"The Old Man" mit Jeff Bridges: Diese Thriller-Serie muss man gesehen haben!

Berührend, tiefgründig und dabei hochspannend: "The Old Man" mit den grandiosen "Seniorendarstellern" Jeff Bridges und John Lithgow dürfte als Dramaserien-Genuss in diesem Herbst qualitativ schwer zu schlagen sein. Zu sehen ab Mittwoch, 28. September bei Disney+.

von Eric Leimann


Dan Chase (Jeff Bridges) wartet mit seinen Hunden auf den nächsten Schritt seiner Verfolger. (Bild: Prashant Gupta/FX)
Dan Chase (Jeff Bridges) wartet mit seinen Hunden auf den nächsten Schritt seiner Verfolger. (Bild: Prashant Gupta/FX) Foto: Prashant Gupta/FX

Berührend, tiefgründig und dabei hochspannend: "The Old Man" mit den grandiosen "Seniorendarstellern" Jeff Bridges und John Lithgow dürfte als Dramaserien-Genuss in diesem Herbst qualitativ schwer zu schlagen sein. Zu sehen ab Mittwoch, 28. September bei Disney+.


Es ist schwer, über die siebenteilige Thrillerserie "The Old Man" zu schreiben, ohne zu spoilern. Unfassbar clevere Wendungen respektive faustdicke Überraschungen, welche die Qualität der Kopf-ab-Szene in "Game of Thrones" - Staffel eins - aufweisen, gibt es auch hier zur Genüge. Im Grunde ist schon die Prämisse der Serie, dass Jeff Bridges den seit langem untergetauchten Ex-CIA-Agenten Dan Chase spielt, ein Spannungsverderber.

Unbedarft Zuschauende erleben den bärtigen Witwer Anfang 70 nämlich als typischen amerikanischen Vorstadt-Senior. Er kommt schwer aus dem Bett. Die Knochen schmerzen. Im Schlaf verfolgen ihn Träume, in denen die Pflege seiner offenbar demenzkranken und kürzlich verstorbenen Frau wieder auflebt.

Dann sieht man Mr. Chase beim Doktor und ist sich nicht ganz sicher, wie fit er selbst noch im Kopf ist. Gibt es da auch schon Demenz-Anzeichen? Oder ist es nur die Angst vor nachlassender Funktionsfähigkeit oder Schrulligkeit, die ihn ein wenig seltsam und umständlich wirken lässt. Auch im Telefongespräch mit seiner Tochter, seinem offenbar einzigen sozialen Kontakt, wirkt Dan Chase ein wenig fahrig und besorgt.

Jeff Bridges bespielt die ganze Klaviatur des Lebens


Man verdirbt sich diesen "arthausig" langsam und ganz auf die große Schauspielkunst Jeff Bridges' setzenden Prolog leider, wenn man weiß: "The Old Man" verwandelt sich bald in eine Thrillerserie (zwei Episoden gibt es zum Auftakt, die restlichen fünf im Wochenrhythmus), in der Bridges als untergetauchter Ex-Agent und der nicht minder großartige John Lithgow (Winston Churchill in "The Crown") als FBI-Vizechef einen unfassbar spannenden "Manhunt" veranstalten.

Bridges, der ja eigentlich schon 1998 - also mit Ende 40 - in "The Big Lebowski" seine erste Altersrolle verkörperte und als versoffener Country-Musiker in "Crazy Heart" 2010 der Oscar als bester Hauptdarsteller gewann, bespielt nun als "alter Mann" die ganze Klaviatur des Lebens: Gebrochenheit und Erfahrung, pragmatische Überlebensstrategien und Rührung, die Melancholie des Vergänglichen und eine daraus entstandene reife Lebenslust.

Dass Jeff Bridges selbst während der wegen Corona unterbrochenen Dreharbeiten fast gestorben wäre, scheint seiner Darstellung zusätzliche Tiefe zu geben: Wegen einer Lymphdrüsenkrebs-Diagnose im Oktober 2020 und einer anschließenden Covid-Infektion im geschwächten Zustand während der Chemotherapie, erlebte der Schauspieler eine persönliche Grenzerfahrung.

Die Serie, die man im Herbst gesehen haben muss?


"The Old Man" geht auf einen 2017 erschienen, gleichnamigen Thriller von Thomas Perry zurück. Der 1947 geborene US-Autor schreibt bereits ein Leben lang Thriller. Er ist also ein ähnlich altgedienter Genre-Arbeiter wie sein Held. Realisiert haben die Serie für den Disney-eigenen Sender FX ("Fargo") die Showrunner Jonathan E. Steinberg und Robert Levine. Zusammen erschufen sie bereits die Piratenserie "Black Sails". Auch wenn diese über vier Staffeln ausgebreitete Vorgeschichte von "Die Schatzinsel" durchaus Qualitäten aufwies, das Niveau von "The Old Man" hatte die Serie sicher nicht.

Im eigentlich limitierten Siebenteiler, der nun aber doch für eine zweite Staffel verlängert wurde, schaffen Steinberg und Levine gemeinsam mit Jon Watts, dem Regisseur der "Spiderman"-Filme mit Tom Holland, tatsächlich Außergewöhnliches: meisterhafte Dialoge, menschlich rührende Szenen fernab jeglicher Klischees und eine Plot-Hochspannung, die sich hinter Serien wie "Breaking Bad", "Fargo" oder den ersten "Homeland"-Staffeln nicht verstecken muss.

Starke Frauencharaktere gibt es in "The Old Man" übrigens auch - Amy Brenneman ("Private Practice") oder Alia Shawka ("Arrested Development ") spielen sie. Doch auch an dieser Stelle sollte man nicht allzu viel verraten, weil es einen den Genuss an der vielleicht besten Drama-Serie dieses Herbstes nehmen würde. Im kommenden Jahr, wenn wieder große Fernsehpreise wie die gerade eben erst verteilten Emmys anstehen, dürfte die ein oder andere Trophäe auf "The Old Man" warten. Für Jeff Bridges zum Beispiel, der in "The Old Man" ein Naturereignis ist. Mit normalem Schauspiel ist seine Wirkung in der Serie kaum noch zu erklären. Kurzum: "The Old Man" ist ein Meisterwerk, das man gesehen haben muss.


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