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Unglück im Waldpädagogikzentrum: Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung

Innerhalb der Landesforsten wolle man das Geschehene nun aufarbeiten. Daraus erhoffe man sich auch Erkenntnisse für eine bessere Sicherung.

von Anke Donner


Auf einer Klassenfahrt wurde ein Zehnjähriger von einer Lore überrollt und starb. Nun wird gegen drei Mitarbeiter des Waldpädagogikzentrums wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Symbolbild.
Auf einer Klassenfahrt wurde ein Zehnjähriger von einer Lore überrollt und starb. Nun wird gegen drei Mitarbeiter des Waldpädagogikzentrums wegen fahrlässiger Tötung ermittelt. Symbolbild.

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14.10.2020

Wolfsburg. Im Juni des vergangenen Jahres kam es im Waldpädagogikzentrum (WPZ) Hahnhorst (Landkreis Diepholz) zu einem schrecklichen Unfall. Ein zehnjähriger Schüler aus Wolfsburg wurde während eines Klassenausflugs von einer Lore überrollt und verstarb infolge seiner Verletzungen. Kurz darauf nahm die Staatsanwaltschaft Verden die Ermittlungen auf. Demnach werde nun gegen drei Personen wegen fahrlässiger Tötung ermittelt.



Zuvor hatten sich neue Ermittlungsansätze ergeben, aufgrund derer die Staatsanwaltschaft eine weitere Untersuchung anordnete. Grund dafür war das Vorliegen eines TÜV-Gutachtens aus dem sich die Notwendigkeit weiterer Ermittlungen zur Organisationsstruktur des Waldpädagogikzentrums ergeben hätten, um beurteilen zu können, ob einem oder gegebenenfalls mehreren Verantwortlichen ein Fahrlässigkeitsvorwurf zu machen ist, berichtete die Staatsanwaltschaft im Dezember des vergangenen Jahres. Konkret sollte ermittelt werden, wer für die Aufstellung und Überwachung der Lore im Waldpädagogikzentrum Hahnhorst verantwortlich war und ob es dabei gegebenenfalls zu Sorgfaltspflichtverletzungen gekommen sein könnte.

Vorwurf der fahrlässigen Tötung


"In der Sache richten sich die Ermittlungen wegen fahrlässiger Tötung gegen insgesamt drei Beschuldigte, die alle Mitarbeiter des betreffenden Forstamtes sind. Zu weiteren Einzelheiten in Bezug auf die Beschuldigten beziehungsweise die bisherigen Erkenntnisse zum tatsächlichen Geschehen, einschließlich der eingeholten Gutachten, können gegenwärtig keine Angaben gemacht werden. Insoweit ist der Abschluss der Ermittlungen abzuwarten. Wann die Ermittlungen abgeschlossen werden sein, lässt sich gegenwärtig nicht vorhersagen", sagt Marcus Röske, Oberstaatsanwalt und Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Verden auf Nachfrage von regionalHeute.de.

Vorfall soll analysiert werden


Während die Staatsanwaltschaft ermittelt, wird das Unglück bei den Landesforsten intern aufgearbeitet. Dies erfolge, in dem man analysiert, ob und wie das Unglück hätte verhindert werden. Man erhoffe sich, daraus konkrete Maßnahmen für den Standort ableiten zu können, sagt Mathias Assmann von den Niedersächsischen Landesforsten. Die hierfür erforderlichen, konkreten Informationen in Form eines Abschlussberichtes von Staatsanwaltschaft und Polizei zum Unfallhergang würden noch nicht vorliegen. "Der Abschluss der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen bleibt abzuwarten", so Assmann weiter und erklärt, dass die Sicherheitskultur wie Begehungen, Unterweisungen und Gefährdungsbeurteilungen im Forstamt weiterentwickelt werde. "Sämtliche Waldpädagogikzentren wurden von den Fachkräften für Arbeitssicherheit und weiteren Fachprüfern begangen. Außerdem wurde ein „Sicherheitstagebuch“ entwickelt, in dem sicherheitsrelevante Dinge und die ergriffenen Gegenmaßnahmen dokumentiert werden", erklärt Assmann.

Darüber hinaus werde man nach Vorliegen der Untersuchungsergebnisse den Fall aus gesamtbetrieblicher Sicht aufarbeiten, um mögliche Auswirkungen auch auf andere Sondereinrichtungen der Landesforsten zu prüfen. Nach Abschluss der staatsanwaltlichen Ermittlungen sollen möglichen Auswirkungen auch auf andere Einrichtungen erneut geprüft werden, sofern sich aus den Ermittlungsergebnissen neue Erkenntnisse gewinnen lassen.

Zur Frage, ob die drei Mitarbeiter, gegen die nun ermittelt wird, noch bei den Landesforsten beschäftigt sind, wollten die Landesforsten im Hinblick auf die laufenden Ermittlungen keine Angaben machen.


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