Braunschweig. Seit Mai 2024 steht die ehemalige Justizvollzugsanstalt (JVA) Rennelberg leer. Kürzlich hatte regionalHeute.de die Gelegenheit bekommen, sich in den Räumlichkeiten des ehemaligen Gefängnisses umzuschauen. Dabei stellt sich natürlich auch die Frage: Was soll hiermit eigentlich passieren? Das Land Niedersachsen, dem die Immobilie gehört, will jedenfalls verkaufen. Wir fragten nach, wie groß das Interesse ist.
Seit September letzten Jahres kann über die gängigen Immobilienportale ein Angebot im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens abgegeben werden. Das zuständige Niedersächsische Landesamt für Bau und Liegenschaften teilt auf Anfrage mit, dass das Verfahren offiziell am 28. Februar ausgelaufen wäre. Auf Anfrage sei es aber bis zum 30. April 2026 verlängert worden.
Über 20 Interessenten
"Es gab bislang mehr als 20 Interessenten, von denen zirka zehn die JVA besichtigt haben", teilt Ute Stallmeister, Pressesprecherin des Landesamtes, mit. Nach Ende der Frist würden alle eingegangenen Konzepte von Land und Stadt Braunschweig geprüft. Unter den Interessenten, deren Nachnutzungskonzept von der Stadt Braunschweig positiv beschieden wurde, werde im Anschluss ein Gebotsverfahren über den Verkauf der Gesamtliegenschaft durchgeführt. Das höchste Angebot erhält den Zuschlag. "Sollte kein geeignetes Angebot eingehen, wird eine Neuausschreibung gegebenenfalls mit geringerer Kaufpreiserwartung durchgeführt", so Stallmeister weiter.
Der Startpreis im Gebotsverfahren für das rund 13.400 Quadratmeter große Areal liegt derzeit bei 3,6 Millionen Euro. Es umfasst drei Flurstücke mit der ehemaligen Untersuchungshaftanstalt und Nebengebäuden sowie Freizeit- und Sportflächen. Die Sicherheitstechnik der JVA wurde weitgehend entfernt, heißt es in einer Pressemitteilung des Landesamtes zum Start der Verkaufsphase. Die Liegenschaft umfasse mehrere historische Gebäude aus dem Jahr 1884, darunter das Hauptgebäude, die Werkhalle, die Anstaltsküche sowie das Zellen- und Verwaltungsgebäude. Bis auf wenige Nebengebäude stehe der Gebäudekomplex unter Denkmalschutz.
Einschränkungen durch Denkmalschutz
"Der Denkmalschutz dürfte die künftige Nutzung dahingehend einschränken, dass vermutlich nicht alle gewünschten Änderungen genehmigt werden können", räumt Ute Stallmeister ein. Bei der Nachnutzung seien dennoch viele Möglichkeiten denkbar. In Betracht kämen zum Beispiel Gastronomie, Räume für Kleingewerbe, Kunst- und Kultureinrichtungen sowie Beherbergungskonzepte wie ein Hotel oder Hostel. Unpassende Nutzungen – etwa eine Spielhalle oder ein Bordell – seien hingegen ausgeschlossen.
Wohnraum grundsätzlich möglich
Auch eine Nutzung der bestehenden Gebäude durch Wohnungen sei grundsätzlich möglich. Darüber hinaus gebe es auf dem Gelände der JVA Flächenreserven für Neubauten, so dass dort Wohnungen realisiert werden könnten. Hierfür gebe es unter anderem die Vorgabe der Stadt Braunschweig mit etwa 150 bis 200 Wohneinheiten pro Hektar bei maximal fünf Vollgeschossen zu beachten. Die historische Gefängnismauer könne teilweise zurückgebaut werden, müsse jedoch in ihrer Struktur erkennbar bleiben und gestalterisch in das Gesamtareal integriert werden.
Doch warum spielt die Stadt Braunschweig hierbei überhaupt so eine große Rolle? Es sei das übliche Höchstgebotsverfahren mit einem Interessenbekundungsverfahren verknüpft worden, da die Stadt Braunschweig die Planungshoheit besitzt und die notwendigen bauplanungsrechtlichen Regelungen für eine Umnutzung des Gefängnisses schaffen muss, teilt das Landesamt mit. "Auch die denkmalpflegerischen Aspekte bedingen eine Zusammenarbeit zwischen Stadt und Land", betont Ute Stallmeister.
Das Gefängnis als Bühne
Doch bevor der Komplex verkauft wird, soll die ehemalige JVA Rennelberg eine ganz andere Nutzung erleben. Wie uns das Landesamt während der Führung mitteilte, plant das Staatstheater im Sommer dort Vorstellungen durchzuführen. Wie man auf Nachfrage mitteilt, sollen in der JVA Aufführungen im Rahmen des Festivals Theaterformen stattfinden. Details wolle man aber erst im Rahmen einer Pressekonferenz im April verraten, so das Staatstheater.


