zu einer Flüchtlingsunterkunft umfunktioniert werden soll (regionalHeute.de berichtete), sondern ein Bürgermuseum umgesetzt wird, meldet er sich mit einem Leserbrief zu Wort. 

Darin kritisiert er die bisherigen Überlegungen. Das Schreiben wird ungekürzt und unkommentiert veröffentlicht:
Gerade wurde Sandra Donner in der „Lokalzeitung aus Papier“ mit der Idee zitiert, die dem neuen Museum zugrunde liege: Die Geschichte wird von Wolfenbütteler Bürgern erzählt. Davon ist öffentlich aber noch nicht viel zu merken. Ich habe bereits vor langer Zeit mein Interesse bekundet und meine Hilfe angeboten. Darauf habe ich bis heute keine Antwort bekommen. Die Idee, das Entstehen des Museums mit einem Kuratorium zu begleiten, halte ich für eine dringende Notwendigkeit. Die Geschichte dieser Stadt ist institutionell viel zu sehr auf die Geschichte der Residenz des Adels ausgerichtet. Diese Einseitigkeit ist ein Angriff auf die Realität. Glücklicherweise gibt es als hervorragenden Ansatz zum Beispiel das Gärtnermuseum, das darauf hindeutet, dass die Geschichte der Stadt auch von schwer arbeitenden Gärtnern, Handwerkern und Arbeitern gestaltet wurde. Bis zum Ende des Ersten Weltkrieges durften viele von ihnen gar nicht den Titel „Bürger“ tragen. Darum wäre es besser, wenn das Museum eher als stadtgeschichtliches Museum bezeichnet würde. Warum ist der Kulturausschuss gegen ein Kuratorium, das vor allem auch von Fachleuten besetzt werden sollte, die die Wolfenbütteler Geschichte von außen betrachten und nicht mit der Scheuklappe Adel, Sakophage und herzogliches Gepränge versehen sind. Wolfenbüttel hatte auch eine Kulturgeschichte der „einfachen Leute“! Warum kann der Bauausschuss nicht als gutes Beispiel dienen, den ein Gremium eben gerade mit Fachleuten von außen berät? Wie mäßig das Interesse an einer Einwohner-Beteiligung ist, zeigen einige der veröffentlichten Zitate. Die Äußerung von Frau Schmerse, der Ausschuss biete ausreichend Möglichkeiten, die Planung mitzusteuern, deutet auf Einbildung hin ebenso wie Aussagen der Ausschussvorsitzenden. Frau Wesche führt Argumente an, die nicht das Niveau einer Vorsitzenden eines Kulturausschusses der Kulturstadt Wolfenbüttel besitzen, sondern platte Klischees verbreiten: Wenn Du mal nicht weiter weißt, dann gründe einen Arbeitskreis. Dass sich dieser Unsinn reimt, deutet nicht unbedingt kulturvolles Denken an! Ich habe abschließend eine Frage: Sollen in dem Museum wirklich historische Kanonenkugeln ausgestellt werden?

Hintergrundinfo: Das Konzept des Bürgermuseums, das zusammen mit Dr. Sandra Donner und der gewerkdesign konzipiert wurde, sieht eine Dauerpräsentation zur Stadtgeschichte Wolfenbüttels mit kleinen Wechselausstellungsbereichen vor. Im Mittelpunkt des neuen Museums steht die Geschichte Wolfenbüttels der letzten drei Jahrhunderte, die anhand verschiedener Themenfelder, einer durchgehenden Panoramawand und einem lebendigen Archiv erlebbar gemacht werden soll.

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https://regionalwolfenbuettel.de/buergermuseum-in-der-jahnturnhalle-so-soll-es-aussehen/


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