Auch "Kopftuch tragende Frauen": Liebesampeln sind Ordon (FDP) zu wenig

Rudolf Ordon (FDP) lässt sich in einer Glosse über die Liebesampeln aus. Mit weiteren Motiv-Vorschlägen kritisiert er das Bemühen der Stadt um mehr Toleranz.

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Rudolf Ordon äußert sich zu Liebesampeln in Wolfenbüttel.
Rudolf Ordon äußert sich zu Liebesampeln in Wolfenbüttel. | Foto: Stadt Wolfenbüttel; regionalHeute.de/ Axel Otto

Wolfenbüttel. Die "Liebesampeln" in Wolfenbüttel erregen immer noch die Gemüter. So ließ sich nun auch FDP-Ratsmitglied und Fraktionsvorsitzender Rudolf Ordon zu einem "schmissigen" Kommentar hinreißen. In einer Glosse im Schaufenster lässt er sich über die neuen Ampeln aus, die seit Kurzem das Stadtbild zieren und Motive gleichgeschlechtlicher Liebe zeigen. Für mehr Toleranz und Weltoffenheit sollte es noch mehr Schablonen geben, witzelt er und fragt: "Fehlen nicht auch noch Schablonen mit Kopftuch tragenden Frauen"?



Tatsächlich sollten in der Stadt insgesamt 46 Ampeln mit Schablonen umgerüstet werden. Dies hatte die Verwaltung entschieden. Die Ampeln zeigen unter Verwendung neuer Streuscheiben für „Grün“ auf den für Fußgänger geltenden Ampelsignalen unterschiedliche Motive wie zwei sich an den Händen haltende Frauen mit aufgebrachten Herzen oder ein sich an den Händen haltendes männliches Paar mit einem Herzsymbol. Ein kleines Signal der Sympathie als Beitrag zur Toleranz und Weltoffenheit der Lessingstadt Wolfenbüttel, wie Bürgermeister Ivica Lukanic bei der Installation betont hatte.

Bürger Rudolf Ordon reicht das noch nicht


In seinem Kommentar nimmt Ordon bewusst die Position als Bürger ein und lässt dabei sein Amt als Ratsmitglied offensichtlich außen vor: "Als dem Zeitgeist gegenüber aufgeschlossener Wolfenbütteler Bürger frage ich mich, ob diese beiden Darstellungen ausreichen, um Toleranz und Weltoffenheit gegenüber allen in der Stadt Lessings lebenden Personen zu demonstrieren?" Damit übt er Kritik an der Auswahl der Motive aus. Er fragt sich, ob nicht noch mehr Schablonen nötig seien. Das 'übliche Familienbild' scheint ihm hier zu kurz zu kommen, er schlägt deswegen vor: "Weitere Schablonen könnten eine Frau und einen Mann mit Herz und zwei miteinander verknüpften Ringen sowie Kindern zeigen, um deutlich zu machen, dass Weltoffenheit und Toleranz auch gegenüber verheirateten Elternpaaren gilt, die schließlich die absolute Mehrheit darstellen."

Auf die Spitze getrieben


Doch damit begnügt sich Ordon nicht. Er ereifert sich mit weiteren Vorschlägen und hält auch Motive für Alleinerziehende, Singles, Gehbehinderte, Rollstuhlfahrer, Kopftuch tragende Frauen und Männer mit Kinderwagen für wichtig. Nur so könne man die Weltoffenheit und Toleranz der Stadt wirklich zeigen. Sympathie allein für Liebende gleichen Geschlechts scheint ihm zu wenig.

Weiterhin wies er darauf hin, dass die Ampeln in Wolfenbüttel wahrscheinlich gar nicht ausreichen würden, um all diese Gruppen zu repräsentieren. Er schlug eine Ampel mit wechselnden Motiven vor dem Rathaus vor, um gleichzeitig die dortigen Besucherströme zu regulieren: "Allerdings wären auch hiermit neue Kosten verbunden, die im Widerspruch zu der vielfach geforderten Nachhaltigkeit kommunalen Handelns stünden."

Mit dem Hinweis auf die Kosten endet sein Kommentar und somit auch seine verpackte Kritik an den Liebesampeln.

Hinweis: Die Kosten für die Umrüstung alle 46 Ampeln hat die Stadt Wolfenbüttel mit rund 2.000 Euro angegeben.


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