„Automatisierter Tod“ – Zum Abschluss ein Streitgespräch

29. Januar 2016 von
"Nachschlag"-Streitgespräch. Von links: Dr. Volker Lüdemann, Karl-Dieter Möller und Dr. Sebastian Biedenkopf. Foto: Alec Pein

Goslar. Traditionell ist die letzte Veranstaltung der Verkehrsgerichtstage ein Streitgespräch zu einem aktuellen Thema. Moderator Karl-Dieter Möller erklärte zu Beginn die Schwierigkeit der Titelfindung:“Autoatisierter Tod“ sei wohl nicht passend, man habe aber wieder intensiv über einen Titel nachdenken müssen, so Möller. Dennoch beschreibt dieser das zentrale Problem des Themas „Aus der Traum – bremsen Ethik und Verfassung das automatisierte Fahren?“

Das unaufhaltsame Fortschreiten der Technik macht es bereits möglich: Automatisiert fahrende Autos. Doch wie sollen die rollenden Computer für Gefahrensituationen programmiert werden? Entscheidet am Ende ein Algorithmus darüber, ob die Insassen oder ein anderer Verkehrsteilnehmer sterben muss? Eine kontroverse Diskussion zwischen einem Experten in ethischen Fragen und einem Rechtsanwalt eines Großkonzerns ist bei diesen Fragen jedenfalls vorprogrammiert.

Als Gäste begrüßte der Moderator des diesjährigen Streitgesprächs und Journalist, Karl-Dieter Möller, Dr. Sebastian Biedenkopf, Rechtsanwalt bei der Robert Bosch GmbH in Gerlingen und Prof. Dr. Volker Lüdemann, Professor für Wirtschafts-, Wettbewerbs- und Versicherungsrecht an der Hochschule Osnabrück, sowie Vorsitzender der Ethikkommission an der Hochschule Osnabrück. Einigkeit herrschte darüber, dass die ethischen Fragen weiter öffentlich diskutiert werden müssen.

Bevor der „Schlagabtausch“ stattfinden sollte, erhielten die beiden Teilnehmer vorerst jeweils fünf Minuten Zeit, um ihre Positionen darzulegen. Dr. Sebastian Biedenkopf glaubt fest an das automatisierte Fahren: Es sei „keine Frage, dass das kommt“, so Biedenkopf. Technik, Ethik und Recht seien dabei die drei grundlegenden Themen denen man sich aus Sicht eines Unternehmens widmen müsse. Die technischen Hürden seien zu meistern, Probleme sah er mehr in den rechtlichen Hürden und der, mit ethischen Fragen einhergehenden, gesellschaftlichen Akzeptanz. Ein Bereich des Verkehrswesens, in dem man der Technik bereits vertraue, sei laut Biedenmann der Flugverkehr: Es würden schließlich 99 Prozent trotzdem ins Flugzeug steigen, obwohl sie wüssten, dass ein technisches Versagen tödlich enden würde.

Während ein Mensch in Gefahrensituationen nicht geplant reagieren könne, müsste ein Algorithmus eines automatisierten Fahrzeuges „planvoll töten“, erklärte der Vorsitzende der Ethik-Kommission an der Hochschule Osnabrück Dr. Volker Lüdemann. Bei der Programmierung stelle sich also die Frage, wie das Fahrzeug in sogenannten „Dilemmasituationen“ reagieren soll: Ein Fahrzeug, das in erster Linie die Insassen schützen würde, würde ebenso wenig Akzeptanz in der Gesellschaft finden, wie eines, das für einen „Heldentod“ der Insassen und zugunsten anderer Verkehrsteilnehmer programmiert sei. Im Falle eines Unfalls würde ein Mensch vom Subjekt, zum computerbewerteten Objekt werden, was der gesellschaftlichen Akzeptanz dann im Wege stehen würde, so Lüdemann weiter.

Die folgende Diskussion wurde beispielhaft: Der Rechtsanwalt sieht im automatisierten Fahren eine mögliche Senkung statistischer Werte bezüglich Verkehrsunfällen mit menschlichen Versagen, ein Vorsitzender einer Ethik-Kommission einen großen Schritt in Richtung moralischer Dilemmas und Datenschutzabgründen.

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