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Bäder leiden unter Kälte - Scharna: "Heute würde man kein reines Freibad mehr bauen"

von Christina Balder



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20.08.2014


Braunschweig. Hochsommer geht anders, da sind sich Eisverkäufer und Freibadbetreiber einig. Der diesjährige August lädt in der Tat eher zu heißer Schokolade ein als zur Bikinischau im Freibad. Jürgen Scharna, Geschäftsführer der Braunschweiger Stadtbad GmbH, kann daher mit der Bilanz von Raffteichbad und Bürgerpark nicht zufrieden sein. Ist er auch nicht, sagt er: "Mit rund 90.000 Besuchern in diesem Jahr ist das kein guter Sommer für Badbetreiber."

120.000 Badegäste im Freibadbereich seien der Durchschnitt, sagt Scharna. 2011 sei besonders schlecht gewesen - nur 84.000 Menschen waren die ganze Saison über in die Bäder der Stadtbad GmbH gekommen. Da liegt 2014 nicht weit entfernt, zumal das Raffteichbad am Sonntagabend schon seine Tore schließt. Für einen weiteren Betrieb ist das Wetter einfach nicht gut genug. "Wir haben dieses Jahr extrem späte Sommerferien", sagt Scharna. "Der August ist immer eine kritische Zeit. Es gab mal 14 Tage, die waren ganz okay, aber auch die waren über den ganzen Sommer verteilt." Er habe die Erfahrung gemacht, dass die Menschen sich erst nach ein paar Tagen Hitze ins Freibad bewegen. Dazu müsste die Hitze aber auch anhalten. Das sei in diesem Jahr kaum der Fall gewesen.

Auch wenn die Ferien noch ein Weilchen dauern: die Saison geht nun langsam zu Ende. "Die Bäder sind leer, wir müssen aber trotzdem drei Leute dort beschäftigen und bezahlen", sagt Scharna. "Und wir hatten in der letzten Woche einen Tag mit Tageseinnahmen von 21,70 Euro! Da kann ich nicht ernsthaft zwei Bäder vorhalten."

Nun können weder Jürgen Scharna noch andere wetterabhängige Geschäftsleute die Wolken wegschieben, das Sommergeschäft mit den Freibädern ist immer risikoreich. Auf die Frage, ob sich zwei Freibäder für einen Betreiber überhaupt lohnen, platzt Scharna heraus: "Lohnen? Das können Sie ganz knicken! Es lohnt sich überhaupt kein Bad." Klar, Schwimmbäder sind immer ein Zuschussgeschäft, Freibäder allemal - vom unternehmerischen Standpunkt her also eine Zumutung. Immer muss die Stadt den Betrieb subventionieren.  Und gäbe es keine Freibäder in Braunschweig, es würden heutzutage auch keine mehr gebaut, glaubt Scharna. "Man würde nach heutigen Maßstäben anders bauen. Solche Lösungen wie in Wolfenbüttel, ein Hallenbad mit einfahrbarem Dach, oder eine Verbindung zwischen Innen- und Außenbecken, das wäre zeitgemäß."

Aber die reinen Freibäder zu schließen, ist für den Stadtbad-Chef auch keine Option. "Gucken Sie mal, das sind doch wirklich schöne Bäder, hier haben wir einen tollen Park!" An Freibädern hingen unendlich viele Kindheits- und Jugenderinnerungen, das sei einfach hochemotional. "Es gibt Themen, die kann man nicht einfach mit dem Verstand angehen. Bei Freibädern muss man auch mal das Herz sprechen lassen, und das sagt, die Bäder müssen bleiben."

Zufrieden ist Scharna immerhin mit den Zahlen seiner Wasserwelt. 44.000 Besucher in den ersten viereinhalb Wochen - "das ist schon eine andere Nummer", sagt er.


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