Braunschweig. Die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) bringt ihre Expertise aus dem Betrieb von Atomuhren in ein Projekt zum Bau robuster, portabler und zugleich sehr genauer Atomuhren ein. Das teilte die Bundesanstalt kürzlich in einer Pressemeldung mit. Man wolle eine Atomuhr bauen, die im Forschungsalltag ohne eine metrologische Spezialbetreuung auskomme, hieß es.
Moderne optische Atomuhren seien die genauesten und präzisesten je gebauten Messgeräte. In ihnen sei die Taktfrequenz etwa 10.000-mal höher als bei Cäsiumuhren. Sie liege damit nicht mehr im Mikrowellen-, sondern im optischen Spektralbereich. Die "feinere Taktung" mache sie noch einmal deutlich genauer, hieß es weiter. Man könne sie zum Beispiel nutzen, um geodätische Höhen zu vermessen. "In Zukunft sind sie perfekt für Fragen der Klimaforschung", sagte PTB-Physiker Christian Lisdat. "Mit ihnen lässt sich mit großer Genauigkeit und Verlässlichkeit über Jahre hinweg verfolgen, wie stark sich etwa der Meeresspiegel infolge der Klimaerwärmung hebt." Dafür müssten die empfindlichen Uhren durch die Lande gefahren und an verschiedenen Orten betrieben werden können, ohne dass Atomuhrspezialisten ständig vor Ort dabei sind, so Lisdat.
EU fördert Projekt mit 7,5 Millionen Euro
Das Projekt trägt den Titel "AQuRA". Die Abkürzung steht für "Advanced Quantum Clock for Real-World Applications". Neben der koordinierenden Universität Amsterdam (Niederlande) sind acht weitere Beteiligte aus sechs europäischen Ländern dabei, sowohl aus Universitäten und Metrologieinstituten als auch aus der Industrie: "Menlo Systems" (Deutschland), "NKT Photonics A/S" (Dänemark), "iXblue" (Frankreich), "Centre National de la Recherche Scientifique" (Frankreich), "Uniwersytet Mikolaja Kopernika w Toruniu" (Polen), "QuiX Quantum BV" (Niederlande), "Vexlum Oy" (Finnland) und die PTB (Deutschland). Das Projekt werde im Rahmen des Förderprogramms "Horizon Europe research and innovation programme" der EU mit 7,5 Millionen Euro finanziert und laufe über 3,5 Jahre, hieß es.