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AGV-Dialog: Kann man Charisma lernen?



Braunschweig | Wolfenbüttel

AGV-Dialog: Kann man Charisma lernen?

von Alexander Dontscheff


Referentin Beate Munding (li.) im Gespräch mit Elke Fasterding. Fotos: Alexander Dontscheff
Referentin Beate Munding (li.) im Gespräch mit Elke Fasterding. Fotos: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

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Wolfenbüttel. Der Arbeitgeberverband Region Braunschweig e.V. (AGV) befindet sich mit seiner Veranstaltungsreihe AGV-Dialog auf Regional-Tournee. Am heutigen Mittwoch kamen rund 500 Gäste in die Lindenhalle, um etwas über das Geheimnis erfolgreicher Kommunikation zu erfahren.



Dafür hatte Florian Bernschneider, Hauptgeschäftsführer des AGV, die Kommunikationsexpertin Beate Munding eingeladen. Beim Thema erfolgreiche Kommunikation denke man zunächst an große Persönlichkeiten aus der Politik wie Barack Obama oder der Wirtschaft wie Steve Jobs. Doch gebe es auch im persönlichen Bekanntenkreis Personen, denen es einfach leicht falle, die Zuhörer in den Bann zu ziehen. Die Frage, die sich Bernschneider stelle sei daher:Kann man Charisma und Überzeugungskraft trainieren?

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Florian Bernschneider begrüßte die Gäste. Foto: Dontscheff



"Wolfenbüttel ist wunderschön!"


Doch bevor es an die Beantwortung dieser Frage ging, hatte zunächst Bürgermeister Thomas Pink Gelegenheit, Werbung für die Stadt Wolfenbüttel zu machen. Auf Bernschneiders Frage, wie es die Stadt schaffe, solche Weltunternehmen wie Jägermeister und MKN zu beherbergen lautete seine einfache Antwort: "Weil Wolfenbüttel wunderschön ist!" Auch sonst habe man keinen Grund zu jammern. "Uns geht es gut", so Pink. Dies verdeutlichte der Bürgermeister mit der Darstellung einiger Eckdaten wie der stabilen Einwohnerentwicklung und der positiven Haushalte seit fünf Jahren. Zudem riss er die aktuellen Projekte wie die Sanierung der Fußgängerzone und des Schlossplatzes an und bilanzierte, was die Stadt in den vergangenen Jahren in Sachen Bildung und Kinderbetreuung investiert habe. Außerdem unterstrich er den hohen Freizeitwert der Stadt. Den Gästen wurde abschließend ein Imagefilm über die Lessingstadt gezeigt.

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Als Hausherr der Lindenhalle bekam Bürgermeister Thomas Pink Gelegenheit, Werbung für die Stadt Wolfenbüttel zu machen. Foto: Dontscheff


Sympathie als entscheidender Faktor



Dann war Beate Munding an der Reihe, der Frage des Abends nachzugehen. Kann man Charisma erlernen? Sie selbst habe sich die Frage erstmals gestellt, als sie in ihrer Zeit als NDR-Redakteurin Peter Ustinov zu Gasthatte und diesen eine Aura umgab, die sofort das gesamte Fernsehstudio vereinnahmte. Mittlerweile ist Munding unter anderem international als Businesscoach aktiv und weiß, dass auch in der Wirtschaft Sympathie ein entscheidender Faktor ist. Sei es, um das Unternehmen nach außen überzeugend zu vertreten, sei als Führungskraft dafür zu sorgen, dass die Mitarbeiter sich aufgefangen fühlen und Sicherheit vermittelt bekommen.

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Beate Munding verdeutlichte woraus sich Charisma zusammensetzt. Foto: Dontscheff


Präsenz, Glaubwürdigkeit, Autorität


Charisma setzt sich laut Beate Munding aus drei Elementen zusammen: Präsenz, Glaubwürdigkeit und Autorität. Anhand eines Videos von Steve Jobs verdeutlichte sie, wie dessen Auftritt bis ins kleinste Detail durchgeplant erscheint. Sei es die Körperhaltung, die Kleidung, der Sprachrhythmus, sei es Mimik und Gestik - alles ist darauf abgestimmt, eine Präsenz zu erzeugen, die die Zuhörer mitnimmt.

Überzeugen oder Manipulieren?


In Sachen Glaubwürdigkeit käme es darauf an, dynamisch aufzutreten, eine klare Vision vor Augen zu haben und den Eindruck zu vermitteln, für eine Sache von innen heraus zu brennen. Empathie spiele ebenfalls eine große Rolle. "Man muss die Zuhörer nicht nur auf einer Sachebene, sondern auch emotional berühren", so Munding. In einem kleinen Exkurs stellte sie dann den Unterschied zwischen Überzeugen und Manipulieren dar. Am Beispiel des US-Präsidenten Donald Trump zeigte sie dessen Taktiken der Manipulation auf. Diese würden darauf beruhen, Fakten in ihrer Glaubwürdigkeit zu erschüttern und stattdessen zu emotionalisieren. Der Teil des Gehirns, der für Entscheidungen zuständig ist, würde durch Suggestion kurzgeschlossen. "Glaubwürdige Menschen überlassen die Entscheidung dagegen ihrem Gegenüber", so die Expertin.

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Mit an die 500 Besuchern war die Lindenhalle gut gefüllt. Foto: Dontscheff


Hinter Charisma steckt viel Arbeit


Den dritten Aspekt des Charismas - die Autorität, müsse man sich mit der Zeit erkämpfen. Hierbei gehe es darum, regelfremd zu denken, sich unabhängig von der Meinung anderer zu zeigen und sich nicht verbiegen zu lassen. "Charismatiker sind letztlich nichts anderes als Marken", bilanzierte Munding. Letztlich könne man alle Faktoren, die Charisma ausmachen, trainieren. Allerdings spiele auch die eigene Persönlichkeit einen entscheidenen Faktor. Man solle nicht versuchen, diese zu optimieren, sondern zu entfalten. Lediglich anerzogene Verhaltensweisen solle man überdenken.

In einem abschließenden Gespräch mit Moderatorin Elke Fasterding wurden dann noch weitere Fragen wie "Hat Angela Merkel Charisma?", "Wie erkenne ich, wenn mein Gegenüber lügt?" oder "Warum kommunizieren Männer und Frauen so unterschiedlich?" thematisiert. Das Fazit des Abends war aber, dass kommunikative Skills auch in der Arbeitswelt immer wichtiger werden.


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