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630 neue Azubis - Doch was kommt nach der Lehrzeit



Goslar

630 neue Azubis - Doch was kommt nach der Lehrzeit


"Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“. Foto: NGG
"Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“. Foto: NGG

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Goslar. Im Landkreis können sich derzeit rund 630 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres. Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger.



Wie die NGG in einer Pressemitteilung darlegt, sei jedoch der Trend zum Job auf Zeit, also eine Befristung, eine große Hürde nach der Ausbildung.

Solche „Arbeitsplätze mit Verfallsdatum“ seien nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) vor allem in der Nahrungs- und Genussmittelbranche besonders verbreitet. Hier seien bundesweit knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sehe es bei den Neueinstellungen aus: Hier zähle die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten seien diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort seien laut IAB 35 Prozent aller Übernahmen befristet.


16 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt


Manfred Tessmann, Geschäftsführer der NGG-Region Süd-Ost-Niedersachsen-Harz, spricht von einer „Unternehmer-Unsitte“: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag“, so Tessmann. Dass Berufseinsteiger besonders betroffen seien, zeige auch die amtliche Statistik. Laut des aktuellen Mirkozensuses waren in Niedersachsen im vergangenen Jahr 16 Prozent der 20- bis 30-Jährigen befristet beschäftigt – Azubis nicht mitgerechnet. Danach hatten insgesamt 268.000 Niedersachsen lediglich einen befristeten Arbeitsvertrag – das ist immerhin jeder dreizehnte Beschäftigte.

Spezialisten gewinne man nur mit guten Löhnen



Auf Unternehmer, die darüber klagten, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, reagiere Tessmann mit einem Kopfschütteln: „Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schulabgänger woanders umsehen.“ Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, so der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

„In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“, betont Tessmann. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären nach aktuellem Stand Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen.

„Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts“, kritisiert die Gewerkschaft und fordere daher ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung. Dieses solle unabhängig von der Betriebsgröße gelten.

Berufsausbildung aufwerten


Darüber hinaus fordert die NGG eine Aufwertung der Berufsausbildung. „Es sollte auch mit dem Gesellenbrief möglich sein, an der Hochschule zu studieren“, sagt Tessmann. Bisher gibt es die Hochschulreife nur mit dem Abitur. „Viele Branchen wandeln sich mit der Digitalisierung rasant. Das bringt ganz neue Anforderungen an Fachkräfte. Ein Studium nach der Lehre kann enorm helfen, sich für die Wirtschaft 4.0 zu wappnen“, so der Gewerkschafter.


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