Aus Dreieck wird Viereck - Nachhaltigkeit erobert den Finanzmarkt

Seit August sind Banken verpflichtet, bei Beratungsgesprächen mit Anlegern auch Umweltaspekte anzusprechen. Die Volksbank BraWo berichtet über die ersten Erfahrungen.

von Alexander Dontscheff


Symbolbild
Symbolbild Foto: Über dts Nachrichtenagentur

Region. Das Thema Nachhaltigkeit ist in Zeiten der Klimakrise in aller Munde. Nun hat es auch in den Bereich der Geldanlagen auf dem Finanzmarkt Einzug gehalten. Seit Anfang August sind Geldinstitute aufgrund einer EU-Richtlinie dazu verpflichtet, in ihren Beratungsgesprächen mit dem Kunden auch über den Umweltfaktor möglicher Anlagen zu sprechen. Die Volksbank BraWo nahm dies zum Anlass, am heutigen Donnerstag im Rahmen eines Pressegesprächs über die Erfahrungen der ersten gut drei Monate zu berichten.


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"Aus dem magischen Dreieck ist ein magisches Viereck geworden", erläuterte Michael Pannwitz, Leiter des Bereichs Individualkunden bei der Volksbank BraWo. Das heißt, bewegte sich das Spannungsfeld der Ziele einer Geldanlage bisher zwischen den Punkten "möglichst hohe Rendite", "möglichst geringes Risiko" und "möglichst schnelle Verfügbarkeit des Geldes", so ist nun ein vierter Faktor hinzugekommen. Das Geld soll möglichst nachhaltig angelegt sein. Pannwitz betont dabei, dass sich Rendite und Nachhaltigkeit nicht zwingend ausschließen müssen.

Kriterien der Nachhaltigkeit


Die Nachhaltigkeit eines Produktes lasse sich auf drei verschiedene Arten definieren. Erstens durch Ausschlusskriterien, das heißt, man teilt dem Berater mit, dass man bestimmte Branchen nicht in seinem Paket dabei haben möchte. Zweitens durch die Offenlegungsverordnung, hier wählt man Kapitalmarktanlagen, die einen positiven Beitrag zu einem Nachhaltigkeitskriterium als Ziel formuliert haben. Der dritte Anhaltspunkt ist die Taxonomie. Diese definiert Kapitalmarktanlagen, deren Wirtschaftsaktivitäten einen wesentlichen positiven Beitrag zum Umweltschutz leisten. Hierbei müsse man aber beachten, dass sich diese Bewertung auch ändern könne. Bestes Beispiel sei die kürzlich stattgefundene Diskussion um ein "grünes Label" für die Atomenergie.

Michael Pannwitz, Prokurist und Leitung Individualkunden Volksbank BraWo.
Michael Pannwitz, Prokurist und Leitung Individualkunden Volksbank BraWo. Foto: Alexander Dontscheff


"Die Kundschaft in unserer Region reagiert aufgeschlossen auf das Thema", lautet das durchaus positive Zwischenfazit von Michael Pannwitz. Zwar gebe es auch Personen, die dies komplett abblockten, die große Mehrheit zeige sich aber interessiert. Manche ließen sich auch konkrete Beispiele vorrechnen, wie sich der Faktor Nachhaltigkeit auf ihr Angebot auswirke. Pannwitz betont auch, dass das Gespräch über Nachhaltigkeit keine einmalige Sache sei. Das Thema werde bei jedem Gespräch mit dem Kunden erneut angesprochen. Man könne sich dann entscheiden, ob man dem künftig nicht doch mehr Gewicht beimessen möchte.

Angebot noch sehr begrenzt


Dies sei auch ein Ziel der EU gewesen, so der Berater, dass sich die Anleger ein Bewusstsein verschaffen, dass auch hier der Umweltschutz ein Faktor sein könne. Aktuell sei das Angebot an nachhaltig zertifizierten Produkten noch sehr begrenzt. Doch die Fondsgesellschaften seien dabei, hier umzusteuern. Steige die Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen, könne das auch Einfluss auf die Wirtschaft haben. Und darum gehe es letztlich, dass umweltbewusste Unternehmen und nachhaltige Wirtschaftsformen gefördert werden.


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