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Arbeitgeberverband: Neuer Hauptgeschäftsführer im Interview



Braunschweig

Arbeitgeberverband: Neuer Hauptgeschäftsführer im Interview

von Robert Braumann


Mehr als 1000 Mitglieder hat der Arbeitgeberverband Region Braunschweig – regionalHeute.de hat den neuen Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider getroffen. Fotos: Robert Braumann
Mehr als 1000 Mitglieder hat der Arbeitgeberverband Region Braunschweig – regionalHeute.de hat den neuen Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider getroffen. Fotos: Robert Braumann

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Braunschweig. Mehr als 1000 Mitglieder hat der Arbeitgeberverband Region Braunschweig – regionalHeute.de hat den neuen Hauptgeschäftsführer Florian Bernschneider getroffen. Er hat die Nachfolge von Manfred Casper angetreten, der Mitte August altersbedingt ausgeschieden war. Im Interview berichtet er von kommenden Herausforderungen, Aufgaben des Arbeitgeberverbandes und davon, wie Mittelständische Unternehmen und Startups voneinander profitieren können. 

regionalHeute.de: Herr Bernschneider - was macht der Arbeiterverband eigentlich, was bietet er seinen Mitgliedern? 


Unser Leistungsspektrum hat drei Säulen: Mit unseren vier Rechtsanwälten beraten und vertreten wir unsere Mitgliedsunternehmen in allen arbeits- und sozialrechtlichen Fragestellungen – im Beratungsgespräch, aber im Ernstfall auch vor dem Arbeitsgericht. Daneben haben wir eine Beratung im Bereich Personalmanagement. Gerade kleinere Unternehmen haben nicht immer eine eigene Personalabteilung. Unser Anspruch ist es hier, Impulse und Hilfestellungen in der Personalentwicklung für unsere Mitgliedsbetriebe zu liefern. Hierzu zählt auch die aktuelle Fragestellung der Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Unsere dritte starke Säule ist das Vernetzen, Informieren und Vertreten. Mit vielen spannenden Veranstaltungen –großen und kleinen-  wollen wir unseren Mitgliedern die Möglichkeit geben, über den Tellerrand ihres Tagesgeschäfts hinauszuschauen. Gleichzeitig bieten unsere Veranstaltungen immer wieder neue Netzwerkchancen. Und nicht zuletzt versuchen wir so auch Themen in der Region zu setzen – als Stimme der Arbeitgeber in der Region. Darauf zählen unsere mehr als 1000 Mitgliedsbetriebe – vom kleinen Ingenieurbüro, über den mittelständischen Maschinenbauer bis zum großen Versicherungsunternehmen.

regionalHeute.de: Der Arbeitgeberverband tritt auch als Gesellschafter in Erscheinung, zum Beispiel beim Haus der Wissenschaft oder bei der Allianz für die Region. Was ist dabei der Hintergrund? 


Auch hier vernetzen und vertreten wir unsere Mitglieder und ihre Interessen. Die Allianz für die Region zum Beispiel hat sich auch auf die Fahnen geschrieben, die Region nach Innen und Außen zu vermarkten. Sie geht also in die Welt, um Fachkräfte für die Region zu gewinnen. Dann sind wir auch Gesellschafter, um daran zu erinnern, dass es ganz viele tolle Unternehmen in der Region gibt und nicht nur ein paar einzelne Big-Player. Also auch hier sind wir Stimme des Mittelstands und der wirtschaftlichen Vielfalt unserer Region.


Das Haus der Wissenschaft Foto: Thorsten Raedlein/Archiv



regionalHeute.de: Und das Haus der Wissenschaft?

Nächstes Jahr jährt sich die Auszeichnung Braunschweigs als Stadt der Wissenschaft zum zehnten Mal. In den vergangenen Jahren sind bereits enge Verbindungen zwischen Universität und Wirtschaft entstanden. Gerade im Bereich des Mittelstandes gibt es aber noch Vernetzungspotenzial zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Mit Veranstaltung im Haus der Wissenschaft versuchen wir auch immer wieder, neue Kontakte entstehen zu lassen.

regionalHeute.de: Ein Beispiel für erfolgreiche Vernetzung ist sicher auch die überbetriebliche Kita Kinderwerk, oder? 

Auch hier zeigt sich ein wenig die Mittelstandsbrille, die wir immer wieder aufsetzen. Auch diese Unternehmen sind im Wettbewerb um Fachkräfte. Einzeln konnte man sich aber keine Einrichtung leisten. Daraus entstand die Idee, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Wir hatten damals das Glück, dass die BMA Räumlichkeiten zur Verfügung stellen konnte und die Förderbedingungen waren günstig. Heute ist die Einrichtung super ausgelastet und hat eine herausragende Qualität. Eigentlich wäre es an der Zeit, noch einmal so ein Projekt zu starten. Leider sind die Förderbedingungen nicht mehr ganz so günstig. Aber es zeigt den roten Faden, dass wir immer versuchen, zu vernetzen, um gemeinsam noch stärker zu sein.



regionalHeute.de: Stichwort Vernetzung. Wie verhält es sich mit der Kooperationsinitiative Maschinenbau e.V (Kim)?

