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Mehr Bäume gleich mehr Qualität? Grüne im Dialog zu Wolfenbüttels Stadtgrün



Mehr Bäume gleich mehr Qualität? Grüne im Dialog zu Wolfenbüttels Stadtgrün

Die Grünen wollen, dass für jeden gefällten Baum zwei neue gepflanzt werden - Doch es gibt noch viele weitere Ideen, wie Stadtklima und Aufenthaltsqualität im urbanen Raum verbessert werden können.

von Marvin König


Im Dialog - von links nach rechts: Axel Bertram (Bezirksvorsitzender der Kleingärtner Wolfenbüttel), Sebastian Glatter (Inhaber der Firma Roßberg Garten- Landschafts- und Umweltbau), Manfred Dicks (Landschaftsarchitekt), Moderatoer Werner Heise, Stefan Brix (Ratsherr der Grünen) und Ulrike Krause (Fraktionsvorsitzende der Grünen)
Im Dialog - von links nach rechts: Axel Bertram (Bezirksvorsitzender der Kleingärtner Wolfenbüttel), Sebastian Glatter (Inhaber der Firma Roßberg Garten- Landschafts- und Umweltbau), Manfred Dicks (Landschaftsarchitekt), Moderatoer Werner Heise, Stefan Brix (Ratsherr der Grünen) und Ulrike Krause (Fraktionsvorsitzende der Grünen) Foto: regionalHeute.de

Wolfenbüttel. In der zweiten Ausgabe des Grünen-Dialogs wurde am heutigen Freitag auf Einladung der Ratsfraktion der Wolfenbütteler Grünen diskutiert, ob die Stadt eigentlich grün genug ist, wie damit umgegangen wird und welchen Einfluss Stadtgrün auf das Klima hat. Die Grünen haben einen Antrag für den nächsten Bauaausschuss gestellt. Die Idee: Für jeden gefällten Baum sollen zwei Bäume nachgepflanzt werden.



Ulrike Krause, Fraktionsvorsitzende der Grünen und Stefan Brix, Stellvertretender Fraktionsvorsitzender und Grünes Mitglied im Bauausschuss diskutierten in der Lindenhalle mit dem Landschaftsarchitekten Manfred Dicks, Sebastian Glatter (Inhaber der Firma Roßberg Garten- Landschafts- und Umweltbau) und Axel Bertram als Bezirksvorsitzendem der Kleingärtner Wolfenbüttel über den neuesten Antrag der Grünen, der im nächsten Bauausschuss behandelt werden soll: "Wir müssen im Kleinen damit anfangen CO2 zu reduzieren. Bäume binden CO2 und stoßen Sauerstoff aus. Daher ist es naheliegend zu sagen, für jeden gefällten Baum pflanzen wir zwei", erläutert Ulrike Krause den Antrag. Dies sei nicht nur gut für das Klima, sondern verbessere auch die Atmosphäre und die Aufenthaltsqualität einer Stadt.

Stefan Brix und Ulrike Krause von der Ratsfraktion der Grünen in Wolfenbüttel.
Stefan Brix und Ulrike Krause von der Ratsfraktion der Grünen in Wolfenbüttel. Foto: regionalHeute.de




Grünen-Ratsherr Stefan Brix erklärt zunächst, dass die "Baumbilanz" der Stadt positiv sei. Das heißt, es werden mehr Bäume gepflanzt, als gefällt werden. Doch wozu dann der neue Grünen-Antrag? "Das Problem ist, die Bäume sind, wenn sie gepflanzt sind, erstmal wesentlich kleiner", erläutert Brix. Kleinere Bäume verlieren sich auf großer Fläche. Die empfundene Menge Stadtgrün nimmt ab. Als Beispiel nennt Brix auch den Schlossplatz, an dem nun mehr Bäume stehen als vor dem Umbau - Sie sind halt nur noch sehr klein. Man müsse sich auch trauen Bäume wieder an Stellen zu pflanzen, wo sie vielleicht unbequem seien, meint der Grüne. Die Bäume sollten dann natürlich nicht einfach nebeneinander gepflanzt werden, sondern auch an Stellen, wo vor langer Zeit Bäume entfernt, aber nicht nachgepflanzt wurden.

"Dafür Akzeptanz zu schaffen finde ich schwierig"




Axel Bertram (Bezirksvorsitzender der Kleingärtner Wolfenbüttel), Sebastian Glatter (Inhaber der Firma Roßberg Garten- Landschafts- und Umweltbau) und Manfred Dicks (Landschaftsarchitekt).
Axel Bertram (Bezirksvorsitzender der Kleingärtner Wolfenbüttel), Sebastian Glatter (Inhaber der Firma Roßberg Garten- Landschafts- und Umweltbau) und Manfred Dicks (Landschaftsarchitekt). Foto: regionalHeute.de




Landschaftsarchitekt Manfred Dicks begrüße jeden Baum, der in die Stadt kommt, halte aber den Antrag der Grünen für "zu pauschal". Man müsse die Bürgerinnen und Bürger mit einbinden: "Das ist ein Riesen-Spannungsfeld. Die Innenstadt hat viele Nutzer, es gibt viele Ansprüche an die Stadt. Dafür dann Akzeptanz zu schaffen finde ich schwierig." Weiterhin merkt Dicks an: "Bäume, die gefällt werden, haben ja in der Regel auch ein Problem. Von daher ist diese Bilanz, dass die Kronen neuer Bäume ja erstmal kleiner sind, ja nicht so ganz richtig."

