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Beton, Hitze, Verkehrslärm - Wird das neue Bahnhofsumfeld zur Stadtklima-Katastrophe?

Die neue Bebauung könnte aus Sicht der Bürgerinitiative Baumschutz dazu führen, dass der Bahnhofsvorplatz zu einem sehr ungemütlichen Ort wird.

(Symbolbild)
(Symbolbild) Foto: Sina Rühland

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14.02.2020

Braunschweig. Das Bahnhofsumfeld in Braunschweig soll neu gestaltet werden. Unlängst fanden hierzu die ersten Bürgerworkshops statt. Die Bürgerinitiative (BI) Baumschutz prognostiziert jedoch, dass der moderne, freundliche Entwurf zum neuen Umfeld eher zu einer überhitzten, lauten Betonhölle werde, sollte er denn so gebaut werden. Die Bürgerinitiative Baumschutz berichtet in einer Pressemitteilung über ihre bedenken.


In einer sechsseitigen Stellungnahme hat die BI Baumschutz neben fundamentaler und konstruktiver Kritik an Baumvernichtung und Flächenversiegelung des Siegerentwurfs auch einige Vorschläge eingebracht. Ein Problem des Siegerentwurfs sei aus der Sicht der BI: „Tritt man aus dem Bahnhof, steht man auf einem relativ kleinen steinernen Platz, der rundum von großen Gebäuden eingerahmt ist. Die Menge an Stein, Asphalt und großen Fassaden bewirkt, dass dieser Platz im Sommer noch viel heißer wird, als mit 44 Grad ohnehin schon im Stadtklimabericht prognostiziert - wie ein Backofen!

Laut und dreckig


Damit nicht genug, führt der vierspurige, stark befahrene neue Ring auf der gegenüberliegenden Seite über diesen Platz. Die neuen Gebäude werfen den Verkehrslärm zurück, der sich dann zwischen den großen Gebäuden fängt und verstärkt. Die Abgase können nicht abziehen, weil alles zugebaut ist. Soll so unser „Tor zur Stadt“ aussehen?“

BI schlägt Verlegung der Straße vor


Als Alternative schlagen die Baumschützerinnen vor, den Autoverkehr nicht auf der Fahrbahn der Bahnhofseite des bisherigen Rings zu führen, sondern stattdessen auf der gegenüberliegenden, der nördlichen Seite. Zur Stadthalle und zum Bürgerpark hin würden so zusammen mit den Flächen der Südseite des ehemaligen Rings genügend große Flächen entstehen, um hier die gewünschten Wohn- und Geschäftshäuser zu bauen.

Sichtachse zur Innenstadt soll frei bleiben


Für Baumschützerin Birgit Huvendieck ist dabei besonders wichtig: „Die Sichtachse vom Ausgang des Bahnhofs über Viewegs Garten hinweg bis zu den Kirchturmspitzen der Innenstadt sollte frei und unbebaut bleiben.“
Edmund Schultz von der BI erklärt: „Die südliche Seite des bisherigen Ringes könnte dann behutsamer und mit mehreren Gebäuden mit kleineren Grundrissen bebaut werden, so wie zum Beispiel das neue BraWo- Hochhaus. Diese sollten dann auch nur teilweise auf den Verkehrsinseln stehen und grüne Zwischenräume mit Bäumen frei lassen.

Eine "lockerere" Bebauung


Bebaue man die Nordseite der grünen Verkehrsinseln gar nicht und die Südseite nur zum Teil, lassen sich wenigstens viele der großen Platanen retten, da diese vorwiegend auf der Nordseite der Verkehrsinsel stehen.“ Birgit Huvendieck ergänzt: „Zwischen den neuen Gebäuden könnten sogar attraktive Freiflächen unter schattenspendenden Bäumen entstehen. Die wären prima geeignet für Cafés und Biergärten, ohne Verkehrslärm und -Hektik und mit dem Blick auf einen belebten, aber viel entspannteren Bahnhofsvorplatz.“

Workshops verfälschen Bürgermeinungen


Auch die Bürgerworkshops würde die BI gerne verbessern. Die mündlich vorgetragenen Einwände seien „nur sehr stark verkürzt und damit oft verfälscht aufgeschrieben worden.“ Einige Beiträge würden sogar ganz fehlen.

Dazu merkt BI Aktive Renate Rosenbaum an: „Es fehlt auch eine Gewichtung, quasi ein Abstimmungsergebnis. Wenn zum Beispiel zehn Personen sagten, dass sie keine Gebäude im Park wollen und nur eine Person, dass ihr die Gebäude im Park gefallen, wurde dafür jeweils nur eine Karte geschrieben. So wird aus einem realen Verhältnis von 10 : 1 eines von 1 : 1. Das gibt das Meinungsbild der Bürgerinnen und Bürger nicht korrekt wieder.“

Edmund Schultz möchte Stadtbaurat Leuer beim Wort nehmen. Dieser habe mehrfach öffentlich zugesagt, dass die Bürgerbeteiligung genauso wie die bei dem Ausbau der Stadtbahn erfolgen würde, also mit drei Bürgerworkshops. Er appelliert an Herr Leuer „Bitte halten Sie dieses Versprechen, bevor die Planungen in die nächste offizielle Phase gehen.“


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