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Auch mit Beeinträchtigung losgerockt


Timo Larf im Studio. Foto: Frank Rogalski
Timo Larf im Studio. Foto: Frank Rogalski

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30.10.2016

Braunschweig. Freitagabend, kurz nach Neun. Normalerweise träumt Timo Larf zu dieser Zeit schon. Nur dass dies kein gewöhnlicher Freitag war. Im Gegenteil: An jenem ganz und gar nicht gewöhnlichen Abend ging für den 19-jährigen ein Traum in Erfüllung.



Timo hört gerne Musik. „Es gibt kaum ein Lied in den Hitparaden, wo er nicht schon nach wenigen Sekunden Titel und Interpret nennen kann“, verrät seine Mutter Simone. „Keine Ahnung, wie der Junge das macht“, wundert sich Vater Wolfgang immer wieder. Kein Wunder, dass Timos größter Wunsch lautete, einmal dorthin zu gehen, wo die Musik her kommt: in ein Radio-Studio.

Seit seiner Kindheit auf den Rollstuhl angewiesen, ist das mit dem Gehen so eine Sache. Doch um einen Traum lebendig werden zu lassen, geht vieles. Eine Treppe im Studio? Kein Hindernis. Timo und seine Eltern haben schon ganz andere Hürden gemeistert. Kindertagesstätte, Schule, Praktika und vor kurzem der Berufseinstieg bei der Lebenshilfe – es gab viel zu organisieren in Timos Leben. Der braucht oft Unterstützung: beim Essen, beim Waschen, bei den alltäglichen Dingen des Lebens. Heute kann die Familie nichts mehr aus der Ruhe bringen, und niemand kann Timo seine Lebensfreude und seine ansteckende Fröhlichkeit nehmen.


Timo Larf und Mustafa-Belkodja. Foto: Frank Rogalski


"Wer im Radio ist, der hat es geschafft"


Der zeigt sich überzeugt: „Wer im Radio ist, der hat es geschafft.“ Freitag war es schließlich so weit, ein Besuch bei Radio Okerwelle gemeinsam mit seinen Freunden und Kollegen Mustafa Belkodja und Jannick Preiss stand auf dem Programm. Wenn die drei im Alltag am späten Abend eigentlich auch schon die Augen zu haben, waren sie nun hellwach. Durch ein Fenster schauten sie den Machern der Sendung „Bandstory“ bei der Arbeit zu. Moderator Bernd Schäfer erklärte zuvor, wie die vielen Regler funktionieren, machte eine Art Soundcheck auf dem Kopfhörer mit ihm und erzählte die Geschichte des Senders.

Co-Moderator Martin Wiegand hatte den britischen Sänger und Gitarristen Frankie Miller ausgewählt. Das traf den Geschmack der Gäste gut. „Ich kannte einige Stücke“, freute sich Mustafa Belkodja. Beim Erraten der Songtitel aus den 80er mussten die Teens allerdings meistens passen. Gefallen hat ihnen die Mischung aus Soul, Blues und Rock dennoch. Es wurde gerockt, was Timos „Rolli“ hergab. Der hält ihn nämlich nicht davon ab, sein Leben so normal wie möglich zu meistern – und nicht nur davon zu träumen. Zurzeit absolviert er eine Ausbildung im Berufsbildungsbereich der Lebenshilfe. Demnächst wird die Werkstatt gewechselt, um noch weitere Arbeiten kennen zu lernen.

Plötzlich am Mikro


Timo freut sich auf alle Arbeiten, will im Dienst seinen Mann stehen, steht früh auf dafür. Die Werkstatt ist dort, wo die Musik für ihn spielt: die Vielfalt der Tätigkeiten, der Kontakt mit den Kollegen und Ausbildern. Musik hilft ihm dabei, seinen Rhythmus zu finden. Dieser geriet am Ende des langen Freitags für die drei Studiogäste dann doch noch ein wenig durcheinander. Als das rote Licht für die Sendung ein letztes Mal leuchtete, tauschte Gunter Reinpacher, ebenfalls Moderator der Sendung, kurzerhand seinen Arbeitsplatz mit Timo. Und so wurde ein aufregender Abend noch einmal so richtig rund. Ein Abend, vom dem Timo noch so manche Nacht träumen dürfte.


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