Jasperallee: Warum ich froh bin, dass die Bäume nun weg sind

von Nick Wenkel


Am heutigen Donnerstag wurden die Bäume auf der Jasperallee gefällt – endlich. Foto: Alexander Dontscheff
Am heutigen Donnerstag wurden die Bäume auf der Jasperallee gefällt – endlich. Foto: Alexander Dontscheff Foto: Dontscheff

Braunschweig. Am heutigen Donnerstag war es soweit: Die Bäume an der Jasperallee wurden, wie von der Stadtverwaltung angekündigt, gefällt. „Endlich", möchte ich als Kritiker der Kritiker am liebsten sagen. Aus meiner Sicht war die schnelle Umsetzung nicht nur aus rein planungstechnischer Sicht der vollkommen richtige Schritt der Stadtverwaltung, sondern vor allem auch aus demokratischen Gesichtspunkten.


Ein großes Problem innerhalb unserer Gesellschaft ist es mittlerweile, dass viele Leute glauben, sie würden automatisch Recht bekommen, nur weil sie lauter schreien als ihr Gegenüber. Bestes Beispiel dafür war über viele Wochen die viel diskutierte Jasperallee und die damit verbundenen Planungen der Verwaltung. Kurz zusammengefasst: Nachdem die Stadtverwaltung bei einer Untersuchung herausfand, dass die Bäumeauf dem Grünstreifen der Jasperallee zu Sterben begannen oder bereits abgestorben waren, plante man die Bäume durch vitalere Pflanzen zu ersetzen. Und genau hier sollte die Diskussion doch eigentlich schon ein Ende finden, oder nicht? Wer will schon ähnliches erleben, wie im Oktober 2017 am Hagenmarkt, als Sturmtief Xavier die teils kaputten und nicht mehr standhaften Bäume umwarf und so das Leben vieler Passanten gefährdete? Nur zur Erinnerung: Eine Frau entkam damals nur knapp einer Katastrophe (lesen Sie hier).

Menschen sind mir wichtiger


Es grenzt schon an Egoismus und letztlich vor allem an Ignoranz nun eben jene Bäume, die gutachterlich eine Gefahr für Passanten und Autofahrer darstellen könnten, zwanghaft auf der Jasperallee halten zu wollen. Wie vielen anderen, ist auch mir die Natur logischerweise sehr wichtig. Nicht nur für mich persönlich, sondern insbesondere für die nachfolgende Generation. Bei Aller Liebe zu Mutter Natur: Menschen sind mir wichtiger. Und hier gilt es abzuwägen, wie weit man in die Natur eingreifen darf, sodasses für die Menschheit noch einen wirklichen Nutzen gibt. Im Gegensatz zu vielen anderen Rodungen und Fällungen – ein geeignetes Beispielwurde ja erst vor wenigen Monatenunüberschaubar in der nationalen Presse thematisiert – ist der Nutzen doch hier klar erkennbar. Hätte die Verwaltung an der Jasperallee vorgeschlagen, gänzlich auf Bäume verzichten zu wollen, wäre auch ich ein großer Kritiker des Vorhabens gewesen. Hier werden aber eben im ersten Schritt 24kranke Bäume mit 28 gesunden Bäumen ersetzt. Mal ganz abgesehen davon, dass selbst dann, wenn die Bäume wie aus Kritikersicht aktuell noch erhalten bleiben könnten, einvollständiger Austausch durch vitalere Bäume einfach mit Blick auf die Zukunft sehr viel mehr Sinn macht. Und es ist erst der Anfang: Die Stadt kündigte bereits an, in diesem Jahr mehrere tausend Bäume neupflanzen zu wollen, darunter alleine 1.400 Laubbäume.

Absurde Vorwürfe an die Denkmalschutzbehörde


Umso unerklärlicher sind für mich die Entwicklungen der vergangenen Wochen, in denen immer wieder neue Forderungen, Anträge und Kritiken in die Öffentlichkeit getragen wurden, dieletztlich eher verzweifelt und albern daher kamen. Ein Beispiel: Der obersten Denkmalschutzbehörde, deren explizite Aufgabe das Wahren des Denkmalschutzes ist, vorzuwerfen, sie würde sich Worte einer Verwaltung in den Mund legen lassen,ist nicht nur völlig absurd, sondern auch ein Schlag ins Gesicht eines jeden pflichtbewussten Mitarbeiters der Denkmalschutzbehörde.

So funktioniert Demokratie


Aber auch nach der Fällung der Bäume am heutigen Donnerstag scheint noch nicht endgültig Ruhe in die Thematik eingekehrt zu sein. Immer wieder liest man Kritik an der Verwaltung, die Bäume seien überhaupt nicht krank. Oder auch Äußerungen, wie „Die Meinung der Bürger wurde missachtet"und „So funktioniert Demokratie nicht". Doch, genau so funktioniert Demokratie. Ausschüsse, Stadtbezirksräte und der Rat der Stadt, überall innerhalb der kommunalpolitischen Gremien, eben dort, wo ein solches Projekt thematisiert werden muss, wurde über das Vorhaben unzählige Male diskutiert – und es wurde mehrfach darüber abgestimmt. Trotz aller Kritik, die in diesem Fall zwar nicht sehr verbreitet, aber eben sehr laut war, hat sich die Stadt nicht beirren lassen und hielt an ihrem Plan fest. Eine richtigeEntscheidung nicht nur für die Jasperallee, sondern auch für viele künftige Projekte, die auf demokratischerGrundlageentschieden werden.

Ein Bärendienst für künftige Aktionen


Zusammenfassend lässt sich für mich feststellen, dass viele selbsternannte Baumfreunde mit ihrem ignoranten, teilweise schon fast kindlichem Verhalten, in diesem Fall einen Bärendienst für künftige, sinnigereProtestaktionen erwiesen haben. Den oft von Kritikern vorgebrachte Spruch „Bäume sind auch Lebewesen" kann ich zu 100 Prozent unterschreiben. Lebewesen sind aber eben auch jene Hanfpflanzen, die ja offensichtlich hin und wieder in Braunschweig gerneauf jeglicheWeise konsumiert werden. Und an der Jasperallee geht die Natur nicht in Rauch auf, sondern neue, gesunde Bäume werden hier demnächst zu finden sein und sorgen letztlich dafür, dass die kommende Generation zumindest an dieser Stelle fürviele Jahre keine Sorgen haben dürfte.


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