Es ist so eine Art kleiner Schwesterverband, der schon eigenständig ist, aber sehr nah beim AGV angeschlossen ist und sich eben einer bestimmten Branche, dem Maschinenbau widmet. Hier ist der Kooperationsgedanke schon sehr gut umgesetzt. Verschiedene Unternehmen werden zusammen gebracht, um gemeinsam stärker zu sein. Sie kaufen gemeinsame ein, unterstützen sich bei Personalengpässen, kooperieren bei Themen wie Arbeitssicherheit oder organisieren gemeinsame Seminare für ihre Mitarbeiter. Ein weiteres Beispiel für so etwas ist die i3systems, ein Zusammenschluss von 17 mittelständischen IT-Unternehmen der Region Braunschweig/Wolfsburg auf Basis eines Kooperationsvertrages. Es gibt viele Unternehmen, die vor gleichen Herausforderungen stehen. Der Gedanke ist, wir kooperieren gemeinsam, um unsere Stärken zu bündeln. Es gibt Themen, die beschäftigen alle und da kann man sich trotz Konkurrenz gegenseitig stärken.

regionalHeute.de: Wer kann Mitglied im Arbeitgeberverband werden? 

Es reicht eine Person aus, die unternehmerische tätig ist, ob nun freiberuflich oder in der Form GmbH oder als Einzelunternehmer. Und genau so setzt sich auch unsere Mitgliederstruktur zusammen: Vom Einzelunternehmer bis zum globalen Big-Player.

regionalHeute.de: Was kostet die Mitgliedschaft? 

Der jährliche Beitrag ist nach Größe bzw. der Mitarbeiterzahl gestaffelt. Sie zahlen 475 Euro Grundbeitrag, wenn sie ihren Unternehmenssitz in Braunschweig haben. Dann kommt pro Mitarbeiter ein Jahresbeitragetrag zwischen 4 und 8,85 Euro hinzu. Bei einem Unternehmen mit zehn Mitarbeitern und einem Sitz in Braunschweig liegt die jährliche Summe bei rund 550 Euro.

regionalHeute.de: Herr Bernschneider, Sie sind nun seit Anfang des Jahres hier, haben bis zu letzten Woche noch eng mit Manfred Casper zusammengearbeitet. Wie fällt das erste Fazit aus? 

Ich hatte mit Herrn Casper jetzt fast acht Monate Überschneidung und viele haben im Vorfeld gesagt, das ist zu lang.  Ich kann sagen, das Gegenteil war der Fall. Mir hat es sehr geholfen, in die Themen zu kommen. Jetzt ist der Ernst eingetreten (lacht), ich bin alleine im Haus, Herr Casper ist vergangene Woche gegangen. Aber ich bin gut angekommen und wir haben erste Projekte gestartet. Ich blicke positiv nach vorn.

regionalHeute.de: Was sind die großen Herausforderungen für die Zukunft? 

Ich habe eine klare Aufgabenstellung vom Vorstand: Mach den Verband moderner in der Struktur, in den Themen und überprüfe, ob das Dienstleistungsportofolio tragfähig für die nächsten 20 Jahre ist. Da beschäftigen wir uns viel mit dem Thema Digitalisierung. Wie können wir noch moderner und dienstleistungsfreudiger für seine Mitglieder werden? Dazu kommt die Aufgabe, den Verband zu verjüngen. Wir haben noch kein Problem in diesem Bereich, aber es fällt schon auf, dass auf unseren Veranstaltungen nicht sehr viele 20 bis 25-jährige Unternehmer sind. In diesem Bereich können wir noch aufholen und gerade für Startups eine Plattform sein.

regionalHeute.de: Wie ist der Kontakt zur Startup-Szene aktuell? 

Wir sind schon viel im Austausch mit der Startup-Szene und starten jetzt auch einzelne Versuchsballons, um Mittelstand und Startups zusammenzubringen. Nicht in großen Veranstaltungen sondern ganz direkt. Wer könnte zueinander passen, so dass beide Seiten profitieren? Häufig genug haben Startups das Problem, dass sie erst teure Maschinen anschaffen müssten, um in die Produktion zu gehen, die der Mittelstand vielleicht bieten kann. Viele junge Unternehmer brauchen zudem nicht nur Geld, sondern eben auch Erfahrung und Know-How. Die mittelständischen Unternehmen sind auf der anderen Seite manchmal etwas träge in der Forschung und Entwicklung geworden. Da kann ein Startup schnell mal Impulse bringen.


Der Kontakt zur Startup Szene sol weiterl wachsen Foto: Robert Braumann



regionalHeute.de: Ist das nicht schwierig, diese beiden Parteien an einen Tisch zu bekommen? 

Bei Startups haben sie natürlich manchmal die Vorstellung, dass man nun den großen Wurf landet und das eigene Unternehmen in drei Jahren so wertvoll wie Facebook ist oder ähnliches. Mit den langen Linien in denen viele Mittelständler denken, können manche Startups wenig anfangen. Auf der anderen Seite sitzt dann der Mittelstand und sagt: „Wir sind ein Familienunternehmen in dritter Generation mit mehr als 100 Mitarbeitern, übernimm du erst einmal Verantwortung für zehn Mitarbeiter.“ Da können wir eine gute Brücke sein, auch um das ein bisschen auszugleichen und Verständnis für die verschiedenen Seiten zu schaffen. Eine unserer Kernkompetenzen ausspielen – Vernetzungen fördern und schaffen.

Florian Bernschneider zieht eine erste Bilanz und blickt in die Zukunft:

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