Bäume in der Fußgängerzone


Brix verteidigt den pauschalen Ansatz: "Mann muss eine Quote finden, um eine entsprechende Vorgabe zu machen. Sonst diskutieren wir über jeden Baum." Ob es 1,5 neue Bäume pro gefälltem Baum sind oder zwei, sei dabei letztendlich egal. Bei den Standorten müsse man kreativ sein - beispielsweise sei bereits 2011 schon einmal angedacht gewesen, auch in der Fußgängerzone zahlreiche Bäume zu pflanzen: "Das wurde seinerzeit ein bisschen belächelt, aber eigentlich finden wir die Idee ganz gut - im Zwischenraum zwischen Stadtmarkt und Fußgängerzone vor der Seeligerbank was zu pflanzen. Der Planer hatte auch vorgeschlagen, die enden der Fußgängerzone mit Bäumen auszustatten. Das ist eine gute Idee - und keine neue."

Man braucht ein Konzept


Manfred Dicks bremst den Enthusiasmus des Grünen: "Dafür bedarf es eines Konzeptes. Man sollte nicht überall Bäume platzieren, sondern das mit Sinn und Verstand angehen." Es gebe einen hohen Konkurrenzdruck in der Innenstadt, was die Nutzung der Freiflächen durch Einzelhandel und Gastronomie angeht. Auch bräuchte das Stadtmarketing Flächen für Veranstaltungen. "Es ist außerdem eine historische Stadt, in die gar nicht viel Grün reingehört, historisch gesehen. Diese denkmalpflegerischen Aspekte sollten auch berücksichtigt werden." Man müsse sehen, was sich überhaupt machen lässt - Denn die Bäume kämpfen an ihren Standorten gegen die - für Bäume - teils widrigen Bedingungen: "Ich kenne Bäume im Stadtgebiet, die sind 20 Jahre alt, aber haben null Zuwachs: Das sind die Rahmenbedingungen."

Viel Kreativität gefragt


Bei den doppelten Nachpflanzungen solle es letztendlich nicht bleiben: "Es geht tatsächlich darum, ein Grünflächenkonzept zu entwickeln, was verschiedene Parks, wie auch Pocketparks, oder die verschiedenen Grünflächen miteinander vernetzt", sagt Ulrike Krause. Bestätigt fühle sie sich dabei durch die Kritik am Schlossplatz: "Das zeigt ja auch, dass der Mensch an sich den Grünraum haben möchte. Es spricht erstmal für unseren Antrag aber auch dafür, dass man sich als urbaner Raum auf das Grün konzentrieren muss." Potenzial sehe sie dabei auch in vielen Beeten in der Stadt, die aber leider sehr konservativ mit den immer selben Pflanzenarten bestückt würden. "Das soll keine Kritik an der Verwaltung sein. Ich glaube, dass da ganz viel Kreativität in diesem Amt schlummert. Man könnte mit der städtischen Bepflanzung auch bei den Bürgern ganz viel Bewusstsein erreichen und einfach Ideen für den eigenen Garten mitgeben. Ein schönes Beispiel sei der Kreisel zur Hoffmann von Fallersleben-Straße. "Das ist ein hervorragendes Beispiel für Bepflanzung, die vier Jahreszeiten abbildet und ich glaube, dass man aktiv als Stadt auch seinen Bürgerinnen was mitgeben kann, indem man als Vorbild vorangeht."

Pflanzen auf dem Dach


Brix räumt angesichts der heutigen Fridays for Future-Demonstrationen auch ein, dass man in Wolfenbüttel in Sachen Klimaschutz viel zu lange geschlafen habe. Das spiegele sich auch in der Stadtplanung wider. Ulrike Krause fragt sich beispielsweise, wieso Dachgärten und begrünte Fassaden bei Mehrfamilienhäusern nicht längst verbreiteter sind. "Bisher gibt es das immer nur in den Metropolen. Aber wenn das in Frankfurt und Berlin geht, wieso nicht auch in Wolfenbüttel?" Brix meint, man hätte als Stadt da durchaus Handlungsspielraum: "Man kann ja auch sagen, die Investoren, die da einen Schwerpunkt setzen, werden bevorzugt: Da ist bis jetzt zu wenig getan worden." Sebastian Glatter stimmt zu: "Ich verstehe bis heute nicht, warum Flachdachgaragen immer noch mit Teerpappe zugekleistert werden."

Gespannt auf die politische Diskussion


Krause zeigt sich abschließend gespannt auf die politische Diskussion im Bauausschuss und die Meinungen der anderen Fraktionen: "Ich bin auch neugierig, ob die Verwaltung noch einen obendrauf setzt, auch da gibt es ja viel Kreativität." Man werde an dem Thema dran bleiben. Nach wie vor zögen immer mehr Menschen in die Städte. Aber Krause ist der Meinung, dass man nicht nur an Wohnraum denken dürfe, wenn man Einwohner haben möchte: "Ich muss auch was anderes bieten. Es ist auch die Atmosphäre in einer Stadt. Da stehen wir in Konkurrenz mit anderen Städten: Braunschweig hat ganz viel gemacht und macht viel bei Umweltschutz, Klimaschutz und Insektenschutz. Und auch Wolfsburg setzt Schwerpunkte in der Richtung. Das kann in Wolfenbüttel auch möglich sein, und da bin ich großer Hoffnung, dass wir die anderen Fraktionen mitnehmen können."

Im Video: Grünen-Dialog - Mangelt es in Wolfenbüttel an Stadtgrün?


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