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Aufruhr in Oderwald - Betroffene fielen Testpanne in Bayern zum Opfer



Wolfenbüttel

Aufruhr in Oderwald - Betroffene fielen Testpanne in Bayern zum Opfer

Einigen Mitgliedern der Kroatien-Reisegruppe sei ein freiwilliger Test in Bayern verwehrt worden. Andere warteten lange auf ihr Ergebnis: "Wäre das Testergebnis früher gekommen, hätte das vermieden werden können", so ein Betroffener.

von Marvin König


Die schwerwiegende Panne bei den Corona-Testungen in Bayern hatte offenbar auch in Wolfenbüttel ihre Auswirkungen. (Symbolbild)
Die schwerwiegende Panne bei den Corona-Testungen in Bayern hatte offenbar auch in Wolfenbüttel ihre Auswirkungen. (Symbolbild) Foto: Rudolf Karliczek

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Wolfenbüttel. Nach der Berichterstattung von regionalHeute.de zur Corona-Situation innerhalb einer Gruppe Reiserückkehrer aus Kroatien mehren sich die Hinweise, dass die Betroffenen der schwerwiegenden Corona-Test-Panne in Bayern zum Opfer fielen. Auch der Landkreis Wolfenbüttel stellt angesichts der Gerüchte und Kommentare in den sozialen Medien klar: "Die Reiserückkehrer haben sich richtig verhalten, indem sie sich freiwillig getestet haben. Sie haben dadurch weitaus schlimmere Entwicklungen verhindert."



"Sieben von uns haben sich freiwillig an der Autobahnraststätte Donautal Ost im Landkreis Passau testen lassen", berichtet einer der Betroffenen gegenüber regionalHeute.de. "Die anderen drei waren vier Stunden vor uns an der Raststätte und wurden aufgrund des überfüllten Parkplatzes von der Polizei weiter geschickt. Daraufhin ließen sie sich direkt am nächsten Tag ebenfalls auf das Virus testen." Die Ergebnisse hätten die an der Raststätte getesteten erst nach fünf Tagen erhalten. Bei weiteren vier Personen dauerte der Erhalt des Testergebnisses über eine Woche. Eine Person habe noch immer nichts aus Bayern gehört.

Lesen Sie auch: Aufruhr in Oderwald - Etwa 90 Tests im Umfeld von infizierten Reiserückkehrern



900 positiv getestete erhielten Testergebnis nicht


Eigentlich sollten die Testergebnisse eines freiwilligen Corona-Tests den Betroffenen in 24 bis 48 Stunden zugestellt werden. 44.000 Reiserückkehrer wurden im Zuge der bayerischen Testpanne jedoch nicht zeitnah über ihr Testergebnis informiert, darunter 900 positiv Getestete. Nach jüngsten Medienberichten habe man noch immer nicht alle positiv getesteten Personen ermitteln können. Als Grund dafür nannte die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml unter anderem die ausschließlich händische Erfassung der Daten zu den einzelnen Proben. Probleme bei der Leserlichkeit dieser Formulare und weitere organisatorische Pannen führten schließlich zum Testchaos.

Zum genannten Zeitpunkt wurden die Tests durch das Fachpersonal von Hilfsorganisationen wie dem BRK (Bayerisches Rotes Kreuz) durchgeführt. Die Freiwilligen mussten innerhalb eines Tages fünf Teststationen auf die Beine stellen, wie aus einer Pressemitteilung des BRK hervorgeht. Weiter heißt es: "Hierbei orientierten sich die Hilfsorganisationen strikt an den Vorgaben des Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und der Gesundheitsämter vor Ort. Da das LGL sich nicht in der Lage gesehen hat, in dieser kurzen Zeit eine entsprechende Software zur Verfügung zu stellen, mussten die Reisenden händisch mit Formularen erfasst werden. Diese Formulare wurden vom LGL zur Verfügung gestellt." Zwischen dem 30. Juli und dem 2. August hatte das BRK eigenen Angaben zufolge bereits rund 4.000 Testungen an der Raststätte durchgeführt.

