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Asse-Notfallplanung: Verfüllung der "Reichelt-Sümpfe" hat begonnen

Die „Reichelt-Sümpfe“ werden in 750 Meter Tiefe verfüllt. Die Verfüllung ist Teil der Notfallplanung, also der bestmöglichen Schadensvorsorge für den Fall, dass der Lösungszutritt in der Schachtanlage eines Tages nicht mehr beherrschbar sein sollte.

Symbolbild.
Symbolbild. Foto: Rudolf Karliczek

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30.06.2020

Remlingen. Am heutigen Dienstag hat die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) damit begonnen, die sogenannten "Reichelt-Sümpfe" der Schachtanlage Asse II in Remlingen zu verfüllen. Die "Reichelt-Sümpfe" liegen im Nordwesten der Schachtanlage auf der 750-Meter-Ebene. Seit Jahrzehnten wird hier Wasser in Form von Salzlösungen aufgefangen, zuletzt waren dies rund 140 Liter pro Tag. Die "Reichelt-Sümpfe" sind mehr als 350 Meter von den Einlagerungskammern mit radioaktiven Abfällen entfernt. Die sich hier sammelnden Lösungen hatten keinen Kontakt zu den Abfällen. Die Verfüllung ist Teil der Notfallplanung, also der bestmöglichen Schadensvorsorge für den Fall, dass der Lösungszutritt in der Schachtanlage eines Tages nicht mehr beherrschbar sein sollte. Dies teilt die BGE in einer Pressemitteilung mit.


Da dieser "worst case " trotz aller Maßnahmen nicht sicher ausgeschlossen werden könne, setze die BGE alle Maßnahmen zur Notfallplanung so früh wie möglich um. Dies entspreche auch den Forderungen aus der Region, parallel zur Rückholung der Abfälle die Notfallplanung ebenso konsequent voranzutreiben. Die BGE weist darauf hin, dass die gesetzlich vorgegebene Rückholung von den Baumaßnahmen nicht beeinflusst werde. Ganz im Gegenteil gehe die Rückholungsplanung bereits von einer Verfüllung der "Reichelt-Sümpfe" aus.

Um die "Reichelt-Sümpfe" nachhaltig zu stabilisieren, müsse der Bereich mit einem Spezialbeton (Sorelbeton) verfüllt werden. Das zu verfüllende Volumen betrage rund 1.150 Kubikmeter. Die BGE habe hierüber regelmäßig informiert, unter anderem in den jährlich stattfindenden Gebirgsbeobachtungsgesprächen. Das Vorgehen wäre ebenfalls mit den Experten der Asse-2-Begleitgruppe diskutiert worden.

Vor der Verfüllung habe zunächst sogenanntes "Fremdmaterial" aus dem Bereich entfernt werden, Altbohrungen verfüllt und der Bereich mit einer 80 Zentimeter dicken Schalungswand verschlossen werden müssen. Die Verfüllung selbst erfolge über drei Bohrungen, die jeweils die höchsten Punkte des Bereichs erreichen. Der benötigte Baustoff werde in unmittelbarer Nähe durch eine Baustoffanlage unter Tage hergestellt. Die Verfüllung werde voraussichtlich innerhalb von zwei Wochen abgeschlossen werden. Die Lösungen würden in den Reichelt-Sümpfen bislang offen zutreten und werden aufgefangen. Mit Hilfe von Bohrungen könnten die Lösungen auch nach der Verfüllung weiter abgepumpt werden. Die Entwicklung des Lösungszutritts könne zukünftig mit Hilfe spezieller Bohrungen (Monitoringbohrungen) beobachtet werden. Die Bohrungen werden von der 700-Meter-Ebene aus erstellt und könnten daher langfristig genutzt werden.

Abbau von Kalisalzen



Die Reichelt-Sümpfe seien ein Bereich auf der 750-Meter-Ebene im Nordwesten der Schachtanlage Asse II, in deren Nähe Anfang des 20. Jahrhunderts Kalisalze abgebaut wurden. Der Begriff "Sumpf " meint in der Bergwerkssprache einen gegenüber dem umgebenden Niveau tieferen Bereich. In diesem können sich Lösungen sammeln. Die Lösungen könnten aufgefangen und entfernt, bergmännisch "gesümpft", werden. Im Gegensatz dazu werde in der Alltagssprache unter einem Sumpf meist ein Moor oder Morast verstanden. Eine solcher Vergleich sei für die tatsächliche Situation im Bergwerk allerdings unzutreffend.

Die BGE sei eine bundeseigene Gesellschaft im Geschäftsbereich des Bundesumweltministeriums. Die BGE habe am 25. April 2017 die Verantwortung als Betreiber der Schachtanlage Asse II sowie der Endlager Konrad und Morsleben vom Bundesamt für Strahlenschutz übernommen. Zu den weiteren Aufgaben zähle die Suche nach einem Endlagerstandort zur Entsorgung der in Deutschland verursachten hochradioaktiven Abfälle auf der Grundlage des im Mai 2017 in Kraft getretenen Standortauswahlgesetzes. Geschäftsführer sind Stefan Studt (Vorsitzender), Steffen Kanitz (stellv. Vorsitzender), Beate Kallenbach-Herbert (kaufmännische Geschäftsführerin) und Dr. Thomas Lautsch (technischer Geschäftsführer).






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