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Gastro in Niedersachsen: "Zwei Drittel haben Angst das Jahr nicht zu überleben!"



Sorge um die Gastronomie: "Zwei Drittel haben Angst das Jahr nicht zu überleben!"

Besonders die Gastronomie hat unter Pandemie und Lockdown zu leiden. Bei regionalHeute.de spricht der Geschäftsführer des Branchenverbandes über die dramatische Situation hinter den Theken der Region.

von Niklas Eppert


Symbolbild.
Symbolbild. Foto: pixabay

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Region. Seit November befindet sich Deutschland im zweiten Lockdown. Unter den vielen Branchen, die unter der Pandemie zu leiden haben, ist das Gastgewerbe wohl am schwersten betroffen. Restaurants und Imbisse sind auf take-away Services beschränkt, für Hotels fallen die Touristen weg, auch Geschäftsreisen brachen in der Pandemie ein. Discotheken und Bars sind zum Teil seit fast einem Jahr geschlossen. Auch die Sommermonate brachten nur wenig Entspannung. regionalHeute.de hat mit dem Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (DeHoGa) im Bezirk Braunschweig, Mark-Alexander Krack, über die Sorgen und Nöte des Gewerbes gesprochen.



Die Zahlen wirken erschütternd: Eine interne Umfrage im Verband habe ergeben, dass sich etwas mehr als 2/3 der Gastwirte sorgen, das Jahr 2021 nicht zu überleben, erzählt Mark-Alexander Krack, Geschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes im Bezirk Braunschweig. Seit Monaten versuchen die Gastwirte sich irgendwie über Wasser zu halten. Die mittlerweile fließenden Finanzhilfen, die eigentlich für den November und den Dezember geplant waren, liefen irgendwann aus. Wenn Gaststätten dann nicht an Start dürften, würde es düster für die Branche. Erst, wenn die aktuell ausgesetzte Insolvenzpflicht wieder greife, könne das wahre Ausmaß der Branchenkrise erkannt werden. Bis dahin müssten die Wirte hoffen.

Im Verband habe sich das Gefühl breit gemacht, dass das Gastgewerbe von der großen Politik vergessen worden sei. Friseure dürften wieder öffnen, sogar Floristen gingen wieder an den Start. Nur Hotels, Bars und Restaurants blieben auf der Strecke. "Es hat sich ein großes Maß an Enttäuschung breit gemacht", berichtet Krack. Das Gefühl in Gänze vergessen worden zu sein täusche zwar, glaubt Krack, immerhin sei das Gewerbe durchaus im Stufenplan der Landesregierung berücksichtigt worden, dennoch sei der Frust nachzuvollziehen. Auch dann, wenn der Chef des Gesamtverbandes der DeHoGa in der Videoschalte mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier gesessen habe.

Bürokratie, Teststrategien und die Hoffnung auf Ostern


Dabei dürfte nicht geholfen haben, dass die Novemberhilfen erst im Januar ausgezahlt worden seien. Nicht, dass das Geld nicht da gewesen wäre, das Problem sei bürokratischer Natur gewesen: Die Software, mit der die Landesbanken die Anträge hätten bearbeiten können, habe erst am 12. Januar in Betrieb genommen werden können. Zwei Monate nach dem Startschuss für das Hilfspaket also. Mittlerweile seien die Zahlungen jedoch auf dem Weg, ebenso für die Dezemberhilfen. Bei letzteren seien mittlerweile 30 Prozent der Anträge bearbeitet. Aber auch die würden irgendwann auslaufen, mahnt Krack. Eine nachhaltige Lösung lieferten sie ohnehin nicht. Eine dauerhafte Perspektive liefere nur die Öffnung.


Mark-Alexander Krack ist Geschäftsführer des Branchenverbandes DeHoGa im Bezirk Braunschweig. Foto: Archiv


Aktuell liege die Hoffnung auf dem Osterfest. Mit sinkenden Infektionszahlen, einer Schnellteststrategie und zunehmender Impfquote sei eine Öffnung für Gaststätten wohl eine realistische Perspektive, auch wenn sich Krack keine Illusionen macht. "Wir werden wohl auch 2021 die Infektionen nicht auf null drücken können", so der Geschäftsführer der Dehoga. Dennoch sei das Gastgewerbe bereit seinen Teil zu tun. Für Schnelltests, Fiebermessungen und ähnliche Maßnahmen nehme er im Verband eine große Bereitschaft wahr. Im Sommer hatte es das Hygienekonzept der Dehoga immerhin in die Coronaverordnung geschafft. Sollten ab dem ersten März ausreichend Schnelltests zur Verfügung stehen, könnten die also auch in Restaurants zum Einsatz kommen.

Privilegien für Geimpfte?


Sonderrechten für Geimpfte steht die Mehrheit der Verbandsmitglieder derweil skeptisch gegenüber. Die Bundesregierung habe eine solche Regelung aus gutem Grund ausgeschlossen, glaubt Krack. Wenn Ungeimpften etwa der Restaurantbesuch qua Gesetz verwehrt würde, wirke das wie eine indirekte Impfpflicht. Das könne nicht das Ziel sein. Gleichzeitig könnten Teststrategien helfen, der Normalität ein Stück näherzukommen. Auch wenn Krack und sein Verband sich wenig Hoffnungen auf Großveranstaltungen im Sommer machen

Ganz aufs Feiern müssten die Menschen wohl trotzdem nicht verzichten. Hier einen Weg zu finden, habe auch ganz praktische Gründe: Die Diskotheken sind wohl am stärksten von der Pandemie betroffen. Wo Restaurants einen Take Away Service einrichten konnten und Hotel wenigstens auf Handwerker auf Montage hoffen konnten, haben die meisten Discos seit fast einem Jahr geschlossen. Mit Stufenplan, Hygienekonzepten und Teststrategie dagegen könnte auch für die Clubs zumindest ein Licht am Ende des Tunnels sichtbar werden. Und die Menschen könnten ein kleines Stück Normalität zurückbekommen.


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