Brennpunkt Donautal


Im Kern dieser chaotischen Situation war auch die Autobahnraststätte Donautal Ost im Landkreis Passau. An der dortigen A 3 wurden so viele Tests durchgeführt wie sonst nirgendwo. In den sozialen Medien finden sich etliche Beiträge von Getesteten, die sich am 2. August dort testen ließen und lange auf ihr Testergebnis warten mussten. Da es sich bei Kroatien damals nicht um ein Risikogebiet handelte, entfiel auch die Quarantänepflicht für die Betroffenen.

Verzögert erreichte unsere Online-Zeitung auch die Antwort des bayerischen Landesgesundheitsamtes, welches regionalHeute.de bereits am 19. August um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten hatte. Erst nach mehrfacher Rückfrage berief man sich darauf, dass die Ereignisse des 2. August an der Raststätte Donautal Ost "nachträglich schwer rekonstruierbar" seien. Weiter heißt es: "Als Zielvorgabe war vereinbart, dass den Betroffenen das Testergebnis innerhalb von bis zu 48 Stunden mitgeteilt wird. Diese Zielvorgabe gilt aber nur bei elektronischer Übermittlung. Wenn, etwa mangels Kontaktdaten, keine elektronische Übermittlung möglich ist oder jemand postalische Übermittlung wünscht, ist schon aufgrund des Postlaufs diese Zeitspanne nicht einzuhalten."

Landkreis nimmt Betroffene in Schutz


Der Landkreis Wolfenbüttel stellt in einem Statement klar, dass die Reiserückkehrer sich richtig verhalten haben, indem sie sich freiwillig testen ließen: "Sie haben dadurch weitaus schlimmere Entwicklungen verhindert. Nach Bekanntgabe der Testergebnisse haben sich die Betroffenen auch korrekt verhalten und beim Gesundheitsamt gemeldet. Durch das Aufzeigen des gesamten Kontaktumfeldes konnte eine systematische Testung veranlasst werden. Wichtig ist es, bis zum Vorliegen der Testergebnisse die Kontakte zu anderen Menschen möglichst gering zu halten."

Das Stigma der Betroffenen


Der Betroffene, der regionalHeute.de über seine Erfahrungen berichtet, lobt die Arbeit des Gesundheitsamt Wolfenbüttel, weist auch auf die Stigmatisierung nach einem positiven Corona-Testergebnis hin: "Mittlerweile geht es sogar so weit, dass Großeltern und Eltern von anderen, gar nicht beteiligten Jugendlichen am Kiosk beleidigt werden, nur weil die mit Betroffenen befreundet sind. Der gesamte Landkreis hackt auf den Betroffenen herum. Eine Gruppe Jugendlicher in Kroatien, die können ja nur Partyurlaub gemacht haben und sich in den Clubs oder an vollen Stränden infiziert haben. Wir waren weder an vollen Stränden noch in irgendwelchen Clubs."

Zwei Personen aus der Reisegruppe hätten sich wegen kleinerer Verletzungen im Krankenhaus behandeln lassen müssen. "Wir vermuten, uns dort mit dem Virus infiziert zu haben", so der Betroffene und mahnt, dass man sich vieles hätte ersparen können: "Hätten wir uns nicht testen lassen, hätte es mehrere hunderte Infizierte im Landkreis gegeben. Aber niemand hätte gemerkt, dass es von uns gekommen ist und wir hätten unsere Ruhe gehabt." Wäre das Testergebnis früher gekommen, so der betroffene Wolfenbütteler, hätte das alles vermieden werden können.

Abschließend stellt der Landkreis Wolfenbüttel fest: "Gerade die derzeitigen Entwicklungen rund um das Thema Urlaubsrückkehrer und größere Menschenansammlungen zeigen, dass die Situation weiterhin nicht zu unterschätzen ist. Die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln muss weiterhin zwingend beachtet werden."


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