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Blauer Blitz rettet Rehe: Reflektoren verhindern erfolgreich Wildunfälle

von Christina Balder



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08.08.2014


Braunschweig. Langsam fahren, links und rechts schauen, auf leuchtende Augen achten - an Stellen mit häufigem Wildwechsel müssten Autofahrer eigentlich besonders aufmerksam sein. Dennoch hat allein die Öffentliche Versicherung in ihrem Geschäftsgebiet im vergangenen Jahr 1565 Wildunfälle verzeichnet. Die Versicherung hat nun spezielle Reflektoren finanziert, die die Mascheroder Landwirte Hans-Joachim und Carsten Loges an besonders gefährdeten Stellen angebracht haben.

Zwischen Mascherode und Stöckheim warnt ein Schild vor Wildwechsel. Doch auf der geraden Strecke kommt es trotzdem immer wieder zu Wildunfällen - im vergangenen Jahr waren es neun. Auch in Richtung Salzdahlum vor der Linkskurve kracht es relativ häufig, ebenso hinter dem Ortsausgang Richtung Heidbergsee. Das sind die Stellen, an denen Menschenstraßen sich mit Wildstraßen kreuzen.

„Hier haben wir vor allem Rehe. Hirsche gibt es keine und Unfälle mit Wildschweinen sind eher selten“, sagt Hans-Joachim Loges. „Und die Rehe ziehen zwischen den Waldteilen hin und her.“ Der regelmäßig gemähte Streifen am Straßenrand biete dem Wild obendrein schmackhafte Pflanzen, auch das Streusalz locke die Rehe an, erzählt sein Sohn. Man habe schon durch eigens angelegte Wildwiesen und im Wald ausgelegte Salzlecksteine versucht, die Tiere von den Straßen weg zu locken, doch ohne viel Erfolg.

[image=15684]Seit Anfang des Jahres beschreiten sie nun, unterstützt von der Öffentlichen, einen neuen Weg. Blaue Reflektoren, an den Leitpfosten angebracht, schrecken nachts die Rehe ab, wenn sich ein Auto mit Scheinwerferlicht nähert. „Die blauen Striche kennen die Tiere noch nicht, davor schrecken sie zurück“, erzählt Carsten Loges. Seit dem ersten Januar seien die Wildunfälle an den genannten Schwerpunkten drastisch zurückgegangen. „In diesem Jahr waren es bisher nur zwei - und das war jeweils am Tag, wo die Reflektoren ohnehin nicht wirken“, sagt Loges.

Die Reflektoren kosten etwa 2,50 Euro pro Stück - "ein geringes Invest im Verhältnis zum Nutzen", sagt Lars Giebel, Abteilungsdirektor im Bereich Finanzdienstleister der Öffentlichen Versicherung Braunschweig. Denn einerseits verhindern sie Sachschaden, für die Öffentliche im vergangenen Jahr immerhin 3,2 Millionen Euro schwer, und andererseits auch Unfälle, bei denen Menschen und Tiere verletzt werden oder sogar ums Leben kommen. 60 Reflektoren sind bisher verbaut. "Die Stellen um Mascherode sind für uns auch ein bisschen Versuchsgelände", sagt Giebel. Man denke darüber nach, auch anderswo Reflektoren zu finanzieren. "Ich kann mir auch gut vorstellen, dass jede Geschäftsstelle eine Grundausstattung bekommt, die an Risikostellen angebracht werden kann."

Wenn ein Wildunfall aber trotz aller Vorsicht und Vorbeugemaßnahmen passiert ist, muss unbedingt die Polizei gerufen werden - alles andere ist Fahrerflucht. "Und es ist immer schade, wenn Leute Unfälle nicht melden - dann liegt ein Reh irgendwo mit gebrochenen Läufen und verendet elendig", sagt Hans-Joachim Loges.

Wichtig aus Sicht der Versicherung ist auch, nicht auszuweichen, wenn plötzlich ein Reh auf die Fahrbahn springt. "Wenn Sie in den Graben fahren oder in den Gegenverkehr, dann ist es für die Versicherung unter Umständen kein Wildunfall mehr", sagt Sebastian Heise, Sprecher der Öffentlichen. Am besten sei es, das Licht auszumachen - auf keinen Fall aufblenden -, zu bremsen und geradeaus auf der Spur zu bleiben. Und vor allem vorher: Augen auf


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