"Liberating the Monument": Kolonialdenkmal in neuem Gewand

Mit dem Kunstwerk, das in der kommenden Woche vorgestellt wird, soll ein Gegennarrativ zum bestehenden Kolonialdenkmal in der Jasperallee geschaffen werden.

Künstlerin Patricia Kaersenhout vor dem Kolonialdenkmal Braunschweig.
Künstlerin Patricia Kaersenhout vor dem Kolonialdenkmal Braunschweig. | Foto: Andreas Greiner-Napp

Braunschweig. Vor etwas mehr als 100 Jahren, im Jahre 1925, wurde das Braunschweiger Kolonialdenkmal errichtet. Jetzt ist der Gewinnerentwurf des internationalen künstlerischen Wettbewerbs zum Kolonialdenkmal umgesetzt: Am Mittwoch, 25. Februar, wird das Kunstwerk "Liberating the Monument" von patricia kaersenhout, am Kolonialdenkmal im Braunschweiger Stadtpark an der Jasperallee der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu der Veranstaltung von 15 bis 16 Uhr ist die Bevölkerung eingeladen, wie es in einer Pressemitteilung der Stadtverwaltung heißt.



Die Stadt Braunschweig setzt sich im Rahmen des gesellschaftlichen Diskussionsprozesses über eine notwendige Weiterentwicklung von Erinnerungskultur mit ihrem kolonialen Erbe auseinander. Durch einen im Juni 2022 mit der Unterstützung eines wissenschaftlichen Beirats und eines künstlerischen Kuratoriums ausgelobten künstlerischen Wettbewerb sollte das bisher im Denkmal formulierte historische Selbstverständnis und dessen darin verhandelte geschichtliche Perspektive kommentiert, aufgebrochen, kontrastiert und ergänzt werden. Ziel sei es gewesen, durch den Wettbewerb dieses Stück deutscher Kolonialgeschichte aufzuarbeiten und durch eine formale und konzeptuelle Umsetzung die dem Denkmal von 1925 implizite Verherrlichung der Kolonialgeschichte kritisch zu reflektieren.

Unter sechs eingereichten Entwürfen von 12 eingeladenen Künstlerinnen, Künstlern und Kollektiven wurde der Entwurf von Patricia Kaersenhout als Gewinnerentwurf ausgewählt.

Künstlerisches Gegennarrativ


Das Kunstwerk verfolge das Ziel eines Perspektivwechsels in einer dekolonialen Erinnerungskultur: Nach jahrhundertelanger Reproduktion einer Erinnerungskultur aus kolonialer und kolonialrassistischer Perspektive sollen nunmehr Opfer sowie Gegnerinnen und Gegner von Kolonialismus und Ausbeutung Aufmerksamkeit und Würdigung erfahren. Mittels des künstlerischen Eingriffs werde im öffentlichen Raum der Stadt Braunschweig ein permanentes, künstlerisches Gegennarrativ zum bestehenden Kolonialdenkmal in der Jasperallee geschaffen, welches zum Diskurs über dekoloniale Fragestellungen und die damit verbundene kritische Reflexion deutscher Kolonialgeschichte anregen und deren Verherrlichung und Verharmlosung kritisch reflektieren soll.

Geschichten über QR-Code hörbar


Mit "Liberating the Monument" lade die Künstlerin Patricia Kaersenhout dazu ein, über neue Sichtweisen nachzudenken und so die blinden Flecken im Kulturarchiv einer Kolonialgeschichte sichtbar zu machen. Namen von Widerstandsheldinnen und ‑helden, die gegen die deutschen Kolonialbesatzer kämpften, werden in schwarzen Granit graviert. Als erhöhte Plattform umgibt das glänzende Gestein an Grabplatten erinnernd das bestehende Denkmal. Drei schwarze Spiegel umgeben das Denkmal und spiegeln dieses ausschnittsweise wider. Über einen QR-Code sind die Geschichten der siebzehn verewigten Widerstandsheldinnen und -helden in Deutsch und Englisch hörbar, sowie in weiteren neun Sprachen lesbar.

Hintergrund


Ursprünglich bildete das Kolonialdenkmal den Endpunkt der damaligen Kaiser-Wilhelm-Straße, der heutigen Jasperallee, als es am 14. Juni 1925 von dem Bildhauer Jakob Hofmann errichtet wurde. Der Entwurf des Denkmals stammt von dem Architekten, Stadtbaurat und späteren NSDAP-Mitglied Hermann Flesche. Initiator und Financier des Denkmals war der "Verein ehemaliger Ostasiaten und Afrikaner". Ziel des Vereins war es, mit der Errichtung des Denkmals an die in den deutschen Kolonien gefallenen Soldaten zu erinnern und den Gedanken der Wiedergewinnung der Kolonien wachzuhalten. Die Nationalsozialisten ließen das Denkmal, weil es sie bei der geplanten Verlängerung der heutigen Jasperallee störte, 1936 an seinen heutigen Standort versetzen. Das Denkmal ist im niedersächsischen Denkmalverzeichnis wegen seiner geschichtlichen Bedeutung aufgrund des Zeugnis- und Schauwertes für politische Geschichte aufgelistet.

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