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SPD-Mann äußert sich zu E-Mobilität und Müller-Interview

von Nino Milizia


Dr. Alexander Saipa. Foto: SPD Niedersachsen.
Dr. Alexander Saipa. Foto: SPD Niedersachsen. Foto: SPD Niedersachsen.

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25.11.2016

Goslar. Nach dem vielkritisierten Interview von Volkswagen-Chef Matthias Müller in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung äußerte sich der Landtagsabgeordnete Dr. Alexander Saipa gegenüber regionalHeute zu dieser Thematik.


"Hinter dem Volkswagenkonzern liegen turbulente Wochen und Monate. Das hat zum einen mit den klar zu benennenden Verfehlungen zu tun, die wir heute unter dem Begriff „Dieselgate“ zusammenfassen. Man muss offen dazu sagen, dass Volkswagen sich und der gesamten deutschen Automobilindustrie mit der Manipulation von Abgaswerten keinen guten Dienst erwiesen hat. Die Aufklärung dieses Skandals wird den Konzern noch Jahre beschäftigen, sie wird Kapazitäten binden und sie wird Summen kosten, die den vermeintlichen Nutzen der Manipulationen weit übersteigen werden.

Ich erwarte also, dass diese Verantwortung nicht auf die Beschäftigten an den niedersächsischen Standorten abgewälzt wird, denn die haben mit den Verfehlungen des Managements nichts zu tun. Daher ist der zwischen Vorstand und Gesamtbetriebsrat ausgehandelte Zukunftspakt, der sich ganz anderen Herausforderungen stellt, auch und gerade in dieser Hinsicht ein wichtiges Signal."

Volkswagen steht vor dem wohl größten Umbau seiner Geschichte



"Volkswagen stellt sich aufgrund der Herausforderungen der Digitalisierung, des Umbaus auf Elektromobilität und der dringend erforderlichen Verbesserung der Marke Volkswagen dem wohl größten Umbau seiner Geschichte. Dennoch: Niedersachsen wird mittelfristig bis zu 10.000 Industriearbeitsplätze bei Volkswagen verlieren. Auch werden viele Leiharbeiter an den niedersächsischen Standorten entgegen der sonstigen Gepflogenheiten bei Volkswagen nicht übernommen werden. Auch wenn sich alle um weitere Beschäftigungsmöglichkeiten bemühen wollen, sind das für die Betroffenen bittere Nachrichten und das kann man auch nicht einfach wegdiskutieren.

Aber: Volkswagen wird den größten Umbau in seiner Unternehmensgeschichte ohne betriebsbedingte Kündigungen und mit dem höchstmöglichen Maß an Sozialverträglichkeit bewerkstelligen und es werden 7.500 zukunftssichere und hochqualifizierte Arbeitsplätze in Niedersachsen wieder entstehen. Alle niedersächsischen Standorte werden trotz der gewaltigen Umstrukturierungen erhalten bleiben und haben auch weiterhin eine Zukunft. Der Zukunftspakt gibt einem sehr großen Teil Belegschaften nach vielen Monaten der Befürchtungen und Verunsicherungen endlich Sicherheit und das ist in meinen Augen auch und besonders ein großer Erfolg des Betriebsrates."

Große Investitionen in eine eigene Batterieproduktion in Braunschweig und Salzgitter stehen an



"Die Umwälzungen in der Industrie und Arbeitswelt, die wir in den nächsten Jahren erleben werden, sind gigantisch. Besonders im Bereich der Automobilindustrie stehen tiefgreifende Veränderungen bevor. Das Thema der Elektromobilität und alternativer Antriebe wird eine immer größere Rolle spielen. Hinzu kommt die immer weitergehende digitale Vernetzung der Fahrzeuge. Angesichts dieser Herausforderungen brauchte es zwingend eine neue Strategie, die sicherstellt, dass das Herz von Volkswagen auch in Zukunft in Niedersachsen schlagen kann. Diese Entwicklung zu ignorieren ist keine Option und würde vielmehr zu einem sehr viel drastischeren Abbau bis hin zu Unsicherheiten der Werksstandorte in Niedersachsen führen. Das wäre nicht hinnehmbar. Es muss also deutlich ausgesprochen werden, dass ohne eine solche Strategie und ohne diese Umstrukturierungen die Gefahr bestanden hätte, dass Volkswagen den Anschluss an die Zukunft verliert. Nur wenn die Kernmarke VW auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleibt, werden die zehntausenden Arbeitsplätze an den niedersächsischen Standorten langfristig erhalten bleiben können.

Mit dem Zukunftspakt stellt sich Volkswagen so auf, dass die hohen Sozialstandards des Konzerns langfristig gehalten werden können. Hier zeigt sich einmal mehr, was verantwortungsvolle und klare Gewerkschaftsarbeit bewirken kann! Mit dem Zukunftspakt wird die Kernmarke Volkswagen wieder profitabler werden. Das ist ebenfalls eine gute Nachricht für Niedersachsen! Es stehen z.B. große Investitionen in eine eigene Batterieproduktion in Braunschweig und Salzgitter an. Mit einem verstärkten Fokus auf IT- und Softwareanwendungen in Wolfsburg wird der Zukunft Rechnung getragen. Insgesamt werden diese Investitionen ein Volumen von 3,5 Milliarden Euro erreichen, ein Großteil davon in Niedersachsen."

Kein Verständnis für die Aussagen von Matthias Müller



"Ich sage allerdings in aller Deutlichkeit, dass ich überhaupt kein Verständnis für die Aussagen des Vorstandsvorsitzenden Matthias Müller habe, der auf kritische Fragen und Anmerkungen mit Unverständnis und mangelnden Kundennachfragen antwortet. Die Kommunikationsstrategie des Konzerns und seiner Spitze kann sich da also deutlich verbessern. Es braucht keine Kundenbeschimpfungen. Vielmehr ist es notwendig, verlorenes Vertrauen durch umsichtige Sprache zurückzugewinnen. Wenn VW wirklich ernsthaft verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen will, dann braucht es eine andere Unternehmenskultur.

Das Thema der Bonizahlungen muss aus meiner Sicht auch nochmals deutlich angesprochen werden. Natürlich müssen die Bonizahlungen erneut und sehr ernsthaft auf den Prüfstand. Ich erwarte deutliche Signale auch der Übernahme von Verantwortung in der Zukunft von den Managern.

Volkswagen geht jetzt durch eine schwere Zeit. Und auch der nun verhandelte Zukunftspakt wird in der Umsetzung noch schwer genug werden. Aber unser großes gemeinsames Ziel muss es sein, Volkswagen wieder auf Erfolgskurs zu bringen. Das ist für die Menschen und die vielen Unternehmen in unserer Region wichtig, die mit dem Konzern verbunden sind."


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