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Apotheker macht mobil gegen drohenden Ärztemangel in Salzgitter

Durch Aufgabe verschiedener Praxen würden viele Patienten keine ärztliche Versorgung mehr haben, sagt Apotheker Frank Siepert.

von Anke Donner


Apotheker Frank Siepert hat eine Unterschriftenaktion gestartet, um auf den Ärztemangel aufmerksam zu machen.
Apotheker Frank Siepert hat eine Unterschriftenaktion gestartet, um auf den Ärztemangel aufmerksam zu machen. Foto: Rudolf Karliczek

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04.11.2020

Salzgitter. Eine besorgte Leserin wandte sich nun an die Redaktion von regionalHeute.de, um auf den ihrer Meinung nach drohenden Ärztemangel in der Stadt und eine Unterschriften-Aktion zu diesem Thema aufmerksam zu machen. Wie unser Redakteur vor Ort feststellte, macht ein Apotheker wirklich mobil gegen den Ärztemangel.



Apotheker Frank Siepert, der in Salzgitter und Wolfenbüttel mehrere Apotheken betreibt, erklärt das Problem, das seiner Auffassung nach bestehe und warum er mit einer Unterschriften-Aktion für Aufmerksamkeit sorgen will. Viele besorgte Kunden und Patienten seien in den vergangenen Wochen verzweifelt auf ihn zugekommen und hätten beklagt, dass Ärzte ihre Praxen ersatzlos schließen würden. Unter anderem ein Kinderarzt und eine Praxis für Allgemeinmedizin. "Die Versorgung hier vor Ort wird immer dramatischer und deshalb haben wir jetzt gesagt, dass wir etwas tun müssen", so Frank Siepert. Mit der Unterschriftensammlung wolle man dem Oberbürgermeister und auch der Kassenärztlichen Vereinigung klar machen, wie verzweifelt man sei.

Viviane Wünsche, PTA in der Apotheke von Frank Siepert, hat hautnah miterlebt, wie besorgt die Kunden sind und wurde mehr als einmal auf die Situation angesprochen. "Es gibt viele Patienten, die betroffen sind und bei der Aktion mitmachen. Rund 80 Prozent derer, die mitmachen, sind davon betroffen, dass sie zukünftig keinen Hausarzt mehr haben werden", so Viviane Wünsche. Allein in Salzgitter werde es bald so sein, dass ein Kinderarzt schließt und vier weitere Allgemeinmediziner ihre Praxis aufgeben. "Das hat dazu geführt, dass es viele Patienten gibt, die keinen Arzt mehr haben, weil sie nirgends untergekommen sind. Viele Ärzte sind an den Grenzen ihrer Kapazität und können keine Patienten mehr aufnehmen. Oder zumindest nur die schweren Fälle - die kommen unter. Aber alle anderen, die auch eine regelmäßige Versorgung brauchen, haben keinen Arzt mehr vor Ort. Und nicht alle sind in der Lage und so mobil, dass sie noch weit fahren können. Die Leute können mitunter nicht bis Braunschweig, Wolfenbüttel oder Seesen fahren", schildert Viviane Wünsche die Situation.

Viele Patienten nicht mehr ärztlich versorgt


Der Grund, dass es nun zu einer Ärzteknappheit in Salzgitter komme, sei laut Viviane Wünsche der Umstand, dass viele Ärzte gleichzeitig ihren Ruhestand angehen. "Ich denke, das wird auch in den nächsten Jahren so weitergehen. Und dann wird es wirklich richtig knapp, es ist jetzt schon hart an der Grenze", sagt sie und betont, dass es dabei sowohl um die Hausärzte, als auch um die Fachärzte gehe.

"Ich kann mir auch gut vorstellen, dass auch die Coronasituation - die es für die Ärzte ja nicht einfach macht, mit dazu beiträgt, dass einige, überalterte Ärzte sagen, sie schließen ihre Praxis. Einfach, weil es ihnen einfach zu viel und zu stressig ist. Das kann ja durchaus ein Anstoß sein, dass sie sagen, das wird alles zu kompliziert", mutmaßt Frank Siepert.

Mit der Aktion möchte man erreichen, dass die Praxen neu belegt werden. Zudem erhoffe man sich, dass die Stadt und auch die Kassenärztliche Vereinigung aufmerksam werden. Inzwischen sei die Resonanz auf die Unterschriftenaktion sehr groß und Menschen aus dem gesamten Umkreis haben ihre Unterschrift hinterlassen - rund 400 Unterschriften sind es bisher. Noch bis Ende November soll die Aktion laufen, dann will sich Frank Siepert mit den Ergebnissen an den Oberbürgermeister und die Kassenärztliche Vereinigung wenden.


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