Wolfenbüttel: Stadtweite Diskussion um offenen Brief von Helm - Stadt-Politiker kritisieren anonyme Kommentare

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Prof. Dr. Christoph Helm Foto: Raedlein



Der offene Brief des CDU-Stadtratsfraktionsvorsitzenden Prof. Dr. Helm an und über die Lokalredaktion der regionalen Print-Tageszeitung (WolfenbüttelHeute.de berichtete) regt zur Diskussion an. Auslöser war die Medienkritik von Wolfenbüttels Bürgermeister Thomas Pink (WolfenbüttelHeute.de berichtete ebenfalls).


Was sagen unsere gewählten, kommunalen Bürgervertreter dazu? Wir sprachen mit Politikern der im Wolfenbütteler Stadtrat vertretenen Parteien und wollten wissen, was sie von diesem offenen Brief halten. Vor allem interessierte uns aber die Meinung zum Hauptkritikpunkt der gesamten bislang geführten Debatte. Der anonymen Kommentierung von Zeitungsartikeln im Internet. Auch WolfenbüttelHeute.de bietet, ebenso wie viele weitere Online-Tageszeitungen, die Möglichkeit anonym zu kommentieren. Was halten unsere Politiker hiervon?


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Markus Brix
"Ich hätte solch einen offenen Brief nicht vermutet und bin etwas überrascht. Ich kann dazu nur sagen, dass wir als Partei kein offenes Schreiben formuliert hätten und dies auch nicht tun werden. Wir respektieren jedoch den Umgang der anderen Parteien mit diesem Thema. Allerdings finde ich die Veröffentlichung der Internetkommentare der Leser in der Printausgabe der Braunschweiger Zeitung ebenfalls nicht ganz unproblematisch. Die Nutzer sollen im Internet ruhig ihre Kommentare abgeben, meinetwegen auch anonym.
Jedoch sollte die Braunschweiger Zeitung die Meinungen nicht verallgemeinern und als 'Stimme der Bürger' darstellen. Sprich, anonymer Internetkommentar und Leserbrief sind zwei Kommunikationsformen, die in ihrem jeweiligen Medium ihre Berechtigung haben.

Die angesprochenen "Exklusivrechte" unserer Partei sehe ich allerdings etwas anders und mir ist schleierhaft, warum Herr Helm damit ein ganz anderes Thema aufmacht. Wir sind immer noch eine kleinere Partei und meines Erachtens erfolgt die Berichterstattung doch meist ausgewogen und neutral. Und das schon seit vielen Jahren.

Insgesamt hoffe ich, das in den nächsten Tagen auf allen Seiten etwas mehr Gelassenheit einkehrt."

Markus Brix - Fraktionsvorsitzender Bündnis90/Grüne




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Florian Röpke Foto: Privat



"Ich nehme den Brief von Herrn Helm natürlich zur Kenntnis. Das ist seine persönliche Meinung. Inhaltlich wären seine Ausführungen zu überprüfen, spontan kann ich aber dazu nichts zu sagen.

Die Aussage von Herrn Hantelmann, über die anonymen Kommentare im Internet (siehe Kommentarbereich anderer Artikel), finde ich nicht gut. Jeder sollte das Recht haben, seine Meinungen zu äußern. Wenn er dies anonym tun möchte, muss man das respektieren. Deshalb ist diese Meinung nicht weniger wert, als die Meinung von jemandem, der seinen Namen angibt.

Ich muss allerdings einräumen, dass ich die Moderation der Braunschweiger Zeitung auf ihrer Internetseite häufig zu langsam finde. Schließlich ist diese Plattform nicht dafür gedacht, Politiker und Mitbürger zu beleidigen.

Herrn Helms Ansicht über eine einseitige Berichterstattung der Grünen empfinde ich ebenfalls als persönliche Meinung. Vielleicht achtet er als CDU-Fraktionsvorsitzender einfach mehr auf die Ausgewogenheit der Berichte. Ich habe das so nicht beobachtet, allerdings auch  nicht so sehr darauf geachtet."

Florian Röpke - parteilos für DIE LINKE im Stadtrat




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Pierre Balder Foto:



"Ich finde den Brief von Herrn Helm etwas hart formuliert und hätte diesen Weg nicht gewählt. Ich persönlich hätte das Gespräch mit der Redaktion gesucht. Natürlich weiß ich nicht, ob Herr Helm oder andere Beteiligte diesen Weg eventuell bereits gewählt haben.

