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ver.di-Thesen zum Fachkräftemangel in den Kommunen



ver.di-Thesen zum Fachkräftemangel in den Kommunen


ver.di stellt Thesen zum Fachkräftemangel auf. Foto: ver.di

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Wolfsburg. ver.di kritisierte, das bei der Fachtagung zum Fachkräftemangel in der Kommunalverwaltung am vergangenen Montag und Dienstag der Blick aus der Pespektive der Beschäftigten fehle. Deshalb erarbeiteten sie ein Thesenpapier.



Die Dimension des Fachkräftemangels wird nach wie vor unterschätzt.


Schon seit vielen Jahren weist ver.di auf die dramatische Altersstruktur im öffentlichen Dienst hin. Ebenso seit vielen Jahren sind die Unterschiede zwischen der Vergütung im öffentlichen Dienst und in weiten Teilen der Privatwirtschaft ein Thema unserer Organisation. Insbesondere in der Abwägung der Attraktivität des öffentlichen Dienstes für Fachkräfte macht sich die Schere zwischen den Vergütungen bemerkbar.


Ebenfalls nicht neu ist der kommunale Trend, im Rahmen einer völlig überzogenen Sparpolitik Stellen nicht zu besetzen bzw. ganz Aufgabenbereiche zu verlagern. Anstatt um Fachkräfte zu werben, sehen diese sich eher abgeschreckt.

Hier rächen sich Fehler der vergangenen Jahre: Der Folgen des Wandels der Altersstruktur wurden unterschätzt, die Attraktivität des öffentlichen Dienstes dagegen gerne überschätzt. Jetzt wo das Problem offensichtlich wird, besteht akuter Handlungsbedarf.

Attraktivität sind nicht zu trennen von Fragen der Vergütung


Aufgrund der zunehmenden Diskrepanzen zwischen den Vergütungssystemen des öffentlichen Dienstes und weiten Teilen der Privatwirtschaft wird der öffentlichen Dienst im Vergleich immer unattraktiver. Das macht sich insbesondere dort bemerkbar, wo Industrie und solvente private Dienstleister deutlich bessere Vergütungsstrukturen, betriebliche Alterssicherungssysteme und sonstige Leistungen bieten, als sie der öffentliche Dienst kennt.


Dazu kommen häufig noch Gepflogenheiten bei der Eingruppierung der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, die die Möglichkeiten des Tarifvertrages nicht ausschöpfen beziehungsweise nach der Devise vorgehen „preiswerter ist besser“.

Bei der zweiten Variante hat es die jeweilige Kommune selber in der Hand: Will sie im Interesse ihrer zukünftigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie im Interesse ihrer bereits Beschäftigten ihre Attraktivität erhöhen, so ist sie gut beraten, tarifliche Spielräume zu nutzen.

Familienfreundlichkeit der Arbeitszeiten und die Attraktivität der Arbeitsbedingungen


Es gibt viele moderne Instrumente der Personalarbeit, die noch keineswegs in allen Kommunalverwaltungen angekommen sind und im positiven Sinne genutzt werden. Die Gestaltung der Arbeitszeit ist dabei eine zentrale.

Was hindert Kommunen beispielsweise daran, das umzusetzen, was die Bundesregierung trotz Koalitionsvertrag gerade nicht geschafft hat? Eine Regelung, die es Teilzeitbeschäftigten ermöglicht und ihnen garantiert, wieder in Vollzeit arbeiten zu können? Kreativität und Flexibilität bei der Gestaltung der Arbeitszeiten mit Blick auf Familienfreundlichkeit erleichtern es insbesondere Frauen, berufstätig zu bleiben beziehungsweise mit höheren Wochenarbeitszeiten zu arbeiten.

Ohne Migranten keine Beschäftigung mit Zukunft


Auch wenn es noch viele Menschen in Deutschland gibt, die Arbeit suchen, wird sich über diese der akute und noch weniger der absehbare Fachkräftebedarf decken lassen. Zu unterschiedlich sind häufig die gefragten Qualifikationen zu denen der arbeitslos Gemeldeten. Zu häufig gibt es gesundheitliche oder andere Einschränkungen, die eine Einstellung verhindern. Und zu häufig wohnen und leben die Menschen ohne Arbeit nicht dort, wo Personen gesucht werden. Auf Dauer wird der Fachkräftebedarf der Gemeinden ohne eine deutlich ausgeweitete Beschäftigung von Kollegen mit Migrationshintergrund nicht zu decken sein.

Der Migrantenanteil im öffentlichen Dienst ist im Vergleich mit anderen Wirtschaftssektoren noch merklich unterentwickelt. Daher lohnt es sich auch hier, gezielte Strategien zur Gewinnung zu entwickeln.

Vorhandenes Potential entdecken und nutzen


Insbesondere Frauen sind in den kommunalen Bereichen häufig teilzeitbeschäftigt. Mit Blick auf denkbare Ressourcen lohnt sich auch der Blick auf das Nächstliegende: Wer der Teilzeitbeschäftigten wäre bereit zu einer – möglicherweise befristeten – Aufstockung seiner Arbeitszeit?

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