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Unsozial: Scharfe Krititik an Braunschweiger Banken

von Robert Braumann


Symbolbild: Sina Rühland
Symbolbild: Sina Rühland Foto: Sina Rühland

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10.05.2016


Braunschweig. Kai Bursie, Sozialverband Deutschland e.V. -Regionalleiter  in Braunschweig, ist sich sicher: Am meisten benachteiligt werden von einigen Braunschweiger Banken Geringverdiener, Sozialleistungsempfänger und Senioren.

Der SoVD-Braunschweig habe darauf bereits im August 2014 aufmerksam gemacht. An der Situation geändert habe sich wenig bis nichts geändert. "Fakt ist: Die Banken haben es bei der momentanen Zinspolitik der EZB nicht leicht", sagt Bursie. Das sei trotzdem keine Erklärung dafür, dass verschiedene Banken, die als kostenlos angebotenen Basis-Giro-Konten an einen Mindest-Geldeingang knüpfen. Diese Geldeingänge würden viele Sozialleistungsempfänger, Geringverdiener und Altersarme gar nicht erreichen. Viele von ihnen hätten  zudem kein Internet, was viele Bankgeschäfte wie Belegüberweisungen noch teurer machen würde. "Banken wollen Geringverdiener nicht haben. Dass Konten von Banken mit öffentlichem Auftrag für Gutverdiener kostenlos sind, aber für Bezieher von Sozialleistungen kostenpflichtig – das ist schon ein kleiner Skandal", findet er. Bundesweit würde das auch nicht besser aussehen. Nur vereinzelt gäbe es noch Angebote, die kostenfrei wären.

"Unbedingt das Kleingedruckte lesen"


Bursie kritisiert weiter, dass gerade mit kostenlosen Girokonten viel Werbung gemacht werde. Diese aber tatsächlich an bestimmte Bedingungen geknüpft sind. Er appelliert an die Eigenverantwortung von Kunden. Der Sozialberater empfiehlt gerade Geringverdienern das Kleingedruckte der Preis- und Leistungsübersichten genau zu lesen. Auch Vergleichsangebote anderer Banken sollten Neukunden unbedingt einholen.

"Deutliche Erträge gehen verloren"


Die Braunschweigische Landessparkasse äußerte zu den Vorwürfen auf Anfrage von regionalHeute.de: "Als Sparkasse wollen wir auch weiterhin mit unseren Filialen vor Ort für unsere Kunden da sein, wenn sie einen persönlichen Ansprechpartner für eine individuelle Beratung brauchen. Ein flächendeckendes Filialnetz kostet allerdings auch Geld. Und die Braunschweigische Landessparkasse unterhält in ihrem Geschäftsgebiet ein dichtes Filialnetz, in Braunschweig ist sie mit den meisten Filialen überhaupt vertreten. Durch die andauernde Negativzinsphase gehen allen Banken – nicht nur den Sparkassen – deutliche Erträge verloren, so dass bislang für den Kunden kostenfreie, da quersubventionierte, Leistungen künftig nicht mehr aufrecht erhalten werden können und nun nutzungsabhängig bepreist werden. Ähnliche Entwicklungen sehen Sie übrigens derzeit auch bei vielen Wettbewerbern. Darüber hinaus haben wir die Leistungen rund um unsere Girokonten in den vergangenen Jahren weiter ausgebaut (kostenloses Geldabheben für Privatkunden an 25.000 Geldautomaten der Sparkassen, Sicherheit beim Online-Banking mit pushTAN, Kontowecker, Klicksparen, ...). Wir machen derzeit die Erfahrung, dass viele Kunden unsere neuen Kontomodelle zum Anlass nehmen, das eigene Nutzungsverhalten zu überprüfen und sich über die Angebote anderer Mittwettbewerber zu informieren. Der überwiegende Teil unserer Kunden kommt dabei zu dem Schluss, dass unsere Girokonten transparent und fair sind."

"Eben als eine Bank für alle – als Volksbank"


Norman Lies. Pressesprecher Volksbank BraWo nahm ebenfalls Stellung: "Die Volksbank BraWo ist eine Bank für jeden – vom Arbeiter bis zum Unternehmer. Aber: Wir sind eine Qualitäts-Volksbank, kein Billiganbieter aus dem Internet. Ganz bewusst unterhalten wir ein dichtes Filialnetz und beschäftigen weit über 600 Mitarbeiter, die stets für unsere Kunden da sind. Eine solche Struktur – und damit auch die Kontenführung – kostet Geld. Darstellbar sind unsere Kontomodelle nur, weil eine Vielzahl unserer Kunden über die reine Nutzung der Konten hinaus unsere zusätzlichen Angebote in Anspruch nimmt - Finanzierungen, Vorsorge, Versicherungen, Geldanlage und mehr. Durch die Inanspruchnahme dieser Produkte werden die Girokonten und der Zahlungsverkehr gewissermaßen mitfinanziert. Um noch mehr Kunden, die potenziell diese Angebote in Anspruch nehmen, zu gewinnen, haben wir durch unser Kontopreismodell einen zusätzlichen Anreiz geschaffen. Das heißt, die Argumentation, Geringverdiener werden zusätzlich zur Kasse gebeten, ist falsch: Nur dadurch, dass viele unserer Kunden mit einem höheren Einkommen unsere Produkte nutzen, können wir Konten für Geringverdiener überhaupt zu einem moderaten Preis anbieten. Eben als eine Bank für alle – als Volksbank."


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