Umbenennung des Schlossplatzes: Grüne sagen Nein!


Die Grünen stimmen gegen eine Umbenennung. Symbolbild: Nick Wenkel
Die Grünen stimmen gegen eine Umbenennung. Symbolbild: Nick Wenkel | Foto: Archiv

Braunschweig. Zur Sitzung des Bezirksrates 131 Innenstadt am morgigen Dienstag hat der BIBS-Vertreter Friedrich Walz die Umbenennung des Schlossplatzes in „Platz der Republik“ beantragt. Die Grüne Fraktion wird diesen Antrag ablehnen. In einer Pressemitteilung verdeutlicht Ratsherr und Bezirksratsmitglied Helge Böttcher die Sicht der Grünen.



„Der Antrag von Herrn Walz ist schlecht durchdacht und nicht überzeugend. Schon der erste Satz der Begründung ist historisch gesehen völlig abwegig: „Das bedeutendste Ereignis der letzten 100 Jahre war der Wechsel von der Monarchie zur Republik.“ Das halten wir für eine ziemlich gewagte These, die eine lange Kette relevanter Geschehnisse und historischer Katastrophen außer Acht lässt – insbesondere:


  • die Ablösung der Weimarer Republik durch die NS-Diktatur


  • den Zivilisationsbruch im Dritten Reich durch die NS-Vernichtungslager, in denen im Namen des deutschen Volkes millionenfacher Massenmord begangen wurde

  • den von Adolf Hitler entfesselten 2. Weltkrieg einschließlich des Vernichtungsfeldzugs der deutschen Wehrmacht insbesondere gegen die Sowjetunion


  • die militärische Zerstörung und politische Befreiung Deutschlands durch die Alliierten als Folge dieses Vernichtungsfeldzugs


  • die friedliche Revolution von 1989, die schließlich zur Wiedervereinigung von Ost und West (in Deutschland und Europa) führte.



Die Novemberrevolution war zweifelsohne ein bedeutendes Ereignis, aber sicherlich nicht „das bedeutendste Ereignis der letzten 100 Jahre“, weder in Deutschland noch in Braunschweig. Im Rahmen des aktuellen Themenjahrs „Vom Herzogtum zum Freistaat – Braunschweigs Weg in die Demokratie (1916 – 1923)“ wird auch der Aufstand der Arbeiter/innen und Soldaten gegen die herrschende Klasse Ende 1918 gewürdigt. Das finden wir absolut sinnvoll. Wir sind aber nicht der Meinung, dass dieses Themenjahr mit einer Umbenennung des Schlossplatzes einhergehen muss.

Umbenennung haben oftmals ideologischen Beigeschmack


Benennungen oder Umbenennungen von Straßen und Plätzen haben oftmals einen ideologischen Beigeschmack. In den letzten Jahren sind viele Diskussionen dieser Art geführt worden – meistens ausgelöst von der CDU. So wollte der ehemalige Oberbürgermeister Dr. Gert Hoffmann unbedingt einen „Platz der Deutschen Einheit“ (vor dem Rathaus) und die CDU-Ratsfraktion einen „Herzogin-Anna-Amalia-Platz“ (zwischen dem ECE-Center und dem Kleinen Haus). Solche Vorschläge sind u. E. ziemlich problematisch, weil sie größtenteils eine sehr einseitige Sicht auf historische Ereignisse oder Epochen transportieren.

Von solchen allzu simplen Vereinfachungen und Vereinnahmungen halten wir nichts, auch wenn diese symbolträchtigen Debatten natürlich einen gewissen Reiz haben. Die Auseinandersetzungen um das „Kaufschloss“ bzw. die Shoppingmall mit Schlossfassade am Bohlweg haben diesen Reiz allerdings mittlerweile verloren. Spaß daran haben anscheinend nur noch die BIBS und die CDU. Thorsten Köster ließ es sich jedenfalls nicht nehmen, die „Schloss-Gegner“ wegen des Antrags von Herrn Walz mal wieder kräftig zu kritisieren. Dabei verbreitete der neue Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion einmal mehr die Legende vom angeblichen Schloss-Wiederaufbau.

Wenn wir uns schon mit dem leidigen Thema Schlossplatz befassen müssen, würden wir Grünen lieber darüber diskutieren, wie wir die Aufenthaltsqualität dieser trostlosen Steinwüste verbessern können. Wie wäre es mit Begrünung statt Umbenennung?“

Bekannte historische Ereignisse auf dem Schlossplatz vor und in der NS-Zeit:


  • SA-Aufmarsch am 18. Oktober 1931

  • Bücherverbrennung am 10. Mai 1933






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