Blindflug am Steuer: Experten für härtere Strafen bei Handynutzung

Die Experten beim 64. Verkehrsgerichtstag fordern harte Strafen für Handy-Sünder.

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Symbolbild | Foto: Pixabay

Goslar. Zum Abschluss des 64. Deutschen Verkehrsgerichtstags in Goslar haben Experten eine deutliche Warnung ausgesprochen: Ablenkung am Steuer sei ein massiv unterschätztes Risiko auf deutschen Straßen. Da die offizielle Unfallstatistik aufgrund der schwierigen Nachweisbarkeit nur die Spitze des Eisbergs abbilde, fordert der entsprechende Arbeitskreis nun ein radikales Umsteuern – von der Überwachungstechnik bis hin zu einer drastischen Verschärfung des Bußgeldkatalogs.



Obwohl der Griff zum Smartphone während der Fahrt allgegenwärtig scheint, taucht er in den Polizeiberichten selten als Ursache auf. Die Experten fordern daher dringend Forschungsprojekte, um das Dunkelfeld im privaten und gewerblichen Verkehr sowie bei Radfahrern und Fußgängern zu beleuchten. Um die Kontrolldichte zu erhöhen, setzt der Verkehrsgerichtstag zudem auf moderne Technik. Sogenannte „Handy-Blitzer“, die bereits in Pilotprojekten erprobt wurden, sollen bundesweit zum Einsatz kommen. Damit dies rechtssicher geschieht, mahnen die Juristen eine bundeseinheitliche Rechtsgrundlage an, um einen Flickenteppich aus unterschiedlichen Ländergesetzen zu verhindern.

Rechtliche Klarheit und empfindliche Strafen


Gleichzeitig soll der Gesetzgeber im Bereich der Paragrafen nachbessern. Der bisher schwammige Rechtsbegriff der „kurzen Blickzuwendung“ in der Straßenverkehrsordnung führe in der Praxis oft zu Beweisproblemen und soll deshalb präzisiert werden. Die Fachleute plädieren dafür, den entsprechenden Paragrafen künftig als strikte Verbotsnorm zu formulieren. Hand in Hand mit der rechtlichen Klarheit gehen Forderungen nach deutlich härteren Sanktionen: Für Kraftfahrzeugführer soll sich die Strafe auf zwei Punkte in Flensburg verdoppeln, während Radfahrer künftig bei Verstößen mit einem Punkt auf dem Konto rechnen müssen. Auch finanziell sollte es nach dem Willen der Experten empfindlich teurer werden. Die Empfehlungen sehen eine Anhebung des Regelsatzes auf 250 Euro vor, bei einer Gefährdung sogar auf 500 Euro. Im Falle einer Sachbeschädigung wird eine Summe von 750 Euro diskutiert.

Verantwortung der Automobilindustrie


Nicht nur die Fahrer, auch die Industrie stehe in der Pflicht, heißt es in der Empfehlung weiter. Der Arbeitskreis fordert von den Herstellern, die Fahrzeugbedienung intuitiv und ablenkungsarm zu gestalten. Infotainment- und Komfortsysteme müssten sich an ihrer Sicherheitsrelevanz messen lassen und im Zweifelsfall während des Fahrbetriebs technisch begrenzt werden. Auf europäischer Ebene solle sich der Bund zudem dafür einsetzen, dass Ablenkungswarner in Neufahrzeugen früher ansprechen und diese Warnungen zur späteren Unfallanalyse im Datenspeicher des Fahrzeugs gesichert werden.

Prävention als gesellschaftliche Aufgabe


Abgerundet wird das empfohlene Maßnahmenpaket durch einen Fokus auf die Prävention. Um ein neues Bewusstsein für die Gefahren des „sekundenlangen Blindflugs“ zu schaffen, soll das Thema Ablenkung bereits frühzeitig als fester Bestandteil in die Lehrpläne von Schulen und Fahrschulen aufgenommen werden. Mit diesen Forderungen liegt der Ball nun beim Bundesverkehrsministerium, um die Sicherheit auf Deutschlands Straßen nachhaltig zu erhöhen.

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