„Schwarzbuch sozial“: Ungerechtigkeiten offenlegen

14. November 2017 von
Dirk Swinke (links) und Bernhard Sackarendt vom SoVD Landesverband präsentieren das SoVD-Schwarzbuch. Foto: SoVD
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Gifhorn. Wie der Kreisverband des Sozialverband SoVD mitteilt, sind im bundesweit erscheinenden Schwarzbuch 2017 auch drei Fälle aus dem Landkreis Gifhorn beschrieben, bei denen mit Hilfe der SoVD-Fachberater des Kreisverbandes Gifhorn gegen negative Bescheide erfolgreich Einsprüche geltend gemacht werden konnten.

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Auch 2017 bringt der Sozialverband (SoVD) in Niedersachsen die Ungerechtigkeiten aus seinem Beratungsalltag ans Licht. Da drängten Krankenkassen Versicherte zur Kündigung ihres Arbeitsverhältnisses, um kein Krankengeld zahlen zu müssen, Kliniken verweigerten Behandlungen, die Deutsche Rentenversicherung (DRV) treibe junge Familien in den Ruin.

Recht haben und Recht bekommen seien zwei verschiedene Paar Schuhe; dass das vor allem für Menschen zum Problem werde, denen es nicht gut geht, ziehe sich wie ein roter Faden durch die 2017er Auflage des „Schwarzbuchs sozial“, so der SoVD

Wirtschaftliche Interessen vor Mitgliederinteressen

„Wir stellen immer häufiger fest, dass für Kranken- oder Pflegekassen nicht die Interessen der Mitglieder im Vordergrund stehen, sondern deren wirtschaftliche Interessen“, kritisiert die Leiterin der Gifhorner Sozialberatungsstelle Christine Scholz. Oft werde systematisch auf Zeit gespielt. „Im Schwarzbuch finden Sie die schlimmsten Fälle. Wir sind froh, dass wir Mitglieder gefunden haben, die ihre Geschichte veröffentlichen lassen möchten. So können wir noch deutlicher auf die Missstände hinweisen“, betont die erfahrene Sozialberaterin.

So sei der blinden 23-jährigen Jana-Alina Kornfeld aus dem Landkreis Gifhorn ein sogenanntes Daisy Player zum Vorlesen von Zeitungsartikeln, wenn sie unterwegs ist, verweigert worden. Als Begründung sei angegeben worden, dass sie bereits zu Hause ein solches Gerät hätte und nicht entsprechend selbstständig genug sei, um eines für unterwegs zu benötigen. Erst nachdem sich das Fernsehen eingeschaltet habe, sei die Bewilligung gekommen.

Oder der Fall von Joanna Helena Rummrich (39) und ihrer Familie aus Gifhorn. Sie sei laut Schwarzbuch im Frühjahr 2016 schwer erkrankt und habe für neun Wochen stationär im Klinikum aufgenommen werden müssen. Anschließend habe sie noch eine dreimonatige Reha benötigt. Um sich um seine beiden Kinder – vier und acht Jahre – zu kümmern, habe sich der Vater unbezahlt halbtags freistellen lassen. Die DRV zahlte laut SoVD für die ersten acht Wochen den Verdienstausfall des Vaters noch, danach wäre jedoch Schluss gewesen. Auch eine Übernahme des Verdienstausfalls sei abgelehnt worden. Begründung laut Schwarzbuch: „Wenn außer dem Vater keine andere Person die Betreuung der Kinder übernehmen könnte, dann könnten ja städtische Jugendhilfeeinrichtungen einspringen, damit der Vater wieder arbeiten gehen kann.“

Hohe Summen durch Widersprüche und Klagen erstritten

Dass es den Gifhornern in vielen Bereichen nicht gut gehe, machte Scholz auch anhand verschiedener Zahlen deutlich: „Viele Menschen können bestimmte Dinge nicht mehr alleine. Sie brauchen Beratung und kommen deshalb zu uns.“ Dies zeige zum Beispiel der Anstieg an Mitgliedern im Kreisverband Gifhorn. Am 31. Oktober 2017 waren es fast 7.352 Mitglieder – ein Plus von 0,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Für seine Mitglieder habe der SoVD durch Widersprüche und Klagen auch 2017 hohe Summen erstritten. Das seien mehr als 350.000 Euro an einmaligen und mehr als 137.000 Euro an laufenden Zahlungen.

Überhaupt nehme die Anzahl der Anträge und Widersprüche im Bereich des Sozialrechts konstant zu. Ende des Jahres werden die Anträge in 2017 bei 642 liegen, während es 2016 525 waren. Auch die Widersprüche stiegen von 250 in 2016 auf 252 bis zum Ende 2017.

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