Sport

Reizthema Videoüberwachung: Polizei sieht Notwendigkeit

von Frank Vollmer


Sechs dieser Rundum-Kameras wurden im Eintracht-Stadion vor der Saison installiert. Foto: Frank Vollmer
Sechs dieser Rundum-Kameras wurden im Eintracht-Stadion vor der Saison installiert. Foto: Frank Vollmer Foto: Frank Vollmer

Artikel teilen per:

22.10.2019

Braunschweig. Sechs zu Beginn der Saison 2019/2020 von der Polizei installierte Kameras im Eintracht-Stadion wurden nicht nur von der Blau-Gelben Hilfe (BGH) als Eingriff in die Grundrechte der Fußballfans gewertet und sorgten für Kritik aus Fankreisen. Wir haben bei der Polizei in Braunschweig nachgefragt.

„Insgesamt wurde die Videoanlage um 6 Kameras ergänzt. Dies sind 2 Kameras im Gastbereich sowie 4 Kameras im Heimbereich“, teilt Stefan Weinmeister auf unsere Anfrage hin mit. Der Sachbearbeiter für Öffentlichkeitsarbeit bei der Behörde in Braunschweigantwortet auf die Fragen, diesen Vorgang betreffend:

Wann wurde die Videoüberwachung im Eintracht Stadion ausgeweitet?


„Das Vorhaben zur Erweiterung der 'Videoanlage Sicht' resultiert aus der Saison 2016/2017 und wurde auf unterschiedlichen Ebenen stets offen mit der Vereinsführung von Eintracht Braunschweig thematisiert“, betont Weinmeister auf unsere Nachfrage. Der Beamte nennt als Beispiele eine Fachtagung im Frühjahr 2017 unter Beteiligung der Polizei und Eintracht-Präsident Sebastian Ebel und dem Fanbeauftragten Erik Lieberknecht; ein Gespräch auf Einladung der Polizei mit Ebel, dem damaligen Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt und dem Sicherheitsbeauftragten des Vereines oder Sitzungen des öffentlichen Ausschusses "Sport und Sicherheit" mit Vertretern der Stadt Braunschweig,Betreiber Stadthallen GmbH, Eintracht Braunschweig und der Polizei.

„Die Realisierung war abhängig von der Bereitstellung der erforderlichen Haushaltsmitteln durch die Stadt Braunschweig als Eigentümer des Stadions und dem erforderlichen Vorlauf der Fachfirma für die Videotechnik.“ Aus diesem Grund habe die Umsetzung des Vorhabens etwa zwei Jahre gedauert und sei mit Beginn der Saison 2019/20 realisiert worden.

Aus welchen Gründen wurde die Überwachung ausgeweitet?


„Die Erstinstallation des Videosystems erfolgte nach Stadionumbau in der Saison 2013/2014. In der Folge wurde festgestellt, dass sich Personen bei der Begehung von Straftaten, wie dem Abbrennen von pyrotechnischen Erzeugnissen, Zeigen von Bannern beleidigenden und verunglimpfenden Inhalts, Werfen von Gegenständen auf das Spielfeld und auf Ordner, in dem Wissen einer besseren Beweisbarkeit zunehmend darauf einstellen und sich konspirativ verhalten, indem sie unter großen Blockfahnen verdeckt agieren, mehrfach die Kleidung wechseln und vermummen.“ Als Beispiel verweist Weinmeister auf das Derby gegen Hannover 96 im November 2016 und erklärt: „Relevant sind dabei insbesondere die Blöcke der sogenannten aktiven Fanszene.“

Darüberhinaus seien die in Rede stehenden Straftaten durch die Einlasskontrollen des Ordnungsdienstes von Eintracht Braunschweig bislang nicht verhindert weorden. „Es gelang regeläßig, die Tatmittel wie Pyrotechnik oder Banner, ungehindert in den Block zu schaffen“, so Weinmeister.

„Die Erweiterung der Videoanlage und technische Verbesserungen erhöhen die Möglichkeiten der Dokumentation von Tathandlungen und versprechen eine bessere Aufklärungsrate von Straftaten“, betont Stefan Weinmeister, der darauf hinweist, dass die Polizei gesetzlich dazu verpflichtet sei. Insbesondere aber stünde der Präventionsgedanke im Vordergrund, denn Ziel sei es, „durch ein höheres Entdeckungsrisiko Personen davon abzuhalten, Straftaten zu begehen“.

Stimmt es, dass die Polizei mehrere Dialogangebote seitens der BGH, das Thema gemeinsam mit der Stadt und dem Verein zu diskutieren, ohne Nennung von Gründen ausgeschlagen hat? Wenn ja, warum?


„Zu keinem Zeitpunkt hat die Polizei Gesprächsangebote abgelehnt!“, betont der Beamte. Vielmehr sei mehrfach gegenüber dem Fanbeauftragten mehrfach Gesprächsbereitschaft signalisiert worden. „Allerdings mit dem Hinweis“, so Weinmeister, „dass einem Rückbau der Videoanlage aus Sicht der Polizei nicht zugestimmt werden kann.“

Darüber hinaus sei seit Beginn der laufenden Saison in jeder Sicherheitsbesprechung mit den Verantwortlichen von Eintracht Braunschweig „die permanente Manipulation der Videokamera in Block 9 thematisiert und der Sicherheitsbeauftragte darauf hingewiesen, dass es dieses Verhalten zu unterbinden gilt, da es sich hier sowohl um strafrechtlich relevantes Verhalten handelt als auch einen Verstoß gegen die Stadionordnung darstellt.“

Darauf sei bislang nicht reagiert worden. „Das Verhalten der aktiven Szene im Zusammenhang mit der Manipulation der Kamera bei jedem Heimspiel zeigt einmal mehr die Notwendigkeit der Erweiterung des Videosystems. Denn das Einwirken auf die Kamera erfolgt stets durch Personen, die sich bei der Tatausführung vermummen und zuvor ihre Vorbereitungshandlungen im Schutz großer Blockfahnen vornehmen.“
„Ein aktuell angestrebter Dialog unter Beteiligung Eintracht Braunschweig, Vertretern der Fans und der Polizei Braunschweig konnte seitens der Polizei aufgrund der überaus kurzfristigen und nicht abgestimmten Terminsetzung nicht erfolgen. Die Gesprächsbereitschaft der Polizei Braunschweig besteht nach wie vor.“ Stefan Weinmeister, Sachbearbeiter Öffentlichkeistarbeit Polizei Braunscheig

Mehr lesen


https://regionalsport.de/reizthema-videoueberwachung-bgh-kritisiert-die-polizei/

https://regionalsport.de/bgh-fordert-aufklaerung-neue-kameras-eingriff-in-grundrechte


zur Startseite