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Nach Haacks Kritik am Bürger Museum: Wolfenbüttels Bürgermeister sprachlos und wütend



Nach Haacks Kritik am Bürger Museum: Bürgermeister sprachlos und wütend

Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink ist sauer, weil der CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Adrian Haack das Konzept des Bürger Museums in Frage stellt.

von Anke Donner


Bürgermeister Thomas Pink kritisiert Haacks Äußerungen zum Bürger Museum.
Bürgermeister Thomas Pink kritisiert Haacks Äußerungen zum Bürger Museum. Foto: Marvin König/ Werner Heise

Wolfenbüttel. In einem Pressestatement äußerte der CDU-Bürgermeisterkandidat Dr. Adrian Haack Kritik am Bürger Museum. Haack erklärte, dass er sowohl die derzeitige Stellenausschreibung für eine Museumsleitung, als auch das Konzept des Bürger Museums für nicht sinnvoll halte. Dafür erntet er jetzt wiederum Kritik von Bürgermeister Thomas Pink. Dieser bezeichnet Haacks Äußerungen als nicht durchdacht und nicht schlüssig.



Mit einem offenen Brief an Dr. Adrian Haack reagiert Bürgermeister Thomas Pink auf dessen Kritik an der Ausschreibung einer Stelle als Museumsleitung für das BürgerMuseum, den wir im Folgenden unkommentiert und ungekürzt veröffentlichen.

"Herr Dr. Haack, mit großer Verwunderung habe ich Ihre Äußerungen der Presse entnommen. Nicht nur, dass sie weder durchdacht noch schlüssig sind, sie zeugen auch schlichtweg von Ihrer Unkenntnis in der Entstehungsgeschichte des BürgerMuseums. Sollten Sie diese Zeilen selbst verfasst haben, würde ich Ihnen dringend empfehlen (übrigens nicht das erste Mal), künftig vorher einmal in den Protokollen nachzulesen. Falls nicht, sollten Sie sich einen anderen Ghostwriter suchen.



Das Konzept des BürgerMuseums wurde mit breiter Mehrheit – auch aus der CDU-Fraktion – vom Rat beschlossen. Dies gilt übrigens sogar für die Ausschreibung der nun kritisierten Stelle. Auch hier hatte die Politik das letzte Wort. Als Ur-Wolfenbütteler als den Sie sich ja gerne verkaufen möchten, hätten Sie den Entscheidungsprozess, einschließlich der Diskussion über erforderliche Veränderungsprozesse, eigentlich mitbekommen müssen.


Sprachlos und wütend macht mich schlichtweg Ihre Aussage, dass die Epoche des Nationalsozialismus im Bürgermuseum deplatziert sei. Ihrer Meinung nach, soll also ein unbequemes Thema lieber verschwiegen werden und sich ein Museum besser auf bequeme und weiche Themen beschränken. Welche Bevölkerungsgruppen wollen Sie eigentlich mit dieser Forderung erreichen? Sie hätten wohl gern eine öffentlich-rechtlich geförderte Puppenstube mit Trachten, Geschichtchen und fröhlichen Gesichtern?


Ob dies den von Ihnen so in den Vordergrund gerückten Anton Wilhelm Amo wohl gefallen hätte – ich denke nicht. Die Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten an Bürgerinnen und Bürgern dieser Stadt geht Ihrer Meinung nach in die falsche Richtung? Verdienen diese Menschen keine Erinnerung seitens der Kommune in der sie lebten? Und nur weil ein Thema Ihrer Meinung nach nicht „Mainstream“ ist und Massen anzieht, soll es nicht aufgearbeitet werden? Donnerwetter!

Das entspricht der unsäglichen Vogel-Strauß-Verdrängungspolitik der 60er und 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts! Und das ist Ihre Politik?

Herr Dr. Haack, im Oktober erwarten wir den Besuch einer Familie aus Israel, deren Wurzeln in Wolfenbüttel sind und denen noch die Flucht vor Entrechtung, Enteignung, Deportation und Ermordung gelang! Ich werde denen diese Geschichte erzählen, erzählen müssen!

Auf welchen Erkenntnissen basiert eigentlich Ihre Forderung die Interessen des Museumspublikums zu berücksichtigen in Zusammenhang mit Anton Wilhelm Amo? Und warum soll er grade im BürgerMuseum präsentiert werden, wenn doch das SchlossMuseum viel besser zu seiner Epoche passen würde?

Herr Dr. Haack, Sie schreiben, ihre Äußerungen sollen keine Kritik am BürgerMuseum und an der dort geleisteten Arbeit sein. Was dann? In jedem Thema, dass Sie bisher in den Medien breitgetreten haben, haben Sie die Arbeit der Mitarbeiter meiner Verwaltung durch den Kakao gezogen, die Entscheidungen der Politik kritisiert oder Wolfenbüttel schlecht dargestellt. Ich erspare mir hier jegliche Wertung! Die Menschen dieser Stadt werden sich ein eigenes Bild dazu machen!"


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