Wolfenbüttel

Von der Panzer-Waschanlage zum Social Impact Lab


Vorsitzender des Vereins tiw Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach und Geschäftsführerin Carola Weitner-Kehl. Foto: tiw
Vorsitzender des Vereins tiw Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach und Geschäftsführerin Carola Weitner-Kehl. Foto: tiw

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16.02.2018

Wolfenbüttel. Mitten im Umbruch befinde sich das ehemalige Kasernengelände. Die wichtigsten Protagonisten dieser Umstrukturierung seien die Ostfalia-Hochschule sowie das Technische Innovationszentrum Wolfenbüttel (tiw). Vereinsvorsitzenden des tiw Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach und Geschäftsführerin Carola Weitner-Kehl blicken zurück.



"2017 war das beste Jahr, das wir je hatten", freut sich Umbach, der ehemalige Ostfalia-Präsident. Dass zwei Hallen abgerissen wurden und dort durch einen Investor drei Gebäude zur Vermietung entstehen, sei "ein schöner Schluck aus der Pulle". Der Vorsitzende bezieht sich damit auf die finanziellen Lasten, die sein Verein am Exer stemmen muss: "Die denkmalgerechte Sanierung der Gebäude sowie der Abtrag unserer Altschulden erfordern gewaltige Beträge." Allein das Schieferdach auf dem Haus Am Exer 10 koste rund eine Million Euro.

Gleichwohl gehe es nach der Fertigstellung des Westbereichs nun auch am östlichen Ring des Exers mit großen Schritten voran, betont das Führungsduo. Die ehemalige Kasernen-Tankstelle ist mittlerweile ebenso Geschichte wie die Panzer-Waschanlage daneben - aus massivem Beton. "Das haben wir alles eingeebnet und hübschen es in nächster Zeit noch auf", erklärt die Geschäftsführerin. Auch die angekündigte Elektro-Tankstelle werde in Kürze errichtet. "Wir bauen eine Zapfsäule für zwei Fahrzeuge, die Stadtwerke liefern zunächst kostenfrei den Strom."

Ein weiterer Meilenstein für den gesamten Exer ist die Sanierung des Abwassernetzes, deren zweiter und letzter Bauabschnitt jetzt startet. Eine Reparatur der Ringstraße, die erhebliche üble Dellen und Löcher aufweist, sei im Sommer seitens der Ostfalia in Sicht. "Die Rechtslage ist unklar", erklärt Umbach. Die Straße gehöre zwar dem Land, "aber wir wissen nicht: Ist sie öffentlich oder eine Privatstraße?“ Jedenfalls ist die Ostfalia für die Instandhaltung der Ringstraße zuständig, so ist es geregelt.


Inzwischen längst Geschichte ist die Tankstelle auf dem ehemaligen Kasernengelände am Exer. Sie und die daneben liegende Panzer-Waschanlage wurden inzwischen eingeebnet. Foto:


Ausblick auf 2018


Im Jahr 2018 sind weniger die spektakulären Baumaßnahmen, aber doch interessante Veränderungen im Detail geplant. Außerdem geht es dem Vorsitzenden um die Außenwirkung: "Wir wollen verstärkt auf unsere satzungsgemäßen Aufgaben hinweisen, beispielsweise die Vermittlung von Forschung und Lehre zwischen Ostfalia und Öffentlichkeit." Zu diesem Zweck startet in diesem Jahr die Weiterbildungsoffensive mit einem Seminar von Prof. Dr. Kai Litschen zur EU-Datenschutz-Verordnung. "Dieses Seminar am 28. Februar ist bereits überbucht, so dass wir jetzt ein zweites anbieten", freut sich die Geschäftsführerin. "Das Format lautet Hochschulwissen in kleiner Runde = großer Lernerfolg. Kommt offenbar gut an."



Parallel dazu hat die Geschäftsführerin ein neues Vortragsformat entwickelt, das sich neben dem ersten Teil der Weiterbildungsoffensive entwickeln soll. "Unter dem Titel ,InformaTiw' wollen wir künftig einmal pro Jahr einen Abend mit drei Impulsvorträgen gestalten, der sich an StartUps und junge Bestandsunternehmen richtet", erklärt Carola Weitner-Kehl. Die Auftaktveranstaltung findet am 12. April im Solferino statt.

Zielgruppe"Social StartUps"


Und das tiw hat noch einen weiteren Pfeil im Köcher. "Wir wollen in Kooperation mit Stadt, Landkreis und dem Zukunftsfonds Asse auf 300 bis 500 Quadratmeternein Social Impact Lab einrichten", sagt Wolf-Rüdiger Umbach. Den Begriff des Coworking-spaces muss man heute nicht mehr erklären, es geht um Gemeinschaftsbüros, in denen sich junge Leute tageweise einmieten können - und zwar nicht nur Studierende, sondern auch Freischaffende aller Fachrichtungen. Zielgruppe sind jedoch"Social StartUps", womit in diesem Fall nicht Firmen gemeint sind, die für Social Media arbeiten. "Vielmehr geht es um die soziale Arbeit, zum Beispiel in Kooperation mit den Wohlfahrtsverbänden", erläutert der Vorsitzende. Der Stellenwert dieser Gruppe falle gegenüber der Autoindustrie stark ab. "Da liegt Deutschland im internationalen Vergleich weit zurück." Social Impact Labs gebe es nicht nur in Berlin, sondern an allen großen Hochschul-Standorten. "Wir wollen dazu entweder ein im Denkmalschutz stehendes Gebäude umbauen oder einen kleinen Neubau errichten."

Abschließend gehen die tiw-Verantwortlichen auf die gelegentlich geäußerte Kritik ein, der Output an StartUps sei zu gering Am Exer. "Die Lust zur Gründung ist in unserer Region nur schwach ausgebildet", meint dazu Umbach. Viele technische Arbeitgeber wie Volkswagen, Bosch oder das Stahlwerk schöpften begabte Kräfte ab und böten sichere Jobs. Zudem könne das tiw seine Flächen nicht zu Dumpingpreisen anbieten, weil die Kosten in dem Denkmal-Ensemble einfach zu hoch seien. "Es gibt in ganz Niedersachsen ohnehin kein Gründungszentrum, das aus sich heraus überleben könnte", sagt Umbach. "Da werden immense Summen reingepumpt - wir erhalten gerade mal 30.000 Euro von der Stadt. Den Rest - das sind gut 98 Prozent - müssen wir selbst erwirtschaften."

Trotzdem sei das tiw erfreulich ausgebucht. "Wir liegen eigentlich immer oberhalb von 95 Prozent Auslastung", berichtet die Geschäftsführerin. Für größere Büroraumeinheiten gebe es eine Warteliste. "Und wenn Lager oder kleinere Werkstätten frei werden, sind sie innerhalb weniger Wochen wieder belegt."

Foto 5565: Inzwischen längst Geschichte ist die Tankstelle auf dem ehemaligen Kasernengelände am Exer. Sie und die daneben liegende Panzer-Waschanlage wurden inzwischen eingeebnet. Foto: tiw

Foto 6194: Prof. Dr. Wolf-Rüdiger Umbach ist Vorsitzender des Vereins tiw, Carola Weitner-Kehl ist die Geschäftsführerin. Foto: tiw

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