Braunschweig. Aufbauend, Halt gebend, motivierend und in allen Lebenslagen unterstützend – so engagiert sich die KlaRissa. In unmittelbarer Nähe der Bruchstraße in der Leopoldstraße 5, heißt die Caritas Braunschweig Prostituierte und Sexarbeiterinnen und deren Angehörigen in der Anlaufstelle willkommen. Das Angebot wird stetig erweitert. Durch ehrenamtliche Unterstützung sind nun auch ärztliche Untersuchungen vor Ort möglich. Dies teilt der Caritasverband Braunschweig e.V. mit.
Gerade in der Corona-Pandemie sei in der Stadt noch einmal deutlich geworden, dass die Menschen in der Bruchstraße besondere Unterstützung brauchen. Sie konnten nicht arbeiten, waren völlig mittellos und es fehlten konkrete Hilfen und Ansprechpartner. Durch das große Engagement verschiedener ehrenamtlicher Gruppen und Personen, wurde dann durch den Rat der Stadt beschlossen, eine Anlaufstelle für Prostituierte und Sexarbeiterinnen einzurichten. Der Caritasverband Braunschweig ist der Träger der Einrichtung, die von der Stadt Braunschweig finanziert wird.
Unterstützung für Sexarbeiterinnen
Ärztliche Versorgung
Dr. Dieter Daunert ist als Allgemeinmediziner vor Ort, Dr. Anna Gösling als Gynäkologin. Wir treffen Dr. Gösling kurz nach der offenen Sprechstunde vor Ort. Sie ist bei KlaRissa eingestiegen, um den Menschen vor Ort zu helfen. „Uns geht es so gut, wir haben so viele Privilegien und da meine Kinder jetzt schon größer sind, habe ich etwas Zeit mich ehrenamtlich zu engagieren.“ Sie findet, dass man als Arzt ruhig auch etwas ehrenamtliche Arbeit leisten könnte.
Auf den Aufruf der Malteser zur Unterstützung bei KlaRissa hatten sich tatsächlich nur sie und Dr. Daunert gemeldet. Umso dankbarer ist man vor Ort, dass die beiden ihren wertvollen Beitrag leisten. „Meistens kommen 5 bis 10 Frauen zu den offenen Sprechstunden“, so KlaRissa-Leitung Natalya Draeger. „Die Frauen sind enorm dankbar für das Angebot und es hat sich nach und nach etabliert, dass wir hier eine kostenfreie Untersuchung anbieten können“, ergänzt sie. Den meisten Patientinnen sei es unmöglich einen Arzt zu googeln und dann einen Termin zu machen, mit einem Erstkontakt vor Ort, können man dann aber Vertrauen aufbauen und weitere Schritte einleiten. Die Termine gibt Draeger mit ihrem Team direkt an die Menschen in der Bruchstraße weiter.
Vom Alltag kaum zu unterscheiden
„Ich kümmere mich vor Ort größtenteils um akute Probleme oder darum Dinge abzuklären, die Arbeit unterscheidet sich fachlich nicht vom Praxisalltag, allein die Sprachbarriere kommt hinzu, deshalb sind Dolmetscher vor Ort unverzichtbar“, weiß Dr. Gösling. Vor Ort sind die beiden Ärzte mit allem ausgestattet, was sie für ihre Arbeit brauchen und wenn es doch einmal komplexer werde, dann könne sie die Patienten auch zu sich in die Praxis nehmen. „Solange wir einen Erstkontakt hergestellt haben und Vertrauen herrscht, können wir auf etwas aufbauen“, so die Medizinerin. Natalya Draeger und ihr Team leisten weiterhin Aufbauarbeit mit ihrer Einrichtung. „Wir wollen unser Angebot noch erweitern und z.B. einen Sprachkurs vor Ort anbieten. Ziel ist es, die Frauen stärken, ihnen so mehr Selbstbestimmung zu ermöglichen und ihnen die Möglichkeit geben, stärker am sozialen Leben teilzunehmen.“ Der Treffpunkt werde möglichst als erste Anlaufstelle dienen und bei entsprechenden Problemlagen jeweils bedarfsgerecht und lösungsorientiert weitervermitteln oder begleiten.
Prostitution in Braunschweig
Prostitution findet in der Stadt Braunschweig sowohl auf der Bruchstraße als auch in zahlreichen Wohnungen statt. Die Polizei schätzt, dass rund 300 bis 350 Frauen an einem Freitagabend in Braunschweig arbeiten.