Zum Thema Internetkommentare kann ich eines klar sagen. Die Stärke des Internets liegt doch in der Anonymität. Natürlich melden sich dort als erstes die Nörgler zu Wort.
Ich würde eine Meinungsäußerung mit dem Klarnamen bevorzugen. Das wirkt immer ehrlicher und kompetenter. Was nicht heißen soll, dass eine Meinung, die unter einem Nicknamen geschrieben wurde, weniger Gewicht hat.
Was man jedoch auf den Plattformen der Medien im Internet ändern kann, ist das Auswahlverfahren der Kommentare. Man muss Pro und Kontra wiedergeben. Das ist die Aufgabe der Redakteure und Moderatoren.

Herrn Helms Vorwurf, die Braunschweiger Zeitung würde vorzugsweise über die GRÜNEN berichten, kann ich nur teilweise bestätigen. Manchmal entsteht der Eindruck einer einseitigen Berichterstattung. Das hat sich meiner Meinung nach aber in den letzten Monaten gebessert. Es liegt aber auch an den Parteien, wie sie sich der Öffentlichkeit präsentieren. Die eine Partei bietet viele Infostände und Events an und die andere weniger. Daraus können wir vielleicht alle lernen."

Pierre Balder - Stadtverbandvorsitzender der FDP

(Ratsmitglied Rudolph Ordon war telefonisch leider nicht erreichbar)


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Werner Heise
"Ich respektiere Prof. Dr. Helm als Person und dementsprechend auch seine Meinungsäußerung in Form eines offenen Briefes. Über seinen Eindruck der parteipolitischen Präferenzen habe ich eine andere subjektive Auffassung.

Die Möglichkeit Zeitungsberichte online anonym zu kommentieren finde ich ebenso schützenswert und wichtig wie die Pressefreiheit. Es kann immer private und gute Gründe geben warum man seinen Klarnamen nicht öffentlich unter seine Meinung setzen möchte. Dennoch habe ich kein Verständnis für Leute die den Schutz der Anonymität auskosten um Mitmenschen zu beleidigen. Hier bedarf es klarer Regeln an die sich alle halten.

Die Verwendung von anonymen negativ aber auch positiv kritischen Kommentaren in nicht ausgewogenem Verhältnis für Berichterstattungen missfällt mir, da ein und dieselbe Person so unter der anonymen Verwendung mehrerer Namen ein verfälschtes Bild erzeugen kann.

Statt dieses Thema weiter in der Öffentlichkeit zu führen, sollten sich die Beteiligten, eventuell auch unter neutraler Moderation, einfach mal zusammensetzen. Ich würde mich freuen, wenn wir uns dann auch wieder um die wichtigeren Themen kümmern könnten."

Werner Heise - Fraktionsvorsitzender der Piratenpartei


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Ralf Achilles
"Ich wünsche mir manchmal mehr Gelassenheit. Wir sind Personen des öffentlichen Lebens und müssen mit Kritik umgehen können. Das müssen wir eben manchmal aushalten. Einen Brief, wie den von Herrn Helm, hätte ich so nicht geschrieben. Der bessere Weg wäre ein Gespräch mit der Redaktion gewesen. Man kann doch über die Dinge sprechen. Ich kann seine Verärgerung aber auch ein Stück weit nachvollziehen. Irgendwann ist das Maß einfach voll und dann wehrt man sich.

Die negativen Kommentare über den Holzmarkt kann ich beispielsweise nicht nachvollziehen. Der ist toll geworden und ich stehe nach wie vor hinter der ganzen Geschichte.

Sich hinter anonymen Kommentaren zu verstecken halte ich nicht für sehr klug, aber das Internet ist ein guter Anlaufpunkt, um seine Meinung auf diese Art und Weise zu äußern. Ich finde aber, wer Kritik äußern will, ob nun positiv oder negativ, der sollte sich auch dazu bekennen. Das tun wir doch auch täglich.

Die Berichterstattung der Braunschweiger Zeitung über die GRÜNEN finde ich manchmal auch einseitig. Da ist es in anderen Medien leichter, einen Pressebericht veröffentlicht oder die Redakteure zu einem Termin zu bekommen. Oft ist es auch einfach die Art der Darstellung der einzelnen Parteien. Wenn wir jedoch irgendwelche aufsehenerregenden Aktionen starten müssen, nur um eine Schlagzeile zu bekommen, dann distanzieren wir uns davon."

Ralf Achilles - Fraktionsvorsitzender der SPD

Wir haben die Stellungnahmen der Kommunalpolitiker in der Reihenfolge des telefonischen Erreichens veröffentlicht.


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