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Auf Streife - Jugendschutzkontrolle auf dem Schützenfest

von Anke Donner


Am vorletzten Tag des Goslarer Schützenfestes fand eine von zwei Jugendschutzkontrollen der Polizei Goslar statt. RegionalHeute.de hat die beiden Polizeibeamten Markus Conrad und Patrick Krafczyk bei der Kontrolle begleitet. Fotos: Anke Donner
Am vorletzten Tag des Goslarer Schützenfestes fand eine von zwei Jugendschutzkontrollen der Polizei Goslar statt. RegionalHeute.de hat die beiden Polizeibeamten Markus Conrad und Patrick Krafczyk bei der Kontrolle begleitet. Fotos: Anke Donner Foto: Anke Donner

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10.07.2016


Goslar. Am vorletzten Tag des Goslarer Schützenfestes fand eine von zwei Jugendschutzkontrollen der Polizei Goslar statt. RegionalHeute.de hat die beiden Polizeibeamten Markus Conrad und Patrick Krafczyk bei der Kontrolle begleitet.

Und die Kontrolle bestätigt das, was Stephani Gobernak vom Präventionsteam der Polizei Goslar schon vor einigen Wochen kommunizierte: Die Zahl der Jugendlichen, die Alkohol konsumieren und im Zuge dessen straffällig werden, ist rückläufig (regionalHeute.de berichtete). Bis dahin, so erklärt Polizeioberkommissar Markus Conrad, war es ein langer und mühsamer Weg. Denn so ruhig wie in den vergangenen Jahren war es nicht immer in Goslar. Vor einigen Jahren noch stand die Goslarer Polizei vor einem echten Problem, was Jugendliche in Verbindung mit Alkohol und Kriminalität angeht. Insgesamt sechs Schwerpunkte gab es im Jahr 2008, an denen die Polizei regelmäßig Jugendschutzkontrollen durchführte. Erst durch ein von Markus Conrad erarbeitetes Konzept entspannte sich die Lage. Heute ist es nur noch ein Ort im Stadtgebiet, der in den Fokus der Polizei rückt. Und Großveranstaltungen wie das Schützenfest. Die Maßnahmen fruchten und die Polizeipräsenz zeigt Wirkung. „Ich denke, mit dem jetzigen Stand sind wir hier in Goslar auf einem guten Weg“, so Conrad, der sich sehr wohl bewusst ist, dass sich jede Nachlässigkeit sofort rächen kann. Deshalb will und muss man in Goslar auf diesem Gebiet dran bleiben.

Vertrauen ist gut, Kontrolle besser



Alles in Ordnung. Die Jugendlichen konnten sich ausweisen und haben nicht gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen. Foto: Anke Donner



Alles in Ordnung. Die Jugendlichen konnten sich ausweisen und haben nicht gegen das Jugendschutzgesetz verstoßen.
Auch auf dem Goslarer Schützenfest scheinen sich die Jugendlichen der Anwesenheit der Polizei sehr bewusst zu sein. Bei den durchgeführten Kontrollen, die übrigens nicht zwangsläufig auf dem Platz, sondern vielmehr an den angrenzenden Wallanlagen stattfinden, gibt es kaum noch junge Menschen, die sich dem Alkohol mehr als erlaubt zu neigen. Ausreißer gibt es dennoch. Auch das zeigte die Kontrolle am Samstagabend. Zu fortgeschrittener Stunde zogen Markus Conrad und Einsatzleiter Patrick Krafczyk ihre Runde über den Platz. Schon auf dem Weg dorthin fallen vereinzelt Jugendliche auf, die in den Fokus der Beamten rücken. Die Ausweise, sofern vorhanden und mitgeführt, zeigen die Jugendlichen bereits nach der ersten Aufforderung. Ohne murren, aber oft mit klopfenden Herzen. Es ist alles in Ordnung und die Aufregung bei den Kontrollierten aus Quedlinburg legt sich rasch wieder. So eine Kontrolle durch die Polizei flösst eben doch Respekt ein. Ob nun mit oder ohne Alkohol und ob Volljährig, oder nicht. Manchmal zeigen sie sich erbost über die Frage der Beamten, ob sie denn schon 18 seien. Heutzutage sei es auch für das geschulte Auge der Polizisten nicht leicht, auf den ersten Blick einzuschätzen, welches Alter die jungen Menschen haben. Das verrät dann erst der Blick in die Personalien.

Autoritär, aber respektvoll



Eine Gruppe Männer wird in den Wallanlagen kontrolliert. Auch hier ist alles O.K. Foto: Anke Donner



Eine Gruppe Männer wird in den Wallanlagen kontrolliert. Auch hier ist alles in Ordnung.
Nur wenige Meter weiter sitzt eine Gruppe ausländischer Männer auf dem Rasen. Etwas verborgen hinter einem Busch. Auch hier schauen Conrad und Krafczyk genauer hin. „Nicht, weil es sich um Ausländer handelt, sondern vielmehr, weil der Platz ungewöhnlich ist“, erklärt Conrad. Die vier Männer werden kontrolliert, verständigt wird sich auf Englisch und Deutsch. Die Papiere der Flüchtlinge aus Goslar und Clausthal-Zellerfeld sind in Ordnung. Die Beamten weisen die Gruppe daraufhin, dass sie den Platz sauber zu verlassen haben, kündigen eine weitere Kontrolle an und verabschieden sich. Der Ton der Beamten ist freundlich, aber bestimmt. "Egal wen wir kontrollieren, wir behandeln die Menschen immer mit Respekt. Denn wie man in den Wald hinein ruft...", erklärt Conrad. Nur autoritär ist der Ton immer.

Bier ja, aber dann ist Schluss



Polizeioberkommissar Markus Conrad unterzieht einen der Jugendlichen einen Alkoholtest. Foto: Anke Donner



Eine Gruppe junger Männer erregt die Aufmerksamkeit der beiden Beamten. Sie stehen am Wegesrand mit einem Mixgetränk in der Hand und läuten offenbar das Wochenende ein. Zwei von ihnen sind unter 18 Jahren und dürfen laut Jugendschutzgesetz nur Bier konsumieren. Das, was sie in der Hand halten, fällt nicht mehr unter die Soft-Alkohol-Getränke. „Bier, gemischt mit Branntwein, so wie hier mit Tequila, darf erst ab 18 Jahren konsumiert werden“, erklärt Patrick Krafczyk. Einer der jungen Männer muss pusten. Der Alkomat zeigt einen Wert von 0,44 Promille. Die Jungs haben also ein Problem. Markus Conrad spricht ermahnende Wort aus und untersagt den Jugendlichen den weiteren Konsum der Getränke. Mehr kann und darf er zum jetzigen Zeitpunkt nicht machen. Denn der Konsum von hochprozentigem Alkohol bei Jugendlichen wird nicht strafrechtlich verfolg. Hier kommt es zu Ordnungsmaßnahmen, wie es die Polizei nennt. Die Jugendlichen werden auf ihr Fehlverhalten hingewiesen, der weitere Konsum untersagt und die Personalien festgestellt. Noch einmal sollten sie sich aber nicht von den beiden Beamten erwischen lassen. Dann würde es für die Jungs auf Wache gehen, wo man sie den Eltern übergeben würde. Das wiederum ist mit Kosten verbunden, die den Jugendlichen, beziehungsweise deren Eltern auferlegt werden. Das zeigt oftmals mehr Wirkung, als jede Strafverfolgung. Die jungen Männer zeigten sich jedoch einsichtig und gelobten Besserung. Eine andere Frage stellte sich jedoch gleich unmittelbar: Wie sind die Jugendlichen an die hochprozentigen Spirituosen gekommen?

Verkäuferin verstößt gegen das Jugendschutzgesetz


Ein noch größeres Problem hat nun also die Verkäuferin des Supermarkts, die die Getränke an die Minderjährigen verkauft hat. Auf sie wartet ein Ordnungswidrigkeitenverfahren, das ein hohes Bußgeld nach sich ziehen kann. Ganz zu schweigen vom Ärger mit dem Chef und der Post des Gewerbeaufsichtsamtes. „Dem gehen wir aber heute nicht mehr nach. Das wird im Anschluss geklärt. Die Jugendlichen haben alle Angaben gemacht, die wir brauchen, um die Sache weiterzuverfolgen. In diesem Fall werden sie nun zu Zeugen“, erklärt Markus Conrad.

Auf dem Platz ist alles ruhig



Patrick Krafczyk und Markus Conrad überprüfen die Ausweise. Foto: Anke Donner



Im Getummel des Festplatzes den Überblick behalten, heißt die Devise. Conrad und Krafczyk drehen ihre Runde und lassen den Blick über die Menschenmassen gleiten. Alles ruhig. Hier und da fallen kleine Gruppen auf, bei denen der Anblick der blauen Uniform eine Art „Fluchtreflex“ auslöst. Das lässt die Beamten aufmerksam werden. Auch hier stellt sich meist heraus, dass die Jugendlichen nichts zu verbergen haben, sondern schlichtweg nicht erpicht auf eine Kontrolle sind, oder allein die Anwesenheit der Polizei sie in Deckung gehen lässt. Ein Phänomen, das Conrad nur zu gut kennt. Die Blicke der Besucher richten sich automatisch auf die Beamten. Präsenz allein zeigt also Wirkung. Und damit lässt sich auch das Ergebnis der Kontrolle erklären. „Die Besucher, insbesondere die Jugendlichen, wissen um die Anwesenheit der Polizei und der Sicherheitskräfte. Allein das sorgt schon dafür, dass wir immer weniger Jugendliche haben, die Alkohol trinken und dann auffällig werden", so Conrad.

Wer nicht spurt, fliegt


Der Anschein, alles wäre in bester Ordnung auf dem Schützenfest, soll nicht erweckt werden. Situationen, in denen es zu verbalen und körperlichen Streitigkeiten kommt, gibt es immer wieder. Überall dort, wo viele Menschen aufeinandertreffen und Alkohol im Spiel ist, herrscht ein gewisses Eskalations-Potential. Auch in diesem Jahr (regionalHeute.de berichtete). Doch wer den Anweisungen der Polizei und des Sicherheitspersonals nicht Folge leistet, fliegt vom Platz. Platzverweise und Hausverbote aufgrund exzessiven Alkoholgenusses wurden auch in diesem Jahr ausgesprochen. Nur war die Zahl derer, die unter 18 Jahren waren, gering.


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