Blumenläden statt Recht auf Bildung - Eltern fühlen sich bei Lockerungen übergangen

In vielen Kreisen in Niedersachsen lägen die Inzidenzen bereits lange unter 50, die Kitas blieben jedoch geschlossen. Die Landeselternvertretung äußert angesichts der Lockerungen für Friseure und Blumenläden Unverständnis.

von Marvin König


In den Kitas wird derzeit nur Notbetreuung angeboten. (Symbolbild)
In den Kitas wird derzeit nur Notbetreuung angeboten. (Symbolbild) Foto: Rudolf Karliczek

Region. Die Landeselternvertretung der niedersächsischen Kindertagesstätten hat sich mit einem Brief an die Landesregierung Niedersachsen gewandt. Mit den am Mittwoch getroffenen Entscheidungen des Bundländerbeschlusses, die Kitas in Niedersachsen weiterhin geschlossen zu halten, überlasse sie den Großteil der Elternschaft weiterhin sich selbst. "Kitas und Schulen haben höchste Priorität bei möglichen Lockerungen, hieß es noch vor einer Woche", zeigt sich die Landeselternvertretung enttäuscht. Das Recht auf Bildung der Kinder werde missachtet. Der Brief liegt regionalHeute.de vor.


"Unsere - Ihnen vorliegende - Umfrage hat nicht zum ersten Mal deutlich gemacht, wo die Bedarfe bei den Familien sind. Was jetzt dringend nötig ist, um denjenigen, deren Bedürfnisse und Rechte seit nunmehr einem Jahr nur noch hinten angestellt werden, wird nach wie vor ignoriert. Da sollen ab März nun Frisöre und Blumenläden geöffnet aber Kinder dürfen nach wie vor nicht ihre Freunde treffen", moniert die Elternvertretung in dem Brief.

"Das Signal an die Millionen Familien in Niedersachsen ist eindeutig: wir investieren zwar in unsere Zukunft, nur sind damit nicht unsere Kinder gemeint!"

- Landeselternvertretung der niedersächsischen Kindertagesstätten



Es sei "zum wiederholten Male" festzuhalten, dass die Landesregierung weder in der Lage sei, die Träger und Kommunen mit entsprechenden Verordnungen zu überzeugen, noch dazu gewillt sei, das Zepter in die Hand zu nehmen und das Land zu führen. Die Landeselternvertretung wird deutlich: "Angst um eine Mutation beherrscht ihr Handeln. Der Wille, Maßnahmen wie Teststrategien oder Luftfilteranlagen einzubringen, ist nicht gegeben. Anstatt proaktiv Finanzmittel für den besseren Schutz bereitzustellen oder Hygienekonzepte zu unterstützen, fließen weiterhin Millionen an Großkonzerne. Das Signal an die Millionen Familien in Niedersachsen ist eindeutig: wir investieren zwar in unsere Zukunft, nur sind damit nicht unsere Kinder gemeint!"

Kitas weiterhin flächendeckend geschlossen zu halten, obwohl die Inzidenzen in vielen Landkreisen und Kommunen unter 50 liegen, sei aus Sicht der Landeselternvertretung nicht mehr nachvollziehbar. Viele Kitas kämen ihrer Verpflichtung zum Arbeitsschutz nach und investieren bereits in den Schutz ihres Personals. Dafür sei finanzielle Unterstützung nötig. "Die Finanzierung der Schnelltests und das damit einhergehende Hin und Herschieben des 'Schwarzen Peter' muss ein Ende haben. Es darf nicht nur bei einem Angebot bleiben, es braucht jetzt klare und verpflichtende Verordnungen und Maßnahmen", so die Eltern.

"Die Eltern haben den Papp auf!"


"Wie viele Umfragen sind nötig, damit die Politik endlich aufwacht? Wann wird das Land Niedersachsen endlich seiner Verantwortung gegenüber allen Bürgern gerecht? Wann hören die Verantwortlichen endlich den Familien zu und nehmen deren Bedürfnisse ernst? Wann nimmt man für die Kinder das nötige Geld in die Hand? Wann sind Kinder eine wertvolle Ressource, in die es sich zu investieren lohnt? Auf den Punkt gebracht: Die Eltern haben den Papp auf!", so die Eltern.

"Kinder haben das Recht auf Bildung"


Die bisherigen Maßnahmen seien weder ausreichend noch bedarfsorientiert gewesen. Es gebe Landkreise, in denen sich bereits seit Wochen die Inzidenzen unter 50 bewegen und das Verständnis für die Einschränkungen und das Verhindern des eingeschränkten Regelbetriebs ist nicht mehr da sei. Die Elternvertretung abschließend: "Die Geduld ist am Ende. Die Eltern sind am Limit. Die Kinder sind am Limit. Unzählige Experten haben sich inzwischen zu Wort gemeldet und Sorge um Entwicklungsbeeinträchtigungen durch die Isolation benannt. Ebenso die steigenden Zahlen bei häuslicher Gewalt. Es darf nicht sein, dass Kinder erst nach Unternehmen und Einzelhandel kommen, dass schöne Haare vor frühkindlicher Bildung kommen. Wir können nur nochmals betonen: Kinder haben das Recht auf Bildung! Sie sollen in absehbarer Zukunft die Aufgaben der heutigen Fachkräfte übernehmen. Wenn wir heute die Basis für Bildung und Entwicklung nicht schaffen, werden wir in einigen Jahren ganz andere Probleme haben. Schluss mit Lippenbekenntnissen! Wir fordern Sie nochmals auf, Ihr Wort zu halten und Kinder an erster Stelle zu setzen